Yu Wensheng und Xu Yan (nach Yu Wenshengs Freilassung in 2022) © Privat
Yu Wensheng und Xu Yan (nach Yu Wenshengs Freilassung in 2022) © Privat

URGENT ACTION Briefaktion: China Menschenrechtsanwalt und seine Ehefrau seit fast einem Jahr in Haft

UA 019/18-8 I Mitmachen bis 17. Mai 2024 I (Update vom: 22.03.2024) I AI-Index: ASA 17/7861/2024
Am 13. April 2023 wurden der prominente Menschenrechtsanwalt Yu Wensheng und seine Frau Xu Yan auf dem Weg zu einem Treffen mit Vertreter*innen der Europäischen Union, die zusammen mit der deutschen Aussenministerin Annalena Baerbock China besuchten, festgenommen. Im Oktober wurden die beiden wegen des Vorwurfs, «Streit angefangen und Ärger provoziert zu haben» und wegen «Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt» angeklagt. Ihre Haftbedingungen sind extrem schlecht. Gleichzeitig verschlechtert sich die psychische Gesundheit ihres Sohnes, der kurz vor ihrer Inhaftierung 18 Jahre alt wurde, angesichts der Situation zusehends.

 

Der Menschenrechtsanwalt Yu Wensheng (余文生) und seine Frau Xu Yan (徐艳), beide bekannte Aktivist*innen in China, wollten am 13. April 2023 an einem Treffen mit dem EU-Botschafter in China, Jorge Toledo Albiñana, und anderen hohen EU-Beamt*innen teilnehmen. Doch auf dem Weg zur Delegation der Europäischen Union in Peking wurden sie in Polizeigewahrsam genommen.

Am 21. Mai 2023 wurden ihre Angehörigen darüber informiert, dass Yu Wensheng und Xu Yan vorgeworfen wird, «Streit angefangen und Ärger provoziert zu haben». Dieser sehr breit gefasste Straftatbestand wird in China häufig bei der Verfolgung von Menschenrechtsaktivist*innen, Journalist*innen und Dissident*innen eingesetzt. Im Oktober wurden Yu Wensheng und Xu Yan wegen dieses Vorwurfs und wegen «Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt» angeklagt. Auf ersteres steht eine Höchststrafe von fünf Jahren Haft, auf den zweiten Vorwurf eine Strafe von bis zu fünf Jahren oder länger, falls die Angeklagten als «Rädelsführer» eingestuft werden. Für den Prozess ist noch kein Datum festgelegt worden.

Xu Yan soll seit ihrer Inhaftierung 14 Kilo abgenommen haben. Die Haftbedingungen im Pekinger Shijingshan-Gefängnis, wo sie bis Januar 2024 inhaftiert war, kommen möglicherweise Folter oder anderer Misshandlung gleich. Sie wurde beschimpft und von der Polizei eingeschüchtert, die drohte, ihren Sohn festzunehmen, falls dieser sich für sie und Yu Wensheng einsetzen sollte. Die psychische Gesundheit ihres Sohnes, der kurz vor ihrer Inhaftierung 18 Jahre alt wurde, hat sich im vergangenen Jahr massiv verschlechtert. Derzeit leidet er an Depressionen. Im Januar 2024 wurden Yu Wensheng und Xu Yan in das Suzhou-Gefängnis in der Provinz Jiangsu verlegt – fast 1'000 km von ihrem Zuhause in Peking entfernt. Damit verstärkte sich die Isolation ihres Sohnes und das Risiko weiterer psychischer Beeinträchtigungen erhöhte sich.

Yu Wensheng, der von Amnesty International bereits vor Jahren als gewaltloser politischer Gefangener eingestuft wurde, und seine Frau Xu Yan werden nur deshalb festgehalten, weil sie ihr Recht auf freie Meinungsäusserung wahrgenommen haben.

Im Jahr 2020 wurde der prominente Menschenrechtsanwalt Yu Wensheng wegen «Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt» (煽动颠覆国家政权罪) zu vier Jahren Haft und Entzug seiner politischen Rechte verurteilt. Er hatte lediglich sein Recht auf freie Meinungsäusserung wahrgenommen. Seit seiner ersten Festnahme im Jahr 2018 hat sich Yu Wenshengs Gesundheitszustand aufgrund schlechter Haftbedingungen und mutmasslicher Folter und anderer Misshandlungen während der Haft dramatisch verschlechtert. Während Yu Wenshengs erster Inhaftierung kämpfte seine Frau Xu Yan beharrlich für die Freilassung ihres Mannes und unternahm zahlreiche erfolglose Ver-suche, ihn im Gefängnis zu besuchen. Sie stand unter ständiger Überwachung und wurde von den chinesischen Behörden immer wieder schikaniert, vorgeladen und festgenommen. Sie durfte wiederholt ihr Haus nicht verlassen.
Yu Wensheng ist der Preisträger des Martin-Ennals-Preises 2021, eines jährlich verliehenen Preises für Menschenrechts-verteidiger*innen, die von einer Jury aus zehn weltweit führenden Menschenrechts-NGOs ausgewählt werden. Am 1. Oktober 2022 wurde er aus der Haft freigelassen. Nur wenige Monate später, am 13. April 2023, wurde er gemeinsam mit seiner Frau Xu Yan erneut festgenommen.
Anfang Dezember 2023 erfuhr Amnesty International, dass die Haftbedingungen von Xu Yan in Peking möglicherweise Folter und anderer Misshandlung gleichkommen. Sie erhielt weniger Bettdecken als andere Häftlinge und musste daher frieren; sie war gezwungen, lange Zeit zu sitzen, was zu geschwollenen Beinen und Schmerzen im unteren Rückenbereich führte; sie wurde von anderen Häftlingen schikaniert und sogar geschlagen und verlor aufgrund der schlechten Qualität des Essens in der Haftanstalt 14 Kilo. Seit ihrer Inhaftierung wurde sie nur einmal von einer*einem Ärzt*in untersucht, wobei ihr Probleme mit dem unteren Rücken attestiert wurden. Genauere Informationen bekam sie nicht. Ende November trat Xu Yan in einen Hungerstreik, um gegen ihre Behandlung und die Verweigerung der ihr zustehenden Rechte zu protestieren.
Seit der Festnahme seiner Eltern lebt der 18-jährige Sohn von Yu Wensheng und Xu Yan allein. Er wird durch die Sicherheitsbehörden streng überwacht. Im November 2023 berichteten zivilgesellschaftliche Gruppen, dass er eine Überdosis an Medikamenten eingenommen hatte und ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Es sei von einem Suizidversuch auszugehen, da sich die Inhaftierung seiner Eltern und seine eigene Überwachung auf seine psychische Gesundheit auswirkten. Die Lage hat sich durch die Verlegung seiner Eltern in die 1'000 Kilometer entfernte Stadt Suzhou noch verschlimmert. Damit wurde ihm die Möglichkeit genommen, Besuche zu beantragen, um sich gegenseitig moralisch unterstützen zu können.

Werden Sie aktiv:

Schreiben Sie einen Appellbrief in Ihren eigenen Worten oder verwenden Sie unseren Briefvorschlag. Die Modellbriefe zum kopieren finden Sie nachfolgend. Unter AKTUELLE DOKUMENTE finden Sie zudem druckfertige Briefe.
(Siehe weiter unten)

Werden Sie auch auf SOCIAL MEDIA aktiv. (Infos siehe im entsprechenden Aufklappfeld)

Bitte schreiben Sie vor dem 17. Mai 2024.
Schreiben Sie in Englisch, Chinesisch oder in Ihrer eigenen Sprache.
 

Sehr geehrter Herr Li

Am 13. April 2023 wurden der prominente Menschenrechtsanwalt Yu Wensheng und seine Frau Xu Yan auf dem Weg zu einem Treffen mit Vertreter*innen der Europäischen Union, die zusammen mit der deutschen Aussenministerin Annalena Baerbock China besuchten, festgenommen. Im Oktober wurden die beiden wegen des Vorwurfs, «Streit angefangen und Ärger provoziert zu haben» und wegen «Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt» angeklagt. Xu Yan soll seit ihrer Inhaftierung 14 Kilo abgenommen haben. Die Haftbedingungen im Pekinger Shijingshan-Gefängnis, wo sie bis Januar 2024 inhaftiert war, kommen möglicherweise Folter oder anderer Misshandlung gleich. Im Januar 2024 wurden Yu Wensheng und Xu Yan in das Suzhou-Gefängnis in der Provinz Jiangsu verlegt. Gleichzeitig verschlechtert sich die psychische Gesundheit ihres Sohnes, der kurz vor ihrer Inhaftierung 18 Jahre alt wurde, angesichts der Situation zusehends.

Lassen Sie Yu Wensheng und seine Frau Xu Yan unverzüglich und bedingungslos frei, da sie nur deshalb inhaftiert sind, weil sie friedlich ihr Recht auf freie Meinungsäusserung wahrgenommen haben.

Stellen Sie sicher, sie bis zu ihrer Freilassung weder gefoltert noch auf andere Weise misshandelt werden.

Sorgen Sie bitte ausserdem dafür, dass ihr Sohn und andere Familienmitglieder nicht belästigt oder bedroht werden.

Hochachtungsvoll,

Dear Chief Li,

I am writing to express my grave concern for prominent human rights lawyer Yu Wensheng (余文生) and his wife Xu Yan (). The couple, both well-known activists in China, were taken into police custody while en route to the delegation of the European Union to China in Beijing on 13 April 2023, where they were to attend a meeting with the EU’s Ambassador to China. They were detained in Beijing Shijingshan Detention Centre from that date until January 2024, after which they were transferred to Suzhou Detention Centre in Jiangsu province, some 1000km away.

Yu and Xu were arrested for «picking quarrels and provoking trouble», an overly broad crime which is widely used for targeting human rights defenders, journalists and dissidents. In October 2023, Yu Wensheng and Xu Yan were indicted on those charges, as well as an additional and more serious charge of «inciting subversion of state power.» There is no date set for their trial.

Xu Yan has reportedly lost 14kg since being detained and the conditions of her detention in Beijing may have constituted torture and other ill-treatment. She has been subjected to verbal abuse, including being intimidated by police who threatened to arrest her son if he undertakes advocacy on her and Yu’s case. Their son, who turned 18 just before their detention, has faced a serious deterioration of his mental health over the last year, and currently suffers from depression. Xu and Yu‘s transfer to Suzhou, nearly 1000km away from their home in Beijing, has exacerbated his isolation and the risk of further mental health impacts.

Yu Wensheng, a prisoner of conscience, and his wife Xu Yan are being detained solely for exercising their rights to freedom of expression.

 I therefore call on you to:

  • Release both of them immediately and unconditionally, as they are being detained solely for peacefully exercising their human right to freedom of expression;
  • Pending their release, ensure they are not subjected to torture or other ill-treatment while in detention;
  • Ensure their son and other members of their family are not subjected to harassment and threats.

Yours sincerely, 

Suggested messaging:

Chinese #humanrights lawyer and @martinennals award winner #YuWensheng and his wife #XuYan are detained in #China. The authorities must release them immediately and unconditionally!
(ADD LINK TO UA) 

In April 2023, #YuWensheng and #XuYan lived with their son in Beijing. Now, they are detained in Suzhou, 1000kms away, and their teenage son is alone and suffering from depression. Urge #China to stop its crackdown on #humanrights activists and their families!
(ADD LINK TO UA) 
 

APPELLE AN

Leiter der Volksstaatsanwaltschaft der Stadt Suzhou:
Chief Li Jun
Suzhou City People's Procuratorate
No.388 Jiefang East Road
Gusu District, Suzhou City
Jiangsu Province, 215000
P.R. China
 

Zusätzliche Zielperson:
President of the People’s Republic of China, Xi Jinping  
Zhongnanhai 
Xichangan’jie  
Xichengqu, Beijing Shi 100017 
People Republic of China
Fax: +86 10 6238 1025 


KOPIE AN

Botschaft der Volksrepublik China
Kalcheggweg 10
3006 Bern

Fax: 031 351 45 73

 



AkTuelle Dokumente

DRUCKFERTIGE MODELLBRIEFE
Gewünschte Version anklicken

MODELLBRIEF DEUTSCH 019/18-8 (Word)
MODEL LETTER ENGLISH 019/18-8 (Word)


DIESE URGENT ACTION – KOMPLETT ALS WORD-DOKUMENT

Seite 1 Hintergrundinformationen, Seite 2 Modellbrief
UA 019/18-8 – DEUTSCH
UA 019/18-8 – ENGLISH


English version (click on title to open):

On 13 April 2023, prominent human rights lawyer Yu Wensheng and his wife Xu Yan were taken into police custody while en route to the delegation of the European Union to China in Beijing. In October, Yu Wensheng and Xu Yan were indicted on charges of «picking quarrels» and an additional charge of «inciting subversion of state power,» and in January 2024, the couple were transferred from a detention centre in Beijing to one in Jiangsu Province. Xu Yan has reportedly lost 14kg since being detained and the conditions of her detention in Beijing may have constituted torture and other ill-treatment. Their son, who turned 18 just before their detention, has faced a serious deterioration of his mental health over the last year, and currently suffers from depression.

In 2020, prominent human rights lawyer Yu Wensheng was sentenced to four years' imprisonment and deprivation of political rights, on the charge of «inciting subversion of state powe» (煽动颠覆国家政权罪) for only exercising his right to freedom of expression. Since his first arrest in 2018, Yu’s health dramatically deteriorated due to poor conditions and alleged torture and other ill-treatment while in detention.

During Yu’s first detention, his wife Xu Yan fought tirelessly for the release of her husband and made numerous failed attempts to visit him in prison. Xu was under constant surveillance and repeatedly faced harassment by the Chinese authorities, having been summoned, detained and occasionally banned from leaving her house.

Yu Wensheng is the winner of the 2021 Martin Ennals Award, an annual prize for human rights defenders selected by a jury of 10 of the world’s leading human rights NGOs. He was released from prison on 1 March 2022.

However, Yu and Xu were taken into police custody while en route to the delegation of the European Union to China on 13 April 2023, where they were to attend a meeting with the EU’s Ambassador to China, Jorge Toledo Albiñana, and another senior EU official. On 21 May, the police informed their family that Yu and Xu were both formally arrested for «picking quarrels and provoking trouble», an overly broad crime which is widely used for targeting human rights defenders, activists, journalists and dissidents. In October, Yu Wensheng and Xu Yan were indicted on charges of «picking quarrels» and an additional charge of «inciting subversion of state power.» Picking quarrels carries a maximum of five years’ imprisonment and inciting subversion carries a sentence of up to five years, or longer if they are deemed «ringleaders.»

In early December 2023, Amnesty International learned that Xu Yan's alleged conditions in custody in Beijing may have constituted torture and other ill-treatment. She was given fewer quilts than other detainees and was thus very cold, was forced to sit for long periods of time leading to swelling in her legs and lower back pain, faced bullying from other detainees, including being beaten, and lost 14 kilos due to the poor quality of food in detention. Since being detained, she has been given one medical exam by a doctor, who confirmed there is an issue with her lower back, but they haven't given her any further information. In late November, Xu Yan started a hunger strike in protest of her treatment and denial of her legal rights. Police officers had verbally abused her and intimidated her by threatening to arrest her son if he undertakes advocacy on her and Yu’s case.

Their son turned 18 just prior to their detention, and since then has been living on his own, under extensive public security surveillance. In November 2023, civil society groups reported that he had overdosed on medication and was rushed to the hospital; they believe this was a suicide attempt due to the impact of his parents’ detentions and the security environment on his well-being and mental health. His situation has been exacerbated by the transfer of his parents to Suzhou, a city 1000 kilometres away, effectively removing the possibility for him to request visits and both give and receive moral support.


Take action

Write an appeal in your own words or use the model letter below. You find a ready-to-print model letter under
DOKUMENTE

Addresses (see above)

Please also take action on Social Media (guide see above).
Social Media

Please take action before 17 May 2024.
Preferred language: English, Chinese. You can also write in your own language.