Briefmarathon 2005: Die Erfolge

Am Briefmarathon im Dezember 2005 wurden in der Schweiz über 20'000 Briefe für elf Personen geschrieben, die von Menschenrechtsverletzungen betroffenen sind. Für fünf von ihnen hat sich die Situation dank der Briefaktion verbessert. Weltweit kamen über 80'000 Briefe zusammen.

In der Woche vom 10. Dezember 2005 wurden aus der Schweiz  20'160 Briefe geschrieben und verschickt. 55 AI-Gruppen in der Schweiz nahmen daran teil und führten fast 100 Aktionen - auf der Strasse, in Bibliotheken, Cafés etc. durch.

Weltweit nahmen AktivistInnen in 40 Ländern - von Armenien bis Simbabwe -  am Briefmarathon teil und schrieben über 80'000 Briefe. Der Schweizer Briefmarathon zählte neben Kanada, USA und Polen zu den Grössten.

Die Briefe wurden zu Gunsten von elf Personen geschreiben, die von Menschenrechtsverletzungen betroffen sind. In mindestens fünf Fällen trafen daraufhin Verbesserungen ein.

Murat Kurnaz: Guantánamo-Häftling endlich frei
© Privat

Am 24. August 2006 wurde Murat Kurnaz nach vier Jahren und acht Monaten Haft im US-Gefangenenlager Guantánamo freigelassen und konnte zu seiner Familie nach Deutschland zurückkehren.

«Kurnaz sass jahrelang in Haft: ohne Anklage, ohne Gerichtsurteil und fast ohne Kontakt zur Aussenwelt - obwohl der US-Geheimdienst schon früh einräumte, Kurnaz habe keine erkennbare Verbindung zu Terroristen», sagte Ferdinand Muggenthaler, USA-Experte von Amnesty International in Deutschland. Nach eigenen Aussagen wurde Kurnaz in Guantánamo gefoltert und schwer misshandelt.

Murat Kurnaz wurde 1982 in Bremen als Sohn von türkischen Einwanderern geboren. Seine Eltern kamen in den 1970er Jahren als so genannte «Gastarbeiter» nach Deutschland. Während einer Reise nach Pakistan wurde er im November 2001 verhaftet und kurz darauf in US-Gewahrsam in Kandahar, Afghanistan übergeben. Im Januar 2002 erfuhr seine Familie über eine Postkarte, dass er im Gefangenenlager Guantánamo festgehalten wird.

Nur dank dem intensiven Lobbying seiner Familie, RichterInnen und AI-Mitgliedern rund um die Welt, begannen die deutschen Behörden, in seinem Fall aktiv zu werden.

Während des Briefmarathons 2005 schrieben Tausende von SchweizerInnen Briefe an den Verteidigungsminister der USA und forderten von ihm, Murat Kurnaz freizulassen. AI bedankt sich bei allen SchreiberInnen für ihr Engagement für Murat, und freut sich ganz besonders über den erzielten Erfolg.

Jennifer Latheef: Journalistin auf den Malediven freigelassen
Jennifer Latheef © AI

Jennifer Latheef, Journalistin auf den Malediven, wurde wegen ihrem politischen Engagement zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Sie wurde wegen «Terrorismus» angeklagt, weil sie dagegen protestiert hatte, dass auf den Malediven Menschen im Gefängnis starben und politische Gegner des Regimes unterdrückt werden.

Diesen August wurde sie nach zehn Monaten freigelassen. Weil sich Tausende von Menschen am letzten Briefmarathon für sie eingesetzt hatten, kam die maledivische Regierung unter Druck und Jennifer Latheef wurde vom maledivischen Präsidenten «begnadigt».

Die Beschuldigungen, sie sei eine «Terroristin», wurden jedoch nicht aufgehoben. «Ausserdem wurden die anderen vier Personen, die mit mir angeklagt wurden, nicht freigelassen», empört sich die 33-Jährige. Trotzdem hat sie die Begnadung angenommen, um sich so besser für die politischen Gefangenen auf den Malediven einsetzen zu können.

«Ich möchte jedem Einzelnen danken, der an meine Unschuld geglaubt und seine Zeit und seine Energie investiert hat - nicht nur für mich, sondern für alle Menschen auf den Malediven». Mit diesen Worten bedankte sich Jennifer Latheef kürzlich bei ihrem Besuch im Internationalen Sekretariat von Amnesty International. 

Mehmet Tarhan: Militdienstverweigerer in der Türkei freigelassen
Mehmet Tarhan © Privat

Der Militärdienstverweigerer Mehmet Tarhan war zu 4 Jahren Haft verurteilt worden. Ende April 2006 erreichte uns die Nachricht, dass Mehmet freigelassen, die Anklage gegen ihn jedoch nicht fallen gelassen wurde.

Während des Briefmarathons 2005 schrieben viele Menschen Briefe zugunsten von Mehmet Tarhan.

Leyla Mafi: Todesstrafe verhindert

Wie Amnesty International erfahren hat, wurde die Prügelstrafe von 99 Peitschenhieben im Februar 2006 in der Zentrale der Justizverwaltung in der Stadt Arak an Leyla Mafi vollstreckt.

Anschliessend wurde sie in eine Besserungsanstalt für Frauen in Teheran gebracht, wo sie acht Monate in Gewahrsam gehalten werden soll. Der Rechtsanwalt von Leyla Mafi dankte allen Menschen im Iran und im Ausland, die sich für seine Mandantin eingesetzt haben, um die Vollstreckung des gegen sie verhängten Todesurteils zu verhindern.

Nach Angaben des Anwalts ist Leyla Mafi trotz des erlittenen Traumas sehr froh, am Leben zu sein.

Jakub und Ajubchan Achmadov : Schutz für Familie von «verschwundenem» Tschetschenen

Tschetschenien: Auf der Suche nach seinem «verschwundenen» Bruder Ajubchan Achmadov verschwand der Tschetschene Jakub Achmadov selbst. Von beiden Brüdern gibt es bis heute kein Lebenszeichen.

Der Fall wird inzwischen vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verhandelt. Durch die Bekanntheit des Falles ist die Familie der beiden «verschwundenen» Brüder  vor Übergriffen geschützt.