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URGENT ACTION USA (Alabama) – Briefaktion Bevorstehende dritte Hinrichtung in Alabama im 2024 stoppen!

UA 061/24 I Mitmachen bis 18. Juli 2024 I (UA vom: 03.07.2024) I AI-Index: AMR 51/8259/2024
Keith Gavin soll am 18. Juli 2024 im US-Bundesstaat Alabama hingerichtet werden. Er war 1999 schuldig gesprochen worden, im Jahr zuvor einen Mord begangen zu haben. Die Geschworenen sprachen sich mit zehn zu zwei Stimmen für die Todesstrafe aus. Im Jahr 2020 entschied eine Bundesrichterin, dass seine rechtliche Vertretung nicht den verfassungsrechtlichen Vorgaben entsprochen hatte, was jedoch 2022 von einem Berufungsgericht wieder rückgängig gemacht wurde. Laut Völkerrecht müssen alle, denen die Todesstrafe droht, in allen Prozessphasen Zugang zu angemessener rechtlicher Vertretung haben. Dies war bei Keith Gavin nicht der Fall. Die Gouverneurin muss das Todesurteil daher umwandeln.

Keith Gavin soll am 18. Juli 2024 in Alabama hingerichtet werden. Er wurde 1999 wegen des Mordes an einem Aus-lieferungsfahrer verurteilt, der am 6. März 1998 in Centre, einer Stadt in Cherokee County, Alabama, in seinem Lieferwagen erschossen worden war. Keith Gavin, damals 37 Jahre alt, wurde noch am selben Tag festgenommen. Einige Tage später fand man die Mordwaffe – eine Pistole, die dem Cousin von Keith Gavin gehörte, der mit ihm zusammen in Centre gewesen war. Der Cousin wurde ursprünglich ebenfalls in der Mordsache angeklagt, doch die Anklage wurde später fallengelassen und der Cousin sagte selbst als Kronzeuge für die Staatsanwaltschaft aus. Der Mord wurde als Kapitalverbrechen eingestuft, weil Keith Gavin 1982 wegen eines anderen Mordes verurteilt worden war und sich im März 1998 auf Bewährung in Freiheit befand.

In der Strafzumessungsphase des Verfahrens gegen Keith Gavin im Jahr 1999 wurden den Geschworenen kaum Informationen über mildernde Umstände vorgelegt, die sie bei ihrer Entscheidung über Leben und Tod hätten berücksichtigen können. Dabei stellte sich später heraus, dass es zahlreiche Nachweise dafür gab, dass er während seiner Jugendzeit, die er in einer Sozialwohnung in Chicago verbrachte, sowohl zuhause als auch im sozialen Um-feld Gewalt ausgesetzt war. Der Jury wurden diese strafmildernden Faktoren vorenthalten, weil die Rechtsbeistände von Keith Gavin es schlicht versäumt hatten, sie zu untersuchen und vorzulegen. Stattdessen präsentierten sie einen Geistlichen und die Mutter des Angeklagten, die beide um Gnade für Keith Gavin baten.

Im Jahr 2020 befand die Richterin des US-Bezirksgerichts in einer langen und detaillierten Stellungnahme, dass die seither neu eingesetzten Rechtsbeistände «eindeutig nachgewiesen» hätten, dass Keith Gavins Rechtsbeistand bei der Strafzumessung nicht den verfassungsrechtlichen Standards entsprach. Die ursprünglichen Rechtsbeistände seien «völlig unvorbereitet in die Strafzumessungsphase» gegangen; hätten sie die «Fülle an strafmildernden Beweisen» vorgelegt, die im anschliessenden Verfahren aufgedeckt wurden, so die Richterin, bestünden gute Chancen, dass die Geschworenen für lebenslänglich statt für die Todesstrafe gestimmt hätten. Das Berufungsgericht hob diese Entscheidung später wieder auf. Allerdings kann sich die Gouverneurin von Alabama nach wie vor dafür entscheiden, das Todesurteil von Keith Gavin umzuwandeln.

Laut Völkerrecht müssen alle, denen die Todesstrafe droht, in allen Prozessphasen Zugang zu wirksamer rechtlicher Vertretung haben, und dies sollte «die Schutzmassnahmen übersteigen, die auf Fälle angewendet werden, in denen keine Todesurteile verhängt werden». Dies war bei Keith Gavin nicht der Fall.

Seit 1976 gab es in den USA 1.591 Hinrichtungen, 74 davon in Alabama. Alabama ist für zwei von neun in den USA im Jahr 2024 vollzogene Hinrichtungen verantwortlich. Amnesty International lehnt die Todesstrafe grundsätzlich und uneingeschränkt ab.

In der Strafzumessungsphase des Verfahrens gegen Keith Gavin im Jahr 1999 lud die Verteidigung nur zwei Zeug*innen vor und zeigte sich unvorbereitet. Bei den Zeug*innen handelte es sich um die Mutter des Angeklagten und einen Geistlichen der Zeugen Jehovas. Als der Verteidiger den Geistlichen vorstellte, nannte er ihn in Anwesenheit der Geschworenen beim falschen Namen. Er hatte ihn in der ersten Phase des Prozesses einmal für einen fünfminütigen Austausch in einer Pause getroffen. Der Geistliche, der Keith Gavin im Gefängnis kennengelernt hatte und ihn in den Monaten vor dem Gerichtsverfahren wöchentlich besuchte, sagte aus, dass Keith Gavin «allen ausser sich selbst die Schuld gab» und sogar «Gott für einige Dinge, die passiert sind, verantwortlich machte». Wenn Keith Gavin die Möglichkeit gegeben würde, weiterzuleben, so der Geistliche, «habe er das Potenzial, eine tiefere Beziehung zu Gott aufzubauen“, und er äusserte die Ansicht, dass «es auch heute noch Gelegenheiten gibt, bei denen die Barmherzigkeit über schlichte kalte Gerechtigkeit siegen könnte». Vor der Zeugenaussage der Mutter des Angeklagten bot der Verteidiger eine Entschuldigung an: «Ich hatte keine wirkliche Gelegenheit, Sie auf Ihre heutige Aussage vorzubereiten, aber ich weiss, dass Sie sich an das Gericht und die Geschworenen wenden möchten, um über Ihre Gefühle gegenüber Keith zu sprechen.» Sie sagte aus, dass ihr Sohn schon immer Berührungs-punkte mit dem Glauben der Zeugen Jehovas gehabt habe und dass er «wirklich eine grosse Quelle der Unterstützung für andere und für unseren Schöpfer sein könnte». Sie appellierte an die Geschworenen, ihn nicht zum Tode zu verurteilen. Nach 75-minütigen Beratungen ausserhalb des Gerichtssaals kehrten die Geschworenen zurück und empfahlen mit zehn zu zwei Stimmen die Todesstrafe. Der Richter nahm diese Empfehlung im Januar 2000 an.

Nach der Verhandlung entdeckten neu eingesetzte Rechtsbeistände viele strafmildernde Faktoren, die den Geschworenen nicht vorgelegt worden waren. Hierzu zählten zahlreiche psychologische Risikofaktoren aus der Kindheit und Jugend des Angeklagten, einschliesslich der Gewalt, der Keith Gavin zu Hause und im sozialen Umfeld ausgesetzt war. Er wuchs mit elf Geschwistern in einer heruntergekommenen Wohnung auf, die sich in einem von Chicagos berüchtigten Sozialwohnungskomplexen befand. Die Geschwister, denen er am nächsten stand, hatten alle mit Gefängnisaufenthalten und Drogenabhängigkeit zu kämpfen. Er wurde von seinem Vater mehr als die an-deren geschlagen, weil er «die Verantwortung für Dinge übernahm, die er nicht getan hatte, da er sich stark genug fühlte, die Schläge einzustecken». Im sozialen Umfeld war er Bandengewalt ausgesetzt. Sieben der zwölf Ge-schwister schlossen sich Banden an, und mehrere wurden Opfer von Bandengewalt. Im Alter von 17 Jahren kam Keith Gavin ins Krankenhaus, nachdem Bandenmitglieder ihn mit Pistolen und Baseballschlägern verprügelt hatten. Da er den Grossteil seines Erwachsenenlebens im Gefängnis verbracht hatte, hatte man den ursprünglichen Rechtsbeiständen von Keith Gavin den Namen einer*s Sachverständigen für die psychischen Folgen von Institutionalisierung gegeben und ihnen zu einem Austausch geraten. Dem waren sie jedoch nicht nachgekommen. Im Berufungsverfahren sagte diese*r Sachverständige aus, dass Keith Gavins 17 Jahre im Gefängnis im Anschluss an seine Verurteilung im Jahr 1982 tiefgreifende Auswirkungen auf ihn hatten. So wurde er z. B. Opfer einer Messerattacke durch Bandenmitglieder. Die Tatsache, dass er erst 22 Jahre alt war, als er inhaftiert wurde, und eine traumatische Kindheit hinter sich hatte, wirkte sich auf das Ausmass seiner Institutionalisierung aus. Laut Angaben der*s Sachverständigen habe sich Keith Gavin mit der Zeit an das Leben im Gefängnis angepasst, fand es aber schwierig, sich an sein Leben nach der Freilassung auf Bewährung zu gewöhnen. Zwei Monate später geschah der Mord.

