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URGENT ACTION Briefaktion: Mexiko Verschwindenlassen von 43 Studierenden aufklären!

UA 010/24 I Mitmachen bis 31. Mai 2024 I (UA aktiv seit: 06.02.2024) I AI-Index: AMR 41/7679/2024
Fast zehn Jahre nach dem Verschwinden von 43 Studierenden in Ayotzinapa dauern die Ermittlungen weiterhin an. Ihre Angehörigen und die Menschenrechtsorganisationen, die sie unterstützen, haben die Regierung von Andrés Manuel López Obrador mehrfach aufgefordert, dafür zu sorgen, dass das Militär 800 Dokumente herausgibt, die für die Ermittlungen wichtig sind. Amnesty International schliesst sich dieser Forderung an. Der mexikanische Staat muss alle Unterlagen über das Verschwinden der 43 Studierenden zur Verfügung stellen, damit die Angehörigen der Opfer die Wahrheit erfahren und die Verantwortlichen strafrechtlich verfolgt werden können.

 

In der Nacht vom 26. auf den 27. September 2014 «verschwanden» 43 Lehramtsstudierende der Escuela Nor-mal Rural «Raúl Isidro Burgos» – einer Hochschule zur Ausbildung von Grundschullehrer*innen in Ayotzinapa – in der Kleinstadt Iguala im südmexikanischen Bundesstaat Guerrero. Fast zehn Jahre danach geben weder das mexikanische Innenministerium (Secretaría de Gobernación - SEGOB) noch das Ministerium für Sicherheit und Bürgerschutz (Secretaría de Seguridad y Protección Ciudadana - SSPC), wichtige Dokumente zur Aufklärung des Falls heraus. Das Verteidigungsministerium (Secretaría de la Defensa Nacional - SEDENA) gibt bis heute 800 Dokumente nicht frei, die für die Ermittlungen wichtig sind. Dieses Vorenthalten relevanter Informa-tionen durch Ministerien behindert die Ermittlungen und sorgt damit letztlich dafür, dass die Angehörigen der Opfer die Wahrheit über das Verschwindenlassen nicht erfahren und dass die Verantwortlichen nicht strafrechtlich verfolgt werden können.

Auch die öffentlichen Angriffe der Regierung gegen Organisationen, die die Angehörigen der 43 Studierenden unterstützen, geben Anlass zur Sorge. Die Angriffe bringen diese Organisationen in Verruf und erschweren den Angehörigen die Suche nach den Studierenden.

Gemäss dem Internationalen Übereinkommen der Vereinten Nationen zum Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen und anderen internationalen Vereinbarungen haben die Angehörigen von Verschwundenen das Recht, die Wahrheit über die Umstände des Verschwindenlassens und das Schicksal der Verschwundenen zu erfahren.

Im Jahr 2018 nahm die derzeitige mexikanische Bundesregierung die Ermittlungen im Fall der 43 verschwundenen Studierenden in Ayotzinapa wieder auf und versuchte, sie neu auszurichten. Zu diesem Zweck richtete sie die Kommission für Wahrheit und Zugang zur Justiz (Comisión para la Verdad y el Acceso a la Justicia del Caso Ayotzinapa - CoVAJ) und eine Spezialeinheit für Ermittlung und Prozessführung im Fall Ayotzinapa (Unidad Especial de Investigación y Litigación para el Caso Ayotzinapa - UEILCA) ein. Auch internationale Menschenrechtsorganisationen haben an den Ermittlungen mitgewirkt, insbesondere die Interameri-kanische Menschenrechtskommission (IACHR) über die Interdisziplinäre Gruppe unabhängiger Expert*innen (Grupo Interdisciplinario de Expertos Independientes, GIEI).
Aktuelle Ermittlungsergebnisse weisen darauf hin, dass das Militär am Verschwindenlassen der 43 Studierenden beteiligt war oder dieses zumindest vertuscht hat. So gibt es Belege dafür, dass sich Angehörige des militärischen Geheimdienstes als Studierende in die Escuela Normal Rural eingeschleust und dort die «verschwundenen» Studierenden ab deren Verlassen der Schule überwacht haben; dass andere Angehörige des militärischen Geheimdienstes den Studierenden in Iguala gefolgt sind; dass wieder andere Militärangehörige die Studierenden von ihrer Ankunft in Iguala bis zu ihrem Verschwindenlassen überwacht haben; dass diverse Polizeifahrzeuge in dem Gebiet patrouillierten, in dem die Studierenden angegriffen wurden, und dass Polizeikräfte mit einigen von ihnen Kontakt aufnahmen, ohne ihnen zu helfen.
Trotz dieser Fortschritte bei den Ermittlungen weigert sich die Regierung, fehlende Dokumente zum Fall Ayotzinapa herauszugeben. Im Jahr 2023 wies die GIEI darauf hin, dass die Regierung 800 Dokumente zurückhalte, die vom Militär stammen. In einem davon geht es um den Transport von 17 Studierenden von der Polizeiwache in Barandilla in die Aussenbezirke von Iguala. Es soll sich dabei um Abhörprotokolle der Mobiltelefone des stellvertretenden Polizeidirektors von Barandilla und des Anführers der kriminellen Gruppe Guerrero Unidos handeln, die das Militär erstellt hatte. Als sich die Regierung weigerte, diese Dokumente zur Verfü-ung zu stellen, verliess die GIEI die Kommission zur Aufklärung des Falls. Seit Juli 2023 fordern die Angehörigen der Opfer von Ayotzinapa die Aushändigung dieser Dokumente. Der Leiter des Ministeriums für Menschenrechte, Bevölkerung und Migration, Alejandro Encinas Rodríguez, bestätigte zwar die Existenz der Dokumente, kündigte jedoch im Oktober 2023 – ohne sie davor zu übergeben.
Seit 2023 greift Präsident Andrés Manuel López Obrador wiederholt die Menschenrechtsorganisationen an, die die Angehörigen der 43 Studierenden beraten, so zum Beispiel das Menschenrechtszentrum Miguel Agustín Pro Juárez und die GIEI.

Werden Sie aktiv:

Schreiben Sie einen Appellbrief in Ihren eigenen Worten oder verwenden Sie unseren Briefvorschlag. Die Modellbriefe zum kopieren finden Sie nachfolgend. Unter AKTUELLE DOKUMENTE finden Sie zudem druckfertige Briefe.
(Siehe weiter unten)

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Bitte schreiben Sie vor dem 31. Mai (= Frist verlängert) 2024.
Schreiben Sie in Spanisch oder in Ihrer eigenen Sprache.
 

Sehr geehrter Herr Präsident

Fast zehn Jahre nach dem Verschwinden von 43 Studierenden in Ayotzinapa dauern die Ermittlungen weiterhin an. Die Angehörigen und die Menschenrechtsorganisationen, die sie unterstützen, haben Sie mehrfach aufgefordert, dafür zu sorgen, dass das Militär 800 Dokumente herausgibt, die für die Ermittlungen wichtig sind. Bislang vergeblich.

Auch die öffentlichen Angriffe der Regierung gegen Organisationen, die die Angehörigen der 43 Studierenden unterstützen, geben Anlass zur Sorge. Die Angriffe bringen diese Organisationen in Verruf und erschweren den Angehörigen die Suche nach den Studierenden.

Ich fordere Sie auf, alle notwendigen Massnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass das Verteidigungs-ministerium (SEDENA) die 800 Dokumente so schnell wie möglich herausgibt, die von den Angehörigen der 43 Studierenden von Ayotzinapa und den sie unterstützenden Menschenrechts-organisationen gefordert werden. Die internationalen unabhängigen Expert*innen, die an den Ermittlungen beteiligt waren, müssen die Möglichkeit haben, diese Dokumente prüfen zu können.

