Illustration: Ana Lorena Delgadillo, Marcela Turati und Mercedes Doretti © Amnistía Internacional México
Illustration: Ana Lorena Delgadillo, Marcela Turati und Mercedes Doretti © Amnistía Internacional México

URGENT ACTION Briefaktion: Mexiko Rechtswidrige gezielte Überwachung

UA 047/24 I Mitmachen bis 16. Juli 2024 I (UA aktiv seit: 21.05.2024) I AI-Index: AMR 41/8075/2024
Ana Lorena Delgadillo, Marcela Turati und Mercedes Doretti gerieten 2016 wegen ihrer Menschenrechtsarbeit in Verbindung mit einem Vorfall im Bundesstaat Tamaulipas, bei dem Migrant*innen verschwanden, ins Visier der mexikanischen Behörden. Angehörige einer Spezialabteilung der Generalstaatsanwaltschaft für organisierte Kriminalität (damals SEIDO, heute FEMDO) überwachten und verfolgten sie auf rechtswidrige Weise und die Frauen wissen nicht, ob sie auch heute noch überwacht werden. Die Behörden müssen alle willkürlichen und rechtswidrigen Ermittlungen sowie die gezielte Überwachung der Menschenrechtlerinnen einstellen.

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Jene, die für die rechtswidrige Überwachung verantwortlich sind, wurden bisher weder vor Gericht gestellt noch bestraft. Ana Lorena Delgadillo, Marcela Turati und Mercedes Doretti wissen nicht, ob sie nach wie vor überwacht werden und ob die Ermittlungen gegen sie noch laufen. Ihnen könnte nach wie vor Gerichtsverfahren drohen, die nicht den internationalen Standards entsprechen.

Für mehr Hintergrundinformationen bitte die Überschrift anklicken:

Die Menschenrechtsverteidigerin Ana Lorena Delgadillo, die Journalistin Marcela Turati und die unabhängige Gerichtsmedizinerin Mercedes Doretti waren 2016 Gegenstand von Ermittlungen und rechtswidriger Überwachung in Verbindung mit einem Massaker an 196 Migrant*innen, die in 48 Gräbern in San Fernando im Bundesstaat Tamaulipas gefunden wurden. Auf dieses Massaker wird häufig mit der Bezeichnung «die Gräber von San Fernando» Bezug genommen. Ana Lorena Delgadillo ist die Gründerin der Stiftung FJEDD (Fundación para la Justicia y el Estado Democrático de Derecho), die die von dem Massaker betroffenen Familien rechtlich vertritt. Marcela Turati ist eine bekannte Journalistin, die viel über den Fall berichtet hat. Mercedes Doretti ist eine unabhängige Expertin und Gründerin der argentinischen NGO für forensische Anthropologie EAAF, die die in den Gräbern gefundenen sterblichen Überreste der Ermordeten analysierte. Die Spezialabteilung der Generalstaatsanwaltschaft für organisierte Kriminalität (damals SEIDO, heute FEMDO) leitete im Zusammenhang mit dem Massaker strafrechtliche Ermittlungen gegen die drei Frauen ein und überwachte sie, um ihre persönlichen Daten zu sammeln, u. a. durch die Überwachung ihrer Telefone.

Laut Recherchen von Amnesty International verstiess die gezielte Überwachung der Menschenrechtlerinnen sowohl gegen internationale Standards als auch gegen mexikanisches Recht. Insbesondere beruhte das Vorgehen nicht auf einem begründeten Verdacht mit hinreichenden Anhaltspunkten für eine Beteiligung der Frauen an organisierter Kriminalität. Zudem wurden keine von einer unabhängigen Justizbehörde ausgestellten Anordnungen vorgelegt. Es ist zu befürchten, dass Ana Lorena Delgadillo, Marcela Turati und Mercedes Doretti lediglich wegen ihrer Menschenrechtsarbeit und ihrer kritischen Haltung gegenüber der Regierung zur Zielscheibe geworden sind. Die SEIDO verletzte durch ihr Vorgehen die Rechte der Frauen auf Privatsphäre, Meinungsfreiheit, Nichtdiskriminierung und ein faires Verfahren und schränkte sie in ihrer legitimen Menschenrechtsarbeit ein.