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Frist zum Mitmachen: 18. Juli 2025.
Schreiben Sie in Englisch oder in Ihrer eigenen Sprache.
Portokosten für Briefversand: Europa = CHF 1.90 / alle übrigen Länder = CHF 2.50 (Stand 1.1.2024)
 

Sehr geehrte Frau Gouverneurin

Keith Gavin soll am 18. Juli 2024 im US-Bundesstaat Alabama hingerichtet werden. Er war 1999 schuldig gesprochen worden, im Jahr zuvor einen Mord begangen zu haben. Die Geschworenen sprachen sich mit zehn zu zwei Stimmen für die Todesstrafe aus. Im Jahr 2020 entschied eine Bundesrichterin, dass seine rechtliche Vertretung nicht den verfassungsrechtlichen Vorgaben entsprochen hatte, was jedoch 2022 von einem Berufungsgericht wieder rückgängig gemacht wurde. Laut Völkerrecht müssen alle, denen die Todesstrafe droht, in allen Prozessphasen Zugang zu angemessener rechtlicher Vertretung haben. Dies war bei Keith Gavin nicht der Fall.

Ich appelliere an Sie, Keith Gavin nicht hinzurichten und sein Todesurteil umzuwandeln.

Hochachtungsvoll,
 

Dear Governor

Keith Gavin is scheduled to be executed on 18 July 2024. I am appealing for your intervention to stop the execution.

I urge you to consider how little mitigation evidence was presented to the jury for their life-or-death decision-making at the sentencing phase of Keith Gavin’s trial in 1999. Yet there was much evidence available about his formative years in the public housing projects of Chicago, and his exposure to violence in the home and outside it. The jury heard none of this humanizing and mitigating evidence because the defence lawyers simply failed to investigate and present it. Instead, they presented effectively what amounted to a bare plea for mercy from a minister and the defendant’s mother.

In 2020, in a long and detailed opinion, a US District Court judge found that the appeal lawyers had «clearly established» that Keith Gavin’s legal representation at the sentencing had been constitutionally inadequate, even applying the «highly deferential» – «doubly so» – lens through which she had to review the issue. The lawyers had been «totally unprepared for the penalty phase»; if they had provided the «wealth of mitigating evidence» revealed in post-conviction proceedings, she said, there was a good chance that the jurors would have voted for life rather than death. While the Court of Appeals reversed this decision, the power of executive clemency is not required to defer to a clearly troubling outcome and can be used to commute Keith Gavin’s death sentence.

International human rights standards require that anyone facing the death penalty be provided with effective legal assistance at all stages of the proceedings and that this should go «above and beyond the protections afforded in non-capital cases». I submit that this standard was not met here.

I urge you to grant clemency and to commute Keith Gavin’s death sentence.

Yours sincerely,
 

Infos folgen, sobald verfügbar

The Office of Governor Kay Ivey
State Capitol
600 Dexter Avenue
Montgomery
AL 36130
USA

E-Mail: https://contact.governor.alabama.gov/contact.aspx
Fax: +1 334 353 0004


KOPIE AN

Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
Sulgeneckstrasse 19
3007 Bern

Fax: 031 357 73 20
E-Mail: [email protected] ; [email protected]
X/Twitter: /USEmbassyBern
FB: /USBotschaftBern

 



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DRUCKFERTIGE MODELLBRIEFE:

MODELLBRIEF DEUTSCH UA 061/24 (Word)
MODEL LETTER ENGLISH UA 061/24 (Word)


DIESE URGENT ACTION – KOMPLETT ALS WORD-DOKUMENT
:
(Seite 1 Hintergrundinformationen, Seite 2 Modellbrief)
UA 061/24 – DEUTSCH
UA 061/24 – ENGLISH


English version (click on title to open):

Keith Gavin is scheduled to be executed in Alabama on 18 July 2024. He was convicted in 1999 of a murder committed in 1998 and sentenced to death on a jury vote of 10-2 for the death penalty. In 2020, a federal judge found that his legal representation at the sentencing phase had been constitutionally inadequate, but in 2022 the Court of Appeals reversed this decision. International legal standards require that anyone facing the death penalty be provided effective legal assistance at all stages of the case. This standard was not met. We urge the Governor to commute this death sentence.

Keith Gavin, now aged 63, was convicted in 1999 of the murder of a delivery driver who was fatally shot in his van on 6 March 1998 in Centre, a city in Cherokee County, Alabama. Keith Gavin, then 37 years old, was arrested on the day of the shooting. The murder weapon, a gun belonging to Keith Gavin’s cousin, who had been with Keith Gavin in Centre, was found a few days later. The cousin was also charged in the murder, but this was later dropped, and the cousin testified as a key witness for the state. The murder was made a capital crime because of Keith Gavin’s 1982 conviction for another murder, for which he was on parole in March 1998.

The defence put only two witnesses on the stand at the sentencing phase, a Jehovah’s Witness minister and Keith Gavin’s mother, while at the same time betraying its own lack of preparation. When the defence lawyer presented the minister, whom he had met once in a break during the trial’s first phase and spoken to for five minutes, he got his name wrong in front of the jury. The minister, who had first met Keith Gavin in jail and visited him weekly in the months before the trial, volunteered damaging testimony that Keith Gavin «was blaming everybody except [himself]», even «blaming God for some of the things that happened», and said that «if Keith is given an opportunity to continue to live, he has the potential to cultivate a deeper relationship with God», and that «there are occasions even today where mercy might override just cold justice». The defendant’s mother’s testimony began with an apology from the defence lawyer: «I didn’t really have an opportunity to prep you for your testimony today, but I know that you would like to address the Court and the jury about your feelings about Keith». She testified that her son had always been exposed to the faith of Jehovah’s Witnesses and that he «could really be a great source of help to others and to our Creator» and asked the jury to spare his life. After 75 minutes out of the courtroom for deliberation, the jury returned to recommend the death penalty by 10 votes to two. The judge accepted the recommendation in January 2000.

After the trial, appeal lawyers discovered much mitigation evidence not heard by the jury, including multiple psychological risk factors from Keith Gavin’s childhood and adolescence, including his exposure to violence at home and in the community. He was one of 12 siblings growing up in a dilapidated apartment in Chicago’s notorious public housing projects; his closest siblings all had histories of incarceration and drug dependencies. He was subjected to more paternal beatings than the others because he «accepted responsibilities for things he had not done because he felt he was strong enough to accept the whippings». Outside the home, the exposure to violence took the form of pervasive gang activity. Seven of the 12 children ultimately joined gangs, and several became victims of gang violence. At 17, Keith Gavin was taken to a hospital after gang members beat him using guns and baseball bats. Also, because he had spent most of his adult life in prison, his lawyers were given the name of, and were advised to engage, an expert on the psychological effects of institutionalization. They did not do so. On appeal, this expert has testified that Keith Gavin’s 17 years in prison after his 1982 conviction had had a profound effect on him, including being stabbed by gang members early on. His young age (22) when he went to prison and his traumatic childhood influenced his degree of institutionalization, and the expert said that while he adjusted to prison over time, it was difficult for him to adjust to life after release on parole, which came two months before the shooting took place.

Even so, two of the jurors voted for life. The appeal lawyers argued that if the jury had heard about the defendant’s «youth in the gang-infested Chicago projects and the abuse he suffered, along with the rest of the available mitigation evidence presented in post-conviction proceedings, those two votes in Gavin’s favour could easily have turned into seven or more». In 2020, a US District Court judge agreed, and decided that, even under the highly deferential standards she had to apply both to the lawyers’ performance and to state court decisions, Keith Gavin had been denied his constitutional right to effective legal representation at the sentencing and was prejudiced by this: «Counsel were totally unprepared for the penalty phase of Mr Gavin’s trial», she wrote. If the lawyers had conducted the necessary investigation, «they could have uncovered the wealth of mitigating evidence» provided on appeal. She concluded that the lawyers «were deficient”, and if they had offered the sort of evidence presented in post-conviction proceedings, «a reasonable probability exists that he would have been sentenced to life imprisonment rather than death». In 2022, the US Court of Appeals for the 11th Circuit reversed this ruling, deciding that the District Court had erred in not deferring to the Alabama court’s decision that the mitigation efforts had been reasonable.

An investigation by the appeal lawyers uncovered that the jury had engaged in premature deliberation on sentencing and had taken a vote on it before the penalty phase had even begun. The jury foreman revealed that before the guilt phase vote, one of the jurors had asked the others if they thought he would vote differently because he and the defendant were both Black, and he wanted them to know that he was going to vote for death. Each juror then wrote down their vote, on both guilt and sentence. The vote then was 10-2 for death, the same as it was after the sentencing phase. The appeal courts have rejected the claim that this premature deliberation constituted juror misconduct.


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