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Asyl Schweiz Zahlen und Fakten zu Asyl in der Schweiz

Wie viele Asylsuchende erhalten in der Schweiz Asyl? Wie viele werden vorläufig aufgenommen? Und woher kommen diese Menschen? Zahlen und Fakten zur Lage 2018.

Weltweit sind 70,8 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung (UNHCR Global Trends Report 2018) – so viele wie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr und wiederum 2,3 Millionen mehr als im Vorjahr. Die Millionen Flüchtlinge, die Hunger, Naturkatastrophen und wirtschaftlichem Elend entkommen wollen, sind dabei noch gar nicht mitgezählt.

Flüchtlinge weltweit...

Die Mehrheit der 70,8 Millionen Flüchtlinge (41,3 Millionen) wurde in anderen Regionen ihres Heimatlandes aufgenommen (Intern Vertriebene). Von den 25,9 Millionen Menschen, die ihr Heimatland verlassen mussten, fand die Mehrheit Zuflucht in einem Nachbarland. In absoluten Zahlen hat die Türkei (im fünften Jahr hintereinander) mit rund 3,7 Millionen Menschen (Stand Ende 2018) am meisten Flüchtlingen Zuflucht geboten. Der Libanon hat am meisten Flüchtlinge im Verhältnis zu seiner Bevölkerung aufgenommen: Jede sechste Person im Zedernstaat ist ein Flüchtling.

Gemäss dem Staatssekretariat für Migration (SEM) wurden 2018 in Europa etwa 640'000 Asylgesuche gestellt, 2,5% davon in der Schweiz. Zum Vergleich: 2015 wurden noch mehr als doppelt so viele Asylgesuche in Europa verzeichnet.

...und in der Schweiz

Im Jahr 2018 wurden in der Schweiz insgesamt 15'255 Asylgesuche eingereicht – dies sind die tiefsten Werte seit 2007 und fast nur noch ein Drittel so viele wie 2015 Der Rückgang der Asylgesuche in der Schweiz ist vor allem auf die Schliessung der Balkanroute und die Bestrebungen Italiens und der EU (in deren Schlepptau auch der Schweiz) zurückzuführen, die Überfahrt über das Mittelmeer zu verhindern. Im zentralen Mittelmeer etwa ist die Zahl der Landungen in Italien/Malta von über 180'000 im Jahr 2016 auf rund 21'000 gesunken.

Hohe Schutzquote

Insgesamt wurden im Jahr 2018 in der Schweiz 26'103 erstinstanzliche Asylentscheide getroffen:

Davon haben 4745 Personen haben einen Nichteintretensentscheid (NEE) erhalten, vor allem so genannte Dublin-Entscheide. 6’358 der Asylsuchenden haben Asyl erhalten und 9174 Asylsuchende wurden vorläufig aufgenommen.

Die Anerkennungsquote (Prozentsatz der Asylgewährungen) betrug damit 25,9%, die Schutzquote (Prozentsatz der Asylgewährungen plus vorläufigen Aufnahmen) 60,8%. Beide Quoten sind damit leicht höher als im Vorjahr. Das heisst auch, dass selbst in der Lesart der Behörden gut 60% der Asylgesuche als begründet galten.

Schweiz unattraktiv

Der Rückgang der Asylgesuchzahlen ist auf die Unattraktivität der Schweiz als Zielland zurückzuführen. Diese geht ihrerseits auf die restriktive Asylpolitik des SEM zurück: äusserst rigorose Anwendung des Dublin-Abkommens, vergleichsweise tiefe Anerkennungsquote für syrische Staatsangehörige als Flüchtlinge, weiter zunehmender Druck auf die eritreischen Asylsuchenden, schnelle Asylverfahren für Personen aus Ländern mit tiefer Schutzquote wie dem Balkan, Georgien und zahlreichen afrikanischen Ländern wie Guinea, Nigeria, Mali, usw.

Wichtigste Herkunftsländer

Das wichtigste Herkunftsland von Asylsuchenden im Jahr 2018 war weiterhin Eritrea. Die Zahl der Asylgesuche eritreischer Staatsangehöriger ist jedoch nach wie vor rückläufig und ging im Vergleich zu 2017 nochmals um 16,3 Prozent zurück (2825 Gesuche). Weitere wichtige Herkunftsländer waren Syrien (1393 Gesuche, 28,6 % weniger als im Vorjahr), Afghanistan (1186 Gesuche, −2,5 %) und die Türkei (1005 Gesuche, +18,0 %).

Eritrea

In Eritrea war nach wie vor der unbegrenzte «Nationaldienst» der Hauptfluchtgrund, Trotzdem diesbezüglich und betr. der Menschenrechtslage im Land generell keine Verbesserungen festzustellen waren, hat die Schweiz ihre Asylpraxis verschärft: Zwei äusserst fragwürdige Entscheide des Bundesverwaltungsgerichts bezeichneten Rückführungen als zumutbar – trotzdem das Gericht selbst die Informationslage als unsicher bezeichnete und den Nationaldienst als Zwangsarbeit qualifizierte. Daraufhin leitete das Staatsekretariat auch die Überprüfung bestehender vorläufiger Aufnahmen ein. Dies führte auch zu einer Rüge des Anti-Folterkomitees der UNO. rügte die neue Wegweisungspraxis in ,  Zwangsarbeit… Nichtsdestotrotz sehr fragwürdige Entscheide BVGer, Beginn Aufhebung vorl.

Syrien

In Syrien dauerten in einigen Gegenden Kampfhandlungen an, während in den vom Regime im Zuge einer auf die Zivilbevölkerung gerichteten, völkerrechtswidrigen Kriegsstrategie zurückeroberten Gebieten eine Rückkehr der Vertriebenen kaum realistisch erscheint. In den Hauptaufnahmeländern syrischer Flüchtlinge (Türkei, Libanon) hat sich deren Situation weiter verschlechtert. Dies führt dazu, dass sich weiterhin zahlreiche syrische Flüchtlinge trotz immer grösserer Hindernisse zu einer Flucht nach Europa gedrängt sehen. Während die Schweiz gestützt auf den Bundesratsbeschluss von Dezember 2016 in den Jahren 2017 und 2018 im Rahmen von Resettlement-Programmen rund 2000 syrische Flüchtlinge, vorwiegend aus Libanon und Jordanien, aufgenommen hat, blieb die Schweiz für syrische Flüchtlinge aufgrund langer Verfahrensdauer und einer geringen Quote an Asylgewährungen im europäischen Vergleich ein unattraktives Zielland.  

Afghanistan

In Afghanistan trieb die Lage Gewalt und eine rekordhohe Anzahl ziviler Opfer auch 2018 viele Menschen in die Flucht, was – zusammen mit der schwierigen Lage afghanischer Flüchtlinge im Iran – zu einer weiterhin hohen Anzahl Asylgesuchen afghanischer StaatsