Äthiopien: Serkalem Fasil: Hintergrund Journalistin bringt ihr Kind im Gefängnis zur Welt

Seit einem Jahr ist die Journalistin Serkalem Fasil im Kaliti Gefängnis in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba inhaftiert. Im November 2005 war die Herausgeberin verschiedener Zeitungen zusammen m

Seit einem Jahr ist die Journalistin Serkalem Fasil im Kaliti Gefängnis in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba inhaftiert. Im November 2005 war die Herausgeberin verschiedener Zeitungen zusammen mit 13 weiteren JournalistInnen verhaftet worden. Sie hatte verschiedene Artikel publiziert, in denen das Vorgehen der Regierung bei den Parlamentswahlen im Mai 2005 kritisiert wurde. Nachdem im Juni und November 2005 Demonstrationen gegen angeblichen Wahlbetrug stattfanden, führte die Regierung Massenverhaftungen unter Oppositionsmitgliedern und JournalistInnen durch. Bei den Protesten wurden über 80 Oppositionelle durch Sicherheitskräfte getötet, sieben Polizisten kamen ums Leben.

Serkalem Fasil war zur Zeit ihrer Inhaftierung schwanger. Vor wenigen Monaten hat sie in einem Polizeispital ihren Sohn zur Welt bringen müssen. Doch die Behörden gestatteten es Serkalem Fasil und ihrem ebenfalls inhaftierten Mann nicht, ihren Sohn ins Spital zu begleiten. Weil er zu früh und untergewichtig auf die Welt gekommen war, hatten Ärzte dringend geraten, ihn in einem Spital in einen Brutkasten zu geben. Serkalem Fasil muss nun unter unmenschlichen Bedingungem im Kaliti-Gefängnis von Addis Abeba für ihren Sohn sorgen. In ihrer Zelle gibt es Ratten, Kakerlaken und Flöhe. Amnesty International ist besorgt über die schrecklichen Bedingungen, unter denen Serkalem Fasil und ihr Baby im Gefängnis leben sowie über die Verweigerung einer angemessenen medizinischen Versorgung.

Serkalem Fasil wird des «Verrats», des «Verstosses gegen die Verfassung» und der «Anstiftung zu bewaffnetem Aufstand» angeklagt. Sollte sie für schuldig befunden werden, könnte ihr die Todesstrafe drohen. Amnesty International betrachtet sie als politische Gefangene, die aufgrund ihrer Überzeugungen und weil sie ihren rechtmässigen Beruf als Journalistin und Herausgeberin ausgeübt hat verhaftet wurde.

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