Shi Tao, China Zehn Jahre Haft wegen eines E-Mails

Ein E-Mail veränderte Shi Taos Leben. Am 27. April 2005 wurde der Dichter und Journalist von einem chinesischen Gericht wegen der «Weitergabe von Staatsgeheimnissen» zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt.
Shi Tao wurde von Yahoo verraten © APGraphicsBank

Ein Jahr zuvor, am 20. April 2004, hatte Shi Tao an einer Redaktionssitzung der Zeitung teilgenommen, bei der er arbeitete. Hauptthema der Sitzung war eine Direktive der Kommunistischen Partei Chinas betreffend der Berichterstattung vor dem 15. Jahrestag der Studentenproteste auf dem Tiananmen-Platz. Mehrer Tausende Menschen wurden bei der gewaltsamen Unterdrückung der Proteste durch Sicherheitskräfte getötet.

Die Direktive warnte vor möglichen Aufständen und der Infiltration durch «demokratische Kräfte» und «feindliche ausländische Elemente» um den Jahrestag. Die MedienvertreterInnen wurden angewiesen, «die öffentliche Meinung korrigierend zu beeinflussen» und «keine Meinungen, die der zentralen Politik zuwider laufen, zu veröffentlichen».

Yahoo! gab Shi Taos Identität preis

Shi Tao sendete eine Zusammenfassung der Sitzung über seine private E-Mail-Adresse an Hang Zhesheng, einen Mitarbeiter der «Asia Democracy Foundation» mit Sitz in New York. Um anonym bleiben zu können, gab Shi Tao als Absender den Zahlencode 198964 an. Am selben Tag wurde seine Zusammenfassung unter diesem Pseudonym im Internet veröffentlicht.  Durch die Zusammenarbeit mit Yahoo konnte die chinesische Regierung den Absender des E-Mails ermitteln. Am 24. November 2004 wurde Shi Tao von Einsatzkräften des Staatssicherheitsbüros von Changsha verhaftet, seine Wohnung wurde durchsucht und Computer und Notebooks beschlagnahmt. Am 28. Januar 2005 wurde er offiziell angeklagt.

Shi Tao gab im Verfahren zu, das E-Mail an Minzhu Tongxun («Democracy Newsletter») gesendet zu haben. Allerdings habe er damit seiner Einschätzung nach keine «Staatsgeheimnisse» verraten. Die staatlichen Behörden widersprachen. Das Material sei «top secret» gewesen. 

Zu Zwangsarbeit verdammt

Nun muss Shi Tao im Gefängnis Zwangsarbeit leisten und Schmuckstücke verarbeiten. Bereits jetzt hat der dabei entstehende Staub bei ihm zu schweren Haut- und Atemwegsreizungen geführt. Doch nicht nur gesundheitlich leidet Shi Tao unter den Gefängnisbedingungen. Er muss auch erleben, wie er den Rückhalt seiner Familie aufgrund von Schikanen verliert. Seine Frau liess sich bereits von ihm scheiden, um dem Druck zu entgehen, dem sie wegen seiner Verhaftung an ihrem Arbeitsplatz ausgesetzt war.