Serkalem Fasil Eine Erfolgsgeschichte

Die äthiopische Journalistin Serkalem Fasil wurde wegen ihrer Opposition gegen die Regierung verhaftet und musste ihren Sohn im Gefängnis zur Welt bringen. Internationaler Druck, unter anderem durch Tausende von Briefen am Briefmarathon 2006, hat zu ihrer Freilassung beigetragen
Serkalem Fasil mit Sohn Nafkot und Ehemann Eskinder Nega © Privat

Im Juni und November 2005 verhaftete die äthiopische Regierung zahlreiche Oppositionsmitglieder und Medienschaffende, die sich an Protesten gegen angebliche Wahlfälschungen bei den Parlamentswahlen vom Mai 2005 beteiligt hatten. Unter den Verhafteten befanden sich 14 Chefredaktoren und ReporterInnen unabhängiger Zeitungen, die kritisch über das Vorgehen der Regierung berichtet hatten.

Eine von ihnen war die Publizistin Serkalem Fasil. Ihr hätte die Todesstrafe gedroht, wäre sie wegen «Verrats», «Verstosses gegen die Verfassung» und der «Anstiftung zu bewaffnetem Aufstand» verurteilt worden. Dank des öffentlichen Drucks, der unter anderem durch Tausende von Briefen am Briefmarathon 2006 aufgebaut wurde, kam sie im vergangenen Jahr frei. Heute kann ihr Sohn, den sie im Gefängnis geboren hat, in Freiheit bei ihr aufwachsen.

Mit Medienpreis ausgezeichnet

Im vergangenen Jahr wurde Serkalem Fasils Einsatz für die Verteidigung der Meinungsäusserungsfreiheit mit dem Preis für «Mut im Journalismus» gewürdigt, der von der Internationalen Frauenmedienstiftung in New York verliehen wird. Die Journalistin hat sich entschieden, das Preisgeld an Amnesty International und das Comité pour la Protection des Journalistes zu spenden. Damit würdigt sie das Engagement der beiden Organisationen für ihre Freilassung.

Serkalem Fasil hat erklärt, dass sie ihr Preisgeld spendet, um sich zusammen mit den internationalen Organisationen gegen die Instrumentalisierung der nationalen, religiösen und kulturellen Unterschiede einzusetzen. «Ich möchte damit auch die Wichtigkeit der Arbeit dieser Organisationen betonen. Ich habe keinen Zweifel an der Bedeutung von Amesty International in diesem Bereich», so Serkalem Fasil.

Diese Spende kommt der Organisation zugute und vor allem jenen Menschen, die sich für die Journalistin eingesetzt und für ihre Freilassung Briefe geschickt haben.

Von Fabrice Praz

Erschienen in «amnesty in action» vom Dezember 2008
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion