Die Umweltorganisation FEDEPESAN setzt sich für den Schutz von Feuchtgebieten und Flüssen in Barrancabermeja, Kolumbien ein © Óscar Castaño / Amnesty International
Die Umweltorganisation FEDEPESAN setzt sich für den Schutz von Feuchtgebieten und Flüssen in Barrancabermeja, Kolumbien ein © Óscar Castaño / Amnesty International

URGENT ACTION Briefaktion: Kolumbien Drohungen und Angriffe untersuchen!

UA 012/24-1 I Mitmachen bis 30. April 2024 I (Update vom 23.02.2024) I AI-Index: AMR 23/7747/2024
Am 13. Februar wurde eine Handgranate in das Haus eines Mitglieds der Menschenrechtsorganisation CREDHOS geworfen. Mehrere Familienangehörige trugen Verletzungen davon. Dieser Angriff folgte auf wiederholte Drohungen im Januar und Anfang Februar gegen zivilgesellschaftliche Organisationen, die sich in der nordkolumbianischen Region Magdalena Medio für Menschenrechte, Landrechte und den Umweltschutz einsetzen, darunter CREDHOS und FEDEPESAN. Die kolumbianischen Behörden müssen für den Schutz dieser Organisationen sorgen.

 

In der Nacht des 13. Februar warfen Unbekannte eine Handgranate in das Haus eines Mitglieds von CREDHOS in Barrancabermeja. Dabei wurden mehrere Familienangehörige verletzt. Dieser Angriff erfolgte vor dem Hintergrund anhaltender Drohungen und Angriffe gegen Menschenrechtsverteidiger*innen, Landrechtsaktivist*innen und Umweltschützer*innen in Kolumbien. Betroffen sind insbesondere der Verband für traditionelle Fischerei, Umweltschutz und Tourismus im Departamento Santander (Federación de Pescadores artesanales, ambientalistas, y turísticos del departamento de Santander – FEDEPESAN) und die Organisation CREDHOS (Corporación Regional para la Defensa de los Derechos Humanos), die in der Stadt Barrancabermeja ansässig sind. Diese Organisationen wurden von bewaffneten Gruppen, die in dieser Region operieren, direkt bedroht, zu «militärischen Zielen» erklärt und darüber hinaus als Kollaborateure krimineller Banden in der Region stigmatisiert. FEDEPESAN und CREDHOS hatten die Präsenz krimineller Organisationen, die im Drogen- und Menschenhandel tätig sind, sowie die von regionalen Unternehmen verursachten Umweltschäden angeprangert.

Amnesty International hat die Gefährdung von Menschenrechtsverteidiger*innen in Kolumbien seit 2020 dokumentiert. Sowohl in persönlichen Gesprächen mit Behördenvertreter*innen als auch durch öffentliche Appelle und Aktionen auf sozialen und digitalen Plattformen machte die Menschenrechtsorganisation auf die Situation aufmerksam. Doch die Betroffenen und ihre Gemeinschaften werden weiterhin bedroht und angegriffen, nur weil sie ihre Rechte verteidigen. Die Reaktion der kolumbianischen Behörden zum Schutz der gefährdeten Menschenrechtsverteidiger*innen ist unzureichend, was auch einschliesst, dass die Verbrechen, denen sie ausgesetzt waren, ungestraft bleiben.

Die Region Magdalena Medio umfasst ein ausgedehntes Tal, durch das der Fluss Magdalena fliesst. Erdöl ist eine der wichtigsten wirtschaftlichen Grundlagen in der Region. Die Stadt Barrancabermeja liegt im Herzen von Magdalena Medio in der Provinz Santander. Dort wird die grösste Raffinerie des Landes betrieben. In dem Gebiet gibt es ausserdem Agrarindustrie, Bergbau und Viehzucht sowie weitere Wirtschaftszweige. In der Region Magdalena Medio haben eine basisdemokratische Organisierung und der Einsatz für die Menschenrechte seit Jahrzehnten Tradition. Gewerkschaftliche, feministische und menschenrechtliche Bewegungen machen die dortige besonders starke Zivilgesellschaft aus. Dieser Einsatz gegen verschiedene Formen von Ungerechtigkeit einerseits sowie der Streit um die territoriale, politische und wirtschaftliche Kontrolle in der Region zwischen verschiedenen – auch bewaffneten – Interessengruppen andererseits haben einen Nährboden für Gewalt gegen Menschenrechtsverteidiger*innen geschaffen, die seit den 1980er-Jahren, wenn nicht schon länger, anhält. 2023 wurden in Magdalena Medio alarmierend hohe Zahlen von Gewalttaten gegen die Zivilbevölkerung, insbesondere von Tötungsdelikten, verzeichnet. All dies geschieht vor dem Hintergrund der Neuorganisation von mindestens vier bewaffneten Gruppen, die in der Region präsent sind.

Der Verband für traditionelle Fischerei, Umweltschutz und Tourismus im Departamento Santander (Federación de Pescadores artesanales, ambientalistas, y turísticos del departamento de Santander – FEDEPESAN) ist am See San Silvestre in der Nähe der Stadt Barrancabermeja tätig. FEDEPESAN kämpft gegen die Wasserverschmutzung durch regionale Unternehmen sowie die Präsenz von kriminellen Organisationen, die in Drogen- und Menschenhandel verwickelt sind – auch mit juristischen Mitteln. In diesem Zusammenhang hat die Präsidentin von FEDEPESAN, Yuly Velázquez, zahlreiche Drohungen und Angriffe erlebt, die von Amnesty International dokumentiert wurden, darunter eine Drohung im November 2020, Schüsse auf ihr Haus im Januar 2021, Einschüchterungen bei Protestaktionen im August 2021, ein Angriff mit einer Schusswaffe im Mai 2022 und ein weiterer im Juli 2022 (bei dem ein Wachmann ihres Schutzprogramms verletzt wurde).

Nach Drohungen gegen den stellvertretenden Vorsitzende von FEDEPESAN im Februar 2021 durch die Nationale Befreiungsarmee (Ejército de Liberación Nacional – ELN) startete Amnesty International eine Urgent Action. Amnesty hat zudem Mängel in der Umsetzung des Schutzprogramms dokumentiert, das die kolumbianische Regierung Yuly Velásquez aufgrund ihres hohen Risikos über die Nationale Schutzeinheit (UNP) zur Verfügung stellt.

Die unabhängige Menschenrechtsorganisation CREDHOS (Corporación Regional para la Defensa de los Derechos Humanos) wurde 1987 gegründet und wird seit mehreren Jahren von Amnesty International begleitet. Im Jahr 2000 ordnete die Interamerikanische Menschenrechtskommission aufgrund von Drohungen durch paramilitärische Gruppen Schutzmassnahmen für CREDHOS an. Im Jahr 2016 erkannte die Entschädigungsstelle der kolumbianischen Regierung CREDHOS als Organisation an, der kollektive Wiedergutmachung zusteht, da ihre Mitglieder schwere Menschenrechtsverletzungen im Rahmen des bewaffneten Konflikts erlitten haben.

Werden Sie aktiv:

Schreiben Sie einen Appellbrief in Ihren eigenen Worten oder verwenden Sie unseren Briefvorschlag. Die Modellbriefe zum kopieren finden Sie nachfolgend. Unter AKTUELLE DOKUMENTE finden Sie zudem druckfertige Briefe.
(Siehe weiter unten)

Werden Sie auch auf SOCIAL MEDIA aktiv. (Infos siehe im entsprechenden Aufklappfeld)

Bitte schreiben Sie vor dem 30. April 2024.
Schreiben Sie in Spanisch oder in Ihrer eigenen Sprache.
 

Sehr geehrter Herr Direktor,

In der Nacht des 13. Februar warfen Unbekannte eine Handgranate in das Haus eines Mitglieds von CREDHOS in Barrancabermeja. Dabei wurden mehrere Familienangehörige verletzt. Dieser Angriff erfolgte vor dem Hintergrund anhaltender Drohungen und Angriffe gegen Menschenrechtsverteidiger*innen, Landrechtsaktivist*innen und Umweltschützer*innen in Kolumbien. Betroffen sind insbesondere der Verband für traditionelle Fischerei, Umweltschutz und Tourismus im Departamento Santander (Federación de Pescadores artesanales, ambientalistas, y turísticos del departamento de Santander – FEDEPESAN) und die Organisation CREDHOS (Corporación Regional para la Defensa de los Derechos Humanos), die in der Stadt Barrancabermeja ansässig sind. Diese Organisationen wurden von bewaffneten Gruppen, die in dieser Region operieren, direkt bedroht, zu «militärischen Zielen» erklärt und darüber hinaus als Kollaborateure krimineller Banden in der Region stigmatisiert. FEDEPESAN und CREDHOS hatten die Präsenz krimineller Organisationen, die im Drogen- und Menschenhandel tätig sind, sowie die von regionalen Unternehmen verursachten Umweltschäden angeprangert. 

Ich bitte Sie eindringlich, der Pflicht der Generalstaatsanwaltschaft mit grösster Sorgfalt nachzukommen, die Drohungen und Angriffe gegen Mitglieder von CREDHOS und FEDEPESAN zu untersuchen, um die Verantwortlichen für die Anordnung und Durchführung dieser Angriffe zu ermitteln und sie in fairen Verfahren vor Gericht zu stellen. Nur so können weitere Angriffe auf Menschenrechtsverteidiger*innen in der Region Magdalena Medio verhindert werden.

Hochachtungsvoll,

Dear Director,

I am writing to express my deep concern with the impunity regarding the continued threats and attacks against human rights, territory, land, and environmental defenders in Colombia, particularly those affiliated with the organizations Federación de Pescadores Artesanales Ambientalistas y Turísticos del Departamento de Santander (FEDEPESAN) and Corporación Regional para la Defensa de los Derechos Humanos (CREDHOS), located in the city of Barrancabermeja. We are deeply troubled to see that these organisations have received direct threats from armed groups operating in this region, being declared a «military objective», and further stigmatized as collaborators with other criminal groups in the area for denouncing the presence of criminal organisations engaged in drug and human trafficking, as well as the environmental damage caused by regional companies. We are particularly concerned by the attack against a member of CREDHOS in Barrancabermeja on the night of 13 February 2024, when a grenade was thrown inside her home, hurting members of her family.

Amnesty International has documented the risk faced by those who defend human rights in Colombia since 2020. Despite public appeals and the presentation of our concerns, both in face-to-face meetings with authorities and through actions on social and digital platforms, these individuals and their communities continue to be threatened and attacked simply for defending their rights. I am concerned that the state's response to protect human rights defenders at risk, which includes that the crimes they suffer don’t remain in impunity, is insufficient.

I urge you to exercise the utmost diligence in effectively fulfilling the Attorney General’s Office’s duty to investigate the threats and attacks against members of CREDHOS and FEDEPESAN, in order to establish who is responsible for ordering and carrying out these attacks, and to bring them to justice in fair trials to prevent further attacks to those who defend human rights in the Magdalena Medio region.

Yours sincerely,

Señor Director:

Me dirijo a usted para expresarle mi profunda preocupación por la impunidad respecto a las continuas amenazas y ataques contra los defensores y defensoras de los derechos humanos y del territorio, la tierra y el medioambiente en Colombia y, en particular, contra la membresía de las organizaciones Federación de Pescadores Artesanales Ambientalistas y Turísticos del Departamento de Santander (FEDEPESAN) y de la Corporación Regional para la Defensa de los Derechos Humanos (CREDHOS), ubicadas en la ciudad de Barrancabermeja. Nos preocupa profundamente ver que los grupos armados en activo en esta región han amenazado directamente a estas organizaciones, declarándolas «objetivo militar» y estigmatizándolas como colaboradoras con otros grupos criminales de la zona por denunciar la presencia de organizaciones delictivas dedicadas al tráfico de drogas y a la trata de personas, así como el daño medioambiental causado por empresas regionales. Nos preocupa especialmente el ataque que sufrió una miembro de CREDHOS en Barrancabermeja la noche del 13 de febrero de 2024, cuando lanzaron una granada dentro de su vivienda y resultaron heridos varios de sus familiares.

Amnistía Internacional viene documentando el riesgo al que se enfrentan quienes defienden los derechos humanos en Colombia desde 2020. A pesar de los llamamientos públicos y de la exposición de nuestros motivos de preocupación, tanto en reuniones presenciales con las autoridades como a través de acciones en redes sociales y plataformas digitales, estas personas y sus comunidades continúan recibiendo amenazas y ataques por el simple hecho de defender sus derechos. Me preocupa que la respuesta del Estado para proteger a los defensores y defensoras de los derechos humanos en peligro —también para asegurar que los crímenes que sufren no queden impunes— sea insuficiente.

Lo insto a que actúe con la mayor diligencia con miras al cumplimiento efectivo del deber de la Fiscalía General de la Nación de investigar las amenazas y ataques contra miembros de CREDHOS y FEDEPESAN con el fin de determinar quiénes son los responsables de ordenar y perpetrar estos ataques y llevarlos ante la justica en juicios justos para prevenir así nuevas agresiones contra personas que defienden los derechos humanos en la región del Magdalena Medio.

Atentamente,

Suggested messages:

@FiscaliaCol must investigate threats and attacks against #HumanRights organisations of Magdalena Medio, #Colombia as @Credhos_Paz and #FEDEPESAN. Those attacking them for defending their rights must be identified and prosecuted. @AmnestyOnLine calls to #ProtectThoseWhoProtectUs

 
Twitter accounts of the target:

@FiscaliaCol @MinInterior @velascoluisf @ConsejeriaDDHH @liliasolanor @FranklinCastaV

The IAR @Credhos_Paz can be tagged.

APPELLE AN

Direktor der Sonderermittlungseinheit der Generalstaatsanwaltschaft:
Hernando Toro
Director de la Unidad Especial de Investigación
Fiscalía General de la Nación
Avenida Calle 24 No. 52 – 01
Bogotá DC
Colombia

E-mail: [email protected]

 

ZUSÄTZLICHE ZIELPERSONEN:
[email protected]
[email protected]

Um eine grosse Reichweite zu gewährleisten, senden Sie bitte an alle Adressen.


KOPIE AN

Botschaft der Republik Kolumbien
Zieglerstrasse 29
3007 Bern
Fax: 031 350 14 09
E-Mail: [email protected]

 



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MODELLBRIEF DEUTSCH 012/24-1 (Word)
MODEL LETTER ENGLISH 012/24-1 (Word)
MODELO DE CARTA ESPAÑOL 012/24-1 (Word)


DIESE URGENT ACTION – KOMPLETT ALS WORD-DOKUMENT

Seite 1 Hintergrundinformationen, Seite 2 Modellbrief
UA 012/24-1 – DEUTSCH
UA 012/24-1 – ENGLISH


English version (click on title to open):

On 13 February, a grenade was thrown inside the home of a member of CREDHOS, hurting members of her family. This attack came after serious threats against civil society organizations working to defend human rights, territory, land, and the environment in the Magdalena Medio region of Colombia, including CREDHOS and FEDEPESAN, during January and the beginning of February. We call on the Colombian authorities to address these threats and attacks, including by carrying out robust and effective investigations to determine who is responsible and to take the suspected perpetrators to justice, as well as to provide timely and comprehensive protection for these organisations.

The Magdalena Medio is an extensive valley between the Colombian mountain ranges crossed by Colombia's main river, the Magdalena River. Petroleum is one of the major sources of economic activity in the region, where the country's largest refinery operates in the city of Barrancabermeja, Santander, at the heart of the Magdalena Medio. The area also engages in agro-industry, mining, livestock, among other economic activities. Due to its location and the abundance of valuable resources like oil and water, the region is considered strategic and has been the subject of continuous disputes between the State and armed groups present in the country. The Magdalena Medio has also been a stage for sustained processes of popular mobilization and human rights advocacy for decades. The combination of trade unions, feminist, popular movements, and human rights defence has created particularly strong scenarios of assertion and resistance. This, coupled with the dispute for territorial, political, and economic control of the region by interest groups and armed factions, has fostered a breeding ground for threats and attacks against human rights defenders that has persisted since at least the 1980s. In 2023, alarming levels of violence against the civilian population, especially homicides, were recorded in the Magdalena Medio. All of this unfolds in a context of the reorganization of at least four armed groups present in the region.

The Federation of Artisanal, Environmentalist, and Tourist Fishers of the Department of Santander (FEDEPESAN) carries out its work in the San Silvestre lake, in the vicinity of the city of Barrancabermeja. FEDEPESAN has reported water pollution by regional companies and the presence of criminal organisations engaged in drug and human trafficking. In this context, the president of FEDEPESAN, Yuly Velázquez, has experienced numerous threats and attacks documented by Amnesty International, including a threat in November 2020, bullet impacts on her home in January 2021, intimidations during protest activities in August 2021, a firearm attack in May 2022, and another in July 2022 (resulting in an injury to a security guard of her protection scheme). In February 2021, Amnesty International issued an Urgent Action after serious threats against the vice-President of FEDEPESAN by the National Liberation Army – ELN. Amnesty International has documented deficiencies in the functioning of the protection scheme provided by the state through the National Protection Unit (UNP) to Yuly Velásquez, due to her high level of risk.

The Regional Corporation for the Defence of Human Rights (CREDHOS), also based in Barrancabermeja, was founded in 1987 and has been accompanied by Amnesty International for several years. In the year 2000, the Inter-American Commission on Human Rights (IACHR) issued precautionary measures to CREDHOS due to threats from paramilitary groups. In 2016, the Colombian Government's Victims Unit recognized CREDHOS as a subject of collective reparation for having suffered, as a collective, serious human rights violations in the context of the armed conflict.

Amnesty International has confirmed that the threats and attacks against individuals belonging to CREDHOS as a collective have persisted in recent years, in the context of the presence of armed organizations in the territory where it works. In April 2021, Amnesty International issued an Urgent Action asking for the protection of CREDHOS due to serious threats suffered by its members at the time. The protection currently provided by the state is insufficient for the level of collective threat that CREDHOS has been experiencing during the last years. On 9 February, Amnesty International issued a first Urgent Actions asking for protection for CREDHOS after public threats against the organisation’s president in pamphlets from different armed groups of the region. On 14 February, CREDHOS denounced publicly that the night of 13 February a women member of the organisation was attacked when two persons threw and detonated a grenade inside her house, hurting members of her family.


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