Eine Fassbombe schlägt in der syrischen Stadt Daraya ein. Februar 2014. © Fadi Dirani/AFP/Getty Images
Eine Fassbombe schlägt in der syrischen Stadt Daraya ein. Februar 2014. © Fadi Dirani/AFP/Getty Images

Syrien Neues Video belegt erschreckende Realität in der belagerten Stadt Daraya

19. April 2016
Die von Amnesty International veröffentlichten Videoaufnahmen zeigen die grausame Realität in der von Regierungstruppen belagerten und mit Fassbomben terrorisierten Stadt Daraya bei Damaskus. Mit Blick auf die neue Runde der Genfer Friedensgespräche fordert Amnesty die internationale Gemeinschaft dringend auf, den Druck auf das syrische Regime zu erhöhen, damit dieses endlich humanitäre Hilfe vor Ort zulässt.

Die Videoaufnahmen wurden zwischen Ende Januar 2014 und Februar 2016 von Zivilpersonen in der Stadt Daraya bei Damaskus gemacht. Einige der Aufnahmen wurden bislang nie veröffentlicht.

Daraya wird seit November 2012 von Regierungstruppen belagert. Gemäss Angaben lokaler Behörden gingen über der Stadt in den vergangenen zwei Jahren rund 6’800 Fassbomben nieder. Diese mit Sprengstoff und Metallsplittern gefüllten Ölfässer oder Gaszylinder werden aus Flugzeugen oder Helikoptern abgeworfen und können nicht präzise auf militärische Ziele gerichtet werden. Ihre Verwendung in bewohnten Gebieten stellt daher ein Kriegsverbrechen dar. Die Videos zeigen unmittelbar die grausame Wirkung und den Terror, den diese Bomben unter der Zivilbevölkerung anrichten. 

Belagerung und Beschuss trotz «Waffenstillstand»

Zwar sind seit dem Inkrafttreten eines «Waffenstillstandes» am 26. Februar keine Fassbomben mehr auf Daraya abgeworfen worden. Der Beschuss mit anderen Waffen dauert jedoch an, ebenso die rücksichtslose Belagerung der 4‘000 bis 8‘000 noch in Daraya verbliebenen Zivilpersonen. Seit November 2012 hat die Regierung keine einzige humanitäre Hilfslieferung in die Stadt erlaubt. Amnesty International hat eine Liste von über 100 dringend benötigten Medikamenten und medizinischen Geräten erhalten. Wie Daraya werden bis heute mindestens fünf andere Orte belagert, zum Beispiel Teile von Ost-Ghouta.

Der humanitäre Zugang muss in Genf erste Priorität sein

Es ist schwer nachvollziehbar, warum die Uno und andere einflussreiche Akteure nicht stärkeren Druck auf das syrische Regime ausüben, damit die grausamen Belagerungen endlich gestoppt werden. Amnesty International fordert, dass das syrische Regime das Völkerrecht und entsprechende Uno-Resolutionen respektiert und humanitäre Hilfe zulässt. Die Frage des Zugangs humanitärer Hilfslieferungen zur leidenden Zivilbevölkerung in Daraya und zu anderen belagerten Orten muss bei den Genfer Friedensgesprächen prioritär behandelt werden.