Zerstörte Häuser in Idlib. © AI
Zerstörte Häuser in Idlib. © AI

Syrien Idlib: Zweieinhalb Millionen Zivilpersonen in Gefahr

3. September 2018
Es mehren sich die Signale, wonach in der Region Idlib im Nordwesten Syriens eine Grossoffensive der syrischen Armee und ihrer Verbündeter bevorsteht. Das Gebiet ist das letzte grössere, das von Rebellen kontrolliert wird. Der Zivilbevölkerung, unter ihnen 700'000 intern Vertriebene, droht eine humanitäre Katastrophe. Amnesty International fordert die Welt zum Handeln auf.

Idlib ist das letzte grössere Gebiet in Syrien, das von Rebellen kontrolliert wird. In der Region fanden über 700'000 Menschen aus anderen Teilen Syriens Zuflucht; die Bevölkerung ist dadurch auf mehr als 2,5 Millionen gestiegen. Zahlreiche der Flüchtlinge wurden vom Regime zwangsweise aus Aleppo, Ost-Ghuta oder Daraa nach Idlib evakuiert, nachdem die dortigen Rebellen nach teilweise jahrelanger Belagerung und Bombardierungen in die Kapitulation eingewilligt hatten. Nirgendwo sonst in Syrien leben mehr intern Vertriebene als in Idlib.

«Deeskalationszone»?

Im März 2017 hatten Russland, Iran und die Türkei Idlib als «Deeskalationszone» bezeichnet. Dennoch hat das syrische Regime seither mehrere Luft- und Bodenangriffe auf die Region durchgeführt, und  in der Stadt Saraqeb kam es am 5. Februar 2018 zu einem Chemiewaffenangriff. Hinzu kommen Hunderte ziviler Opfer durch Bombenanschläge und Kämpfe zwischen bewaffneten Rebellengruppen. Ominöse Verlautbarungen der syrischen und russischen Regierung in den letzten Wochen deuten darauf hin, dass eine militärische Grossoffensive unmittelbar bevorstehen könnte. 

Desaströse humanitäre Lage

Die grosse Mehrheit in der Region Idlib, über 2 Millionen Menschen, sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Viele von ihnen leben in behelfsmässigen Lagern. Die Versorgungslage ist  schwierig, und Spitäler sind wiederholt gezielt bombardiert worden. In etlichen Camps hat zudem eine der dominierenden islamistischen Gruppierungen, Hay’at Tahrir al-Sham, brutale Razzien durchgeführt.  

Drohende humanitäre Katastrophe

Angesichts dessen, dass das syrische Regime sich bei sämtlichen militärischen Offensiven (Homs, Aleppo, Ost-Ghuta, Daraa…) äusserst rücksichtsloser, völkerrechtswidriger Belagerungs- und Bombardierungsstrategien gegen die Zivilbevölkerung bedient hat, muss im Falle eines Angriffs auf Idlib das Schlimmste befürchtet werden. Amnesty ruft deshalb die Welt und namentlich Russland, Iran und die Türkei unter dem Hashtag #EyesOnIdlib dazu auf, alles zu tun, um die Zivilbevölkerung vor Angriffen zu schützen. Die drei Länder sind die Schutzmächte der Friedensgespräche in Astana.