Jene, die für die rechtswidrige Überwachung verantwortlich sind, wurden bisher weder vor Gericht gestellt noch bestraft. Ana Lorena Delgadillo, Marcela Turati und Mercedes Doretti wissen nicht, ob sie nach wie vor überwacht werden und ob die Ermittlungen gegen sie noch laufen. Ihnen könnte nach wie vor Gerichtsverfahren drohen, die nicht den internationalen Standards entsprechen.

San Fernando ist eine Gemeinde im mexikanischen Bundesstaat Tamaulipas, der im Norden an die USA grenzt. Um San Fernando herum sind die kriminellen Gruppen Los Zetas und das Golf-Kartell aktiv, und die Gemeinde liegt auf der Route, die Migrant*innen, Asylsuchende und andere Vertriebene nehmen, um in die USA zu gelangen. Im August 2010 wurden die Leichen von 72 Migrant*innen, hauptsächlich aus Mittel- und Südamerika, auf einem Feld in der Nähe von San Fernando gefunden. Nach Angaben der mexikanischen Behörden waren sie von Zetas-Mitgliedern entführt und auf einer Ranch festgehalten worden. Als die Migrant*innen sich weigerten, für die Gruppe zu arbeiten, wurden sie getötet und ihre Leichen im Freien liegen gelassen. Im April 2011 fanden Armeeangehörige in derselben Gegend die Leichen von 196 Menschen verschiedener Herkunft in 48 Gräbern. Laut einer offiziellen Untersuchung handelte es sich dabei um Personen, die dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen waren. Sie wurden vermutlich von Mitgliedern von Los Zetas mit stillschweigender Duldung der lokalen Polizei getötet und in geheimen Gräbern verscharrt.

Der im Mai 2024 veröffentlichte Amnesty-Bericht Persecuted: Criminalization of Women Human Rights Defenders in Mexico dokumentiert, wie Angehörige der SEIDO Mittel aus der Untersuchung des Massakers der «Gräber von San Fernando» abzogen, um sie für die gezielte Überwachung von Ana Lorena Delgadillo, Marcela Turati und Mercedes Doretti einzusetzen. Die mexikanischen Behörden verletzten durch ihr Vorgehen die Rechte der Frauen auf Privatsphäre, Meinungsfreiheit, Nichtdiskriminierung und ein faires Verfahren, und schränkten sie in ihrer legitimen Menschenrechtsarbeit ein. Überdies hat ihre Kriminalisierung eine abschreckende Wirkung auf andere Menschenrechtsverteidiger*innen in Mexiko.

Werden Sie aktiv:

Schreiben Sie einen Appellbrief in Ihren eigenen Worten oder verwenden Sie unseren Briefvorschlag. Die Modellbriefe zum kopieren finden Sie nachfolgend. Unter AKTUELLE DOKUMENTE finden Sie zudem druckfertige Briefe.
(Siehe weiter unten)

Werden Sie auch auf SOCIAL MEDIA aktiv. (Infos siehe im entsprechenden Aufklappfeld)

Bitte schreiben Sie vor dem 16. Juli 2024.
Schreiben Sie in Spanisch oder in Ihrer eigenen Sprache.
 

Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt

Mit grosser Sorge habe ich von der belastenden Lage von Ana Lorena Delgadillo, Marcela Turati und Mercedes Doretti erfahren. Die drei gerieten 2016 wegen ihrer Menschenrechtsarbeit in Verbindung mit einem Vorfall im Bundesstaat Tamaulipas, bei dem Migrant*innen verschwanden, ins Visier der mexikanischen Behörden. Angehörige einer Spezialabteilung der Generalstaatsanwaltschaft für organisierte Kriminalität (damals SEIDO, heute FEMDO) überwachten und verfolgten sie auf rechtswidrige Weise und die Frauen wissen nicht, ob sie auch heute noch überwacht werden.

Stellen Sie bitte alle noch laufenden Ermittlungen und jegliche Formen der Überwachung gegen Ana Lorena Delgadillo, Marcela Turati und Mercedes Doretti unverzüglich ein.

Ich fordere Sie zudem auf, umgehend eine unabhängige und unparteiische Untersuchung aller Behördenstellen einzuleiten, die an der Kriminalisierung und unrechtmässigen Überwachung der Frauen beteiligt waren.

Hochachtungsvoll,
 

Dear Attorney General of Mexico,

I’m writing you to express my concern about the situation of human rights defender Ana Lorena Delgadillo, journalist Marcela Turati, and independent forensic expert Mercedes Doretti, who were the object of an investigation and unlawful surveillance in 2016 within the file of those responsible for the massacre of 196 migrants found in 48 clandestine graves in San Fernando, Tamaulipas, a massacre known as «the graves of San Fernando». The three women have work tirelessly through their different disciplines to clarify the gross human rights violations involved in this case.

Amnesty International has found that the authorities’ use of targeted surveillance against them was against international standards, as well as the domestic legislation. Notably, the decision was not based on reasonable suspicion with sufficient elements pointing to their involvement in organized crime and it did not comply with the requirement for warrants issued by an independent judicial authority. Surveillance against Ana Lorena, Marcela and Mercedes raises fears that they may have been targeted for their human rights work and their critical opinions of the government. Amnesty found that SEIDO viola-ted their rights to privacy, freedom of expression, non-discrimination, and due process, as well as their right to defend human rights.

Those responsible for ordering the unlawful surveillance have not been prosecuted or punished. To date, it is unknown whether the surveillance and investigation against them continues. They remain with a constant threat that their judicial process will continue and that they will have to face a trial that does not comply with international safeguards.

Therefore, I urge you to close any investigation against Ana Lorena Delgadillo, Marcela Turati and Mercedes Doretti that stems from their human rights work and to put an end to any form of surveillance on them. I call on you as well to open a prompt, independent and impartial investigation into the authorities involved in their criminalization and unlawful surveillance.

Yours sincerely,
 

Fiscal General de México:

Me dirijo a usted para expresarle mi preocupación por la situación de la defensora de los derechos humanos Ana Lorena Delgadillo, la periodista Marcela Turati y la experta forense independiente Mercedes Doretti, que fueron objeto de investigación y vigilancia selectiva en 2016 en el marco del expediente de los responsables de la masacre de 196 personas migrantes encontradas en 48 fosas clandestinas en San Fernando, Tamaulipas, una masacre conocida como "las fosas de San Fernando". Las tres mujeres han trabajado incansablemente a través de sus diferentes disciplinas para esclarecer las graves violaciones de derechos humanos cometidas en este caso.

Amnistía Internacional ha concluido que el uso, por parte de las autoridades, de la vigilancia selectiva contra ellas fue contrario tanto a las normas internacionales como a la legislación nacional. En particular, la decisión no se basó en una sospecha razonable con elementos suficientes que señalaran la implicación de las tres mujeres en la delincuencia organizada, y no cumplió el requisito de que una autoridad judicial independiente dictara órdenes judiciales al respecto. La vigilancia contra Ana Lorena, Marcela y Mercedes hace temer que estas mujeres hayan podido ser blanco de esas acciones por su labor de derechos humanos y sus opiniones críticas con el gobierno. Amnistía Internacional ha concluido que la SEIDO violó los derechos de las tres mujeres a la privacidad, la libertad de expresión, la no discriminación y el debido proceso, así como su derecho a defender los derechos humanos.

Los responsables de ordenar aquella vigilancia selectiva no han sido procesados ni castigados. Hasta el momento, se desconoce si la vigilancia y la investigación de estas tres mujeres continúa. Todas siguen bajo la amenaza constante de que su proceso judicial continúe y de que tengan que enfrentarse a un juicio que no cumpla las salvaguardias internacionales.

Por tanto, le insto a cerrar toda investigación contra Ana Lorena Delgadillo, Marcela Turati y Mercedes Doretti que se derive de su trabajo de derechos humanos y a poner fin a toda forma de vigilancia contra ellas. También le insto a abrir una investigación inmediata, independiente e imparcial sobre las autoridades implicadas en la criminalización y la vigilancia ilegal de estas mujeres.

Atentamente,
 

English
Staff of the Specialized Sub-Attorney General's Office for Organized Crime Investigation of @FGRMexico unlawfully spied on @analorenadp @marcelaturati and @MercedesDoretti. Mexican authorities must stop any illegal investigation and surveillance against them. #Perseguidas

Español
Personal de la Subprocuraduría Especializada en Investigación de Delincuencia Organizada de la @FGRMexico espió ilegalmente a @analorenadp @marcelaturati y @MercedesDoretti. Autoridades mexicanas deben detener toda investigación ilegal y espionaje en su contra. #Perseguidas
 

APPELLE AN

Generalstaatsanwalt:
Attorney General of Mexico
Alejandro Gertz Manero
Dr. Velasco, Número 175
Colonia Doctores
Alcaldía Cuauhtémoc
06720 Mexico City
Mexico

Twitter/X: @FGRMexico
E-Mail: [email protected]


KOPIE AN

Botschaft von Mexiko
Weltpoststrasse 20
3015 Bern

Fax: 031 357 47 48
E-Mail: [email protected]
Twitter/X: /EmbaMexSui
FB: /EmbMexSui

 



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Gewünschte Version anklicken

MODELLBRIEF DEUTSCH 047/24 (Word)
MODEL LETTER ENGLISH 047/24 (Word)
MODELO DE CARTA ESPAÑOL 047/24 (Word)


DIESE URGENT ACTION – KOMPLETT ALS WORD-DOKUMENT

Seite 1 Hintergrundinformationen, Seite 2 Modellbrief
UA 047/24 – DEUTSCH
UA 047/24 – ENGLISH


English version (click on title to open):

In 2016, staff of the Specialized Sub-Attorney General's Office for Organized Crime Investigation (SEIDO) of the Attorney General's Office of Mexico (PGR), now the Specialized Prosecutor's Office for Organized Crime (FEMDO) of the Attorney General's Office of Mexico (FGR), illegally investigated and used targeted surveillance against human rights defenders Ana Lorena Delgadillo, Marcela Turati, and Mercedes Doretti, in relation with their work with relatives of missing migrants in San Fernando, Tamaulipas. We urge Mexican authorities to stop any arbitrary and illegal investigation, targeted surveillance, and criminal action against them.

San Fernando is a municipality in the state of Tamaulipas located on the northern border of Mexico, where the criminal groups known as Zetas and Gulf Cartel have been reported to be present, and where migrants, asylum seekers and victims of forced displacement transit on their way to the United States. In August 2010, the bodies of 72 migrants, mainly from Central and South America, were found in an open field in the vicinity of this municipality. According to Mexican authorities, the victims were kid-napped by the Zetas cartel and held on a ranch. When they refused to work for the group, they were killed and their bodies tied by the hands and left out in the open. In the same locality, in April 2011, members of the army found 196 bodies of people of various nationalities in 48 clandestine graves which, according to an official investigation, belonged to people who had been disappeared, murdered and placed in clandestine graves, possibly by the same cartel of Los Zetas in collusion with municipal police.

Ana Lorena Delgadillo is the founder of the Foundation for Justice and the Democratic Rule of Law (FJEDD), an organization that legally represents the families affected by the massacre; Marcela Turati is one of the leading journalists covering those events; and Mercedes Doretti was the independent expert and founder of the Argentine Forensic Anthropology Team which was analyzing remains found in the clandestine graves. The three women were prosecuted by the Attorney General´s Office (SEIDO of the PGR). Within the criminal investigation of the massacre of migrants in San Fernando, Tamaulipas, they were investigated and placed under surveillance to obtain their personal information of, including their phone records and other private information.

The criminalization of these three human rights defenders has a chilling effect that deters people from defending human rights.

In the report Persecuted: Criminalization of Women Human Rights Defenders in Mexico published in May 2024, Amnesty International documented how SEIDO staff of the PGR diverted resources from the investigation of one of the most serious human rights violations, known as «the graves of San Fernando» or «San Fernando II», to carry out targeted surveillance against Ana Lorena, Marcela and Mercedes. In doing so, the Mexican state violated the rights to privacy, freedom of expression, non-discrimination and due process, as well as the right to defend human rights.


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