Suizid in Ausschaffungshaft Amnesty International fordert eine unabhängige Untersuchung

Am Montagmorgen, 12. November hat sich der 28-jährige Russe Oleg N. im Zürcher Flughafengefängnis erhängt, nachdem auf seinen Asylantrag nicht eingetreten worden war. Amnesty International fordert ...

Am Montagmorgen, 12. November hat sich der 28-jährige Russe Oleg N. im Zürcher Flughafengefängnis erhängt, nachdem auf seinen Asylantrag nicht eingetreten worden war. Amnesty International fordert eine unabhängige Untersuchung.

Oleg N. ist am Montagmorgen, dem 12.11.12, um 5 Uhr morgens tot in seiner Zelle im Zürcher Flughafengefängnis aufgefunden worden. Der psychisch labile Mann hatte sich erhängt, nachdem auf seinen Asylantrag nicht eingetreten worden war und er für sich offensichtlich keinen Ausweg mehr sah.

Oleg N. war im Februar dieses Jahres aus Russland in die Schweiz geflüchtet, weil er in seinem Heimatland als Homosexueller von der Polizei verfolgt, schwer misshandelt und unter schwerster Medikation zweimal für mehr als ein Jahr in einer psychiatrischen Klinik festgehalten worden war.

Im Februar 2012 stellte Oleg N., schwer traumatisiert, in der Schweiz ein Asylgesuch. Am letzten Montag nahm er sich im Flughafengefängnis das Leben. Zuvor war ihm ein Nichteintretensentscheid ausgehändigt worden, nachdem er wegen mehrerer Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken im In- und  Ausland nicht zu Anhörungen erschienen war. Nur zwei Tage nach seiner Entlassung aus einer mehrmonatigen Behandlung in einer geschlossenen Klinik kam er in die Ausschaffungshaft.

Der Fall verweist laut Denise Graf, Asylexpertin von Amnesty International, erneut auf gravierende Mängel im Schweizer Asylsystem. Amnesty International fordert eine unabhängige Untersuchung des Falles. Psychisch angeschlagene Personen sollten generell nicht in Ausschaffungshaft genommen werden. Jedem Asylsuchenden sollte eine Rechtsvertretung zugeteilt werden und Verfolgung wegen Homosexualität sollte ein besonderes Augenmerk gegeben werden. Asylgesuche mit so gravierenden Fluchtgründen dürften nicht ohne vorgängiges rechtliches Gehör abgeschrieben werden. Es müsste gewährleistet sein, dass medizinische Informationen mit Hinweisen auf Suizidalität an das Migrationsamt weitergereicht werden.

Queeramnesty und Augenauf Zürich organisieren heute einen Trauerzug und eine Mahnwache für Oleg N. in der Zürcher Innenstadt.

Ort und Zeit:.

Freitag, 16. Nov. 2012, um 17.00 beim Bürkliplatz.

Anschliessend bewilligter Trauerzug durch die Bahnhofstrasse

Medienmitteilung veröffentlicht: 16. November 2012
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