© Amnesty International
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Internationaler Tag der Verschwundenen Syrien: Zehntausende Verschwundene dürfen nicht vergessen werden

30. August 2017
Die syrische Regierung und andere bewaffnete Gruppen müssen über das Schicksal der zehntausenden von Menschen Auskunft geben, welche seit dem Beginn der Krise 2011 verhaftet oder verschleppt worden und seither verschwunden sind. Dies fordert Amnesty erneut aus Anlass des Tages der Verschwundenen.

«Im Schatten der Brutalität des blutigen Krieges in Syrien ist das Schicksal derjenigen, die nach ihrer Verhaftung durch das Regime oder bewaffnete Gruppen verschwunden sind, eine Tragödie, die die internationale Politik bisher weitgehend ignoriert hat», sagt Philip Luther, der Research-Verantwortliche für den Nahen Osten von Amnesty International.

«Insbesondere Russland und die USA müssen verstärkt Druck ausüben auf die syrische Regierung resp. oppositionelle bewaffnete Gruppen, damit diese über den Verbleib der Verschwundenen informieren, unabhängigen Beobachtern Zugang zu Hafteinrichtungen gewähren und es Häftlingen gestatten, mit ihren Angehörigen in Verbindung zu treten».

Nach Angaben des Syrischen Netzwerks für Menschenrechte (SNHR) ist allein das syrische Regime bzw. dessen Sicherheitsapparat seit 2011 für das Verschwinden von 75‘000 Menschen in zahlreichen Hafteinrichtungen verantwortlich. Amnesty hat dies bereits 2015 mit dem Bericht «Between prison and the grave»: enforced disappearances in Syria» dokumentiert. Es fehlt aber auch jede Spur von rund 2000 Personen, die von bewaffneten oppositionellen Gruppen und dem so genannten Islamischen Staat in Haft genommen worden sind, so etwa die AktivistInnen des Violations Documentation Centres (VDC) Razan Zeitouneh, Wael Hamada, Samira Khalil und Nazem Hammadi. Das Fehlen jeglicher Informationen seit Jahren ist für die Angehörigen eine kaum erträgliche Belastung.

«In Syrien herrscht bislang völlige Straflosigkeit für die Verantwortlichen der Praxis des Verschwindenlassens. Die internationale Gemeinschaft muss das Schicksal der Verschwundenen bei jeder Gelegenheit – auch bei den Friedensgesprächen in Genf und Astana – auf den Tisch bringen, sind doch Wahrheitsfindung, Rechenschaftspflicht und Entschädigung unerlässlich für jede nachhaltige Bewältigung der Folgen von Konflikten», so Philip Luther.  

Aus Anlass des Internationalen Tages der Verschwundenen lanciert Amnesty die Aktions-Webseite tensofthousands.org und macht unter anderem auch mit einer Ausstellung in Beirut und mit Aktionen in Genf auf das Schicksal der Zehntausensen von Verschwundenen in Syrien aufmerksam.

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