Die Bezirke Ard al-Hamra and Tariq al-Bab in Aleppo. Bei einem Doppelangriff am 22. Februar 2013 starben dort mindestens 117 Menschen. © 2013 DigitalGlobe (December 15, 2012); Atrium (February 24, 2013). Analysis by AAAS
Die Bezirke Ard al-Hamra and Tariq al-Bab in Aleppo. Bei einem Doppelangriff am 22. Februar 2013 starben dort mindestens 117 Menschen. © 2013 DigitalGlobe (December 15, 2012); Atrium (February 24, 2013). Analysis by AAAS

Syrien Satellitenaufnahmen belegen weitgehende Zerstörung Aleppos

Neue Satellitenaufnahmen von Aleppo belegen, wie die Zivilbevölkerung unter dem andauernden Krieg in Syrien leidet. Massive Menschenrechtsverletzungen, Flucht und Vertreibung haben zu einer humanitären Katastrophe geführt.

Diese Bilder wurden vor und nach Angriffen im Februar 2013 in Aleppo aufgenommen.

Die aktuelle Analyse erbringt Beweise, dass das humanitäre Völkerrecht im Syrienkonflikt konsequent missachtet wird. Die Folge: weiträumige Zerstörung, Tote und Vertriebene. Die Auswertung der Bilder wurde von der American Association for the Advancement of Science (AAAS) in Zusammenarbeit mit Amnesty International durchgeführt.

Die Syrien-Researcherin von Amnesty International, Donatella Rovera, ist gerade aus Aleppo zurückgekehrt und bestätigt diese Einschätzung: «Das, was wir vor einem Jahr befürchtet haben, ist nun bittere Realität geworden: Aleppo, die einst bevölkerungsreichste Stadt Syriens, ist fast völlig zerstört. Die meisten Einwohner sind vor den ständigen Bombenangriffen geflohen. Die Zurückgebliebenen sind in der belagerten Stadt ständigem Feuergefecht ausgeliefert und leiden unter katastrophalen humanitären Bedingungen.»

Donatella Rovera ist seit April 2012 mehr als zehn Mal in Nordsyrien eingereist, um Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren. Sie hat unter anderem Beweise über aussergerichtliche Hinrichtungen, Massenhinrichtungen, die Nutzung verbotener Waffen und völkerrechtswidrige Luftangriffe auf Wohngegenden, denen auch zahlreiche Kinder zum Opfer fielen, gesammelt.

Der Hauptgrund für die weitreichende Zerstörung sind zweifelsohne die rücksichtslosen Luftangriffe der syrischen Regierung auf Stadtviertel, in denen Kämpfer der Regierungsgegner vermutet wurden. Ganze Gebiete wurden dem Erdboden gleichgemacht und unzählige Zivilpersonen getötet. Auch die als UNESCO-Weltkulturerbe klassifizierte Altstadt von Aleppo ist stark beschädigt, unter anderem das Minarett der Grossen Moschee und der Souk al-Madina. Auch dies ist ein klarer Verstoss gegen humanitäres Völkerrecht, das alle Parteien eines bewaffneten Konfliktes verpflichtet, kulturelles Erbe zu respektieren und zu schützen. Allerdings haben auch die bewaffneten Widerstandskämpfer Menschenrechtsverletzungen an Zivilpersonen begangen, namentlich summarische Hinrichtungen von Gefangenen und mutmasslichen Sympathisanten des Regimes.

Vor dem Hintergrund der humanitären Katastrophe in Syrien fordert Amnesty International die syrische Regierung auf, Hilfsorganisationen Zugang auch zu jenen intern Vertriebenen zu gewähren, die sich unter prekären Bedingungen in den von den Rebellen kontrollierten Gebieten aufhalten. Zudem muss die internationale Gemeinschaft ihre Anstrengungen zur Bewältigung der Flüchtlingskrise massiv verstärken, beispielsweise durch die Aufnahme deutlich grösserer Flüchtlingskontingente aus den überfüllten Lagern.

 

Medienmitteilung veröffentlicht: 7. August 2013
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