Hochachtungsvoll,

Dear President,

I’m writing to express my deep concern about the refusal of the Ministry of Interior (SEGOB) and the Ministry of Security and Citizen Protection (SSPC) to provide crucial information regarding the disappearance of the 43 Ayotzinapa Rural Teacher Training College students in Iguala, Guerrero, occurred on September 26, 2014. Secretary of National Defense (SEDENA), led by your government, has not handed over to the ministries 800 essential documents for the investigation of the 43 students’ disappearance, including one about the transfer of 17 students from the Barandilla municipal police station to the outskirts of Iguala. This denial to provide relevant information hinders the course of investigations and ultimately that relatives of the victims know the truth about the disappearances, and that the responsible are prosecuted.

I am also concerned about the public attacks from your government toward the organizations that support the relatives of the 43 students. These attacks stigmatize the organizations and impact the families in their work to search for the students.

According to the UN International Convention for the Protection of All Persons from Enforced Disappearance, among other international documents, families of disappeared people have the right to the truth about the circumstances of a disappearance and the fate of the disappeared person.

Therefore, I urge you to take all necessary measures to ensure that SEDENA provides the 800 documents requested by the relatives of the 43 Ayotzinapa Rural Teacher Training College, organizations that supported them as soon as possible, and that international independent experts that participated in the investigations review these documents.

Yours sincerely,

Señor Presidente:

Me dirijo a usted para expresarle mi honda preocupación por la negativa de la Secretaría de Gobernación (SEGOB) y la Secretaría de Seguridad y Protección Ciudadana (SSPC) a proporcionar información crucial sobre la desaparición de los 43 estudiantes de la Escuela Normal Rural de Ayotzinapa, ocurrida en Iguala, Guerrero, el 26 de septiembre de 2014. La Secretaría de la Defensa Nacional (SEDENA), encabezada por su gobierno, no ha entregado 800 documentos esenciales para la investigación sobre la desaparición de los 43 estudiantes, incluido uno sobre el traslado de 17 estudiantes desde la comisaría de policía municipal de Barandilla hasta las afueras de Iguala. Esta negativa a proporcionar información relevante obstaculiza el curso de las investigaciones y, en última instancia, impide que los familiares de las víctimas conozcan la verdad sobre las desapariciones y que los responsables sean procesados.

También me preocupan los ataques públicos de su gobierno a las organizaciones que apoyan a los familiares de los 43 estudiantes. Estos ataques estigmatizan a las organizaciones y afectan a las familias en su empeño de buscar a los estudiantes.

Según la Convención Internacional de la ONU para la Protección de Todas las Personas contra las Desapariciones Forzadas, entre otros instrumentos internacionales, las familias de las personas desaparecidas tienen derecho a conocer la verdad sobre las circunstancias de una desaparición y la suerte corrida por la persona desaparecida.

Por tanto, le insto a tomar todas las medidas necesarias para garantizar que la SEDENA proporciona cuanto antes los 800 documentos solicitados por las familias de los 43 estudiantes de la Escuela Normal Rural de Ayotzinapa y las organizaciones que las apoyan, y que estos documentos son examinados por las personas expertas independientes internacionales que participaron en las investigaciones.

Atentamente,  

English:
I am very concerned about the stalled investigations regarding  the disappearance of the 43 students in #Ayotzinapa #Mexico. @lopezobrador_ @SEDENAmx the information from the military is crucial to clarify human rights violations, and you must provide it immediately. 

Español:
Estoy muy preocupado/a por la falta de progreso en las investigaciones sobre la desaparición de los 43 estudiantes en #Ayotzinapa #México. @lopezobrador_ @SEDENAmx la información del Ejército es crucial para esclarecer las violaciones a los derechos humanos, Deben brindar esta información inmediatamente.

