Briefmarathon 2006: Die Erfolge

Für sieben Fälle bzw. acht Opfer von Menschenrechtsverletzungen hat sich AI am Briefmarathon 2006 eingesetzt. In drei Fällen haben die Briefe bis jetzt Wirkung gezeigt.
Äthiopische Journalistin freigelassen
Serkalem Fasil mit Mann und Baby © Privat

In den ersten Aprilwochen hat ein Gericht in Addis Abeba die Anklagepunkte gegen die äthiopische Journalistin Serkalem Fasil, ihren Lebensgefährten Eskinder Nega sowie 26 weitere Angeklagte fallengelassen. Sie alle sind mittlerweile aus dem Gefängnis entlassen worden.

«Die Freilassung von Serkalem Fasil ist ein grossartiger Erfolg. Wir danken allen Menschen, die sich am Briefmarathon 2006 für sie eingesetzt haben», sagt Rudi von Planta, Koordinator des Briefmarathons.

Unter den 25 Angeklagten befanden sich acht JournalistInnen. Sie waren wegen ihrer Berichterstattung zu den Parlamentswahlen Ende 2005 festgenommen worden.

Als Mitherausgeberin der unabhängigen Zeitungen Asqual, Menilik und Satenaw hatte Serkalem Fasil während der letzten Parlamentswahlen in Äthiopien 2005 regierungskritische Artikel veröffentlicht.

Daraufhin wurde sie im November 2005 verhaftet und ins Kaliti-Gefängnis in Addis Abeba gebracht. Während ihrer Haftzeit brachte sie im Juni 2006 unter unsäglichen Bedingungen ihren Sohn zur Welt. Mehr zu Serkalem Fasil »



Anklage gegen algerische Menschenrechtsverteidigerin aufgehoben
H. Boumerdesi und A. Siodhoum © Privat

Ein weiterer Erfolg für den Briefmarathon 2006: Die Anklage gegen die beiden MenschenrechtsanwältInnen Hassiba Boumerdesi und Amine Siodhoum wurde am 25. April 2007 aufgehoben.

Im August 2006 waren Hassiba Boumerdesi und Amine Siodhoum von einem Gericht in Algerien angeklagt worden, ohne Erlaubnis der Gefängnisbehörde verbotene Gegenstände in ein Gefängnis gebracht zu haben. Es handelte sich dabei lediglich um Visitenkarten und das Protokoll einer Anhörung. Den beiden drohten deswegen Haftstrafen von bis zu fünf Jahren.

Hassiba Hassiba Boumerdesi und Amine Siodhoum dankten Amnesty International (AI) für die Kampagne, welche die Organisation für sie lanciert hatte.

Amnesty International ist davon überzeugt, dass die Behörden die beiden MenschenrechtsanwältInnen mit der Anklage einschüchtern und dazu bringen wollten, ihre Arbeit einzustellen. Hassiba Hassiba Boumerdesi und Amine Siodhoum haben Fälle von Folter dokumentiert und öffentlich unfaire Gerichtsverfahren gegen Personen kritisiert, die wegen «Terrorismus» angeklagt worden waren. Ausserdem arbeiten sie mit Organisationen von Familien von «Verschwundenen» zusammen. Mehr zu Hassiba Boumerdesi und Amine Siodhoum »

Vertreterin der Indigenen nach 18 Monaten Haft freigelassen
Beim Verlassen des Gefängnisses  © Yazmín Ortega Cortéz.

Der Briefmarathon 2006 hat auch im Fall von Magdalena Garcia Duran Wirkung gezeigt: Am 9. November wurde sie aus dem Gefängnis Molino de las Flores in Texcoco im Bundesstaat Mexiko entlassen. Tausende von Menschen in der Schweiz hatten sich am Briefmarathon für ihre Freilassung eingesetzt. Diese erfolgte nach einem Gerichtsentscheid, wonach es keine Beweise gebe für die Vergehen, die Magdalena Garcia Duran zur Last gelegt wurden: «Entführung» und «die Errichtung von Strassenblockaden»

Magdalena Garcia Duran, Mitglied des indigenen Nationalkongresses von Mexiko, Strassenveräuferin und Mutter von fünf Kindern, wurde auf dem Weg zu einer Protestaktion wegen der angedrohten Räumung eines Blumenmarktes im Mai 2006 von mexikanischen Sicherheitskräften gewaltsam festgenommen. 207 Demonstrierende, darunter 47 Frauen, wurden bei der brutalen Niederschlagung der Proteste verhaftet, zwei kamen dabei ums Leben. Auf der stundenlangen Fahrt zum Gefängnis wurden die Verhafteten geschlagen, gedemütigt und bedroht, und es kam zu gravierenden sexuellen Übergriffen auf mindestens 26 Frauen. Auch Magdalene Garcia Duran wurde auf der Fahrt ins Gefängnis schwer misshandelt und bedroht.

«Die mexikanischen Behörden müssen Magdalena und ihrer Familie Wiedergutmachung zahlen für alles, was geschehen ist. Ausserdem fordern wir eine Untersuchung der Vorfälle und eine Strafverfolgung der Verantwortlichen», sagte der AI-Mexiko-Verantwortliche Rupert Knox. Dasselbe gilt für die anderen Opfer: rund 150 Personen müssen sich für dieselben «Delikte» wie Magdalena Garcia Duran vor Gericht verantworten, 20 von ihnen werden noch immer festgehalten.

Jugendaktivist in Weissrussland freigelassen
Zmitser Dashkevich © ByMedia.net

Zmitser Dashkevich, für den sich Mitglieder von Amnesty International (AI) weltweit eingesetzt haben, wurde frühzeitig aus dem Sklou-Gefängnis in Weissrussland entlassen. Er sei davon überzeugt, dass der internationale Druck die Ursache für seine Entlassung gewesen sei, sagte er in einem Interview kurz nach seiner Freilassung.

Die ersten, die von Zmitsers Freilassung erfuhren, waren seine Freunde, denen er von der Post in Sklou aus anrief, bevor er alleine mit dem Zug nach Hause reiste. Nachdem ihr letztes Nahrungsmittelpaket abgewiesen worden war, hatten die Eltern von Zmitser nicht mehr an eine frühzeitige Entlassung geglaubt.

Der Anführer einer Jugendbewegung wurde im November 2006 zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt für «die Organisation und die Teilnahme an Aktivitäten einer nicht registrierten Organisation». Sein offizieller Freilassungstermin wäre der 15. März 2008 gewesen.

Insbesondere zahlreiche AI-Jugendgruppen hatten sich mit verschiedenen Aktionen für Zmitser eingesetzt. Im Rahmen einer weltweiten Aktion schickten sie etwa 10'000 Origami-Schwäne an die Behörden, mit denen sie seine Freilassung forderten. In der Schweiz hatten sich Tausende Menschen am Briefmarathon 2006 für Zmitser Dashkevich eingesetzt.