 

APPELLE AN

Präsident:
Presidente Andrés Manuel López Obrador
Palacio Nacional, edificio 10, planta baja
Colonia Centro. C.P. 06060
alcaldía Cuauhtémoc
Ciudad de México
México

E-mail: [email protected] ([email protected])
Twitter/X: @lopezobrador_

 

Additional targets:

1) Minister Luisa María Alcalde Luján
Ministry of Interior (Secretaría de Gobernación (SEGOB))
[email protected]
X: @Segob_mx

2) Minister Rosa Icela Rodríguez Velázquez
Ministry of Security and Citizen Protection (Secretaría de Seguridad y Protección Ciudadana (SSPC))
[email protected]
X: @SSPCMexico

3) Minister Luis Cresencio Sandoval González
Ministry of National Defense (Secretaría de la Defensa Nacional (SEDENA))
[email protected]
X: @SEDENAmx


KOPIE AN

Botschaft von Mexiko
Weltpoststrasse 20
3015 Bern

Fax: 031 357 47 48
E-Mail: [email protected] 
Twitter/X: /EmbaMexSui
FB: /EmbMexSui

 



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MODELLBRIEF DEUTSCH 010/24 (Word)
MODEL LETTER ENGLISH 010/24 (Word)
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DIESE URGENT ACTION – KOMPLETT ALS WORD-DOKUMENT

Seite 1 Hintergrundinformationen, Seite 2 Modellbrief
UA 010/24 – DEUTSCH
UA 010/24 – ENGLISH


English version (click on title to open):

The investigation of the 43 students' disappearance on 26th September, 2014 remains ongoing, Their relatives and the organizations that support them have requested on several occasions the government of Andrés Manuel López Obrador to ensure that the Armed Forces deliver 800 documents crucial for the investigations. We urge the Mexican state to provide all the documents regarding the disappearance of the 43 students, so that relatives of the victims know the truth and those responsible are prosecuted.

On September 26, 2014, 43 students from the 43 Ayotzinapa Rural Teacher Training College in Iguala, Guerrero, Mexico, disappeared. In 2018, the current federal government resumed the investigations and tried to redirect the investigations. To this end, the Mexican Government has created the Commission for Truth and Access to Justice (CoVAJ) and the Special Investigation and Litigation Unit of the Ayotzinapa case (UEILCA). International human rights organizations have also collaborated in the investigations, particularly, the Inter-American Commission on Human Rights (IACHR) through the Interdisciplinary Group of Independent Experts (GIEI).

The last results of the investigations showed the possible omission or participation of the Armed Forces in the disappearance of the 43 students. For example, there are proofs that military intelligence agents infiltrated as students at the 43 Ayotzinapa Rural Teacher Training College and monitored the disappeared students since they left the school; that other agents of the army intelligence unit followed the students in Iguala; that other military agents monitored the students from their arrival in Iguala until their disappearance; that diverse police cars patrolled the areas where the students were being attacked and made contact with some students without giving them help.

Despite the progress in the investigations, the federal government has refused to deliver missing documents regarding the Ayotzinapa case. In 2023, the GIEI pointed out that the government has not handed over 800 documents from the Army, specifically, a document on the transfer of 17 students from the Barandilla municipal police station to the outskirts of Iguala, which is based on the military wiretapping to the cell phones of the Barandilla Police Deputy Director and the leader of the criminal group in the area Guerrero Unidos. After the refusal of the government to provide those documents, GIEI left the investigations. Since July 2023, relatives of Ayotzinapa victims, being aware of these documents, have insisted on their delivery. The Undersecretary of Human Rights, Population and Migration, Alejandro Encinas Rodríguez, confirmed the existence of these documents. However, Encinas Rodríguez quit in October 2023, and the government has refused to hand them over.

Since 2023, President Andrés Manuel López Obrador began a series of attacks to discredit the human rights organizations that advise the relatives of the 43 students, such as the Miguel Agustín Pro Juárez Human Rights Center and the GIEI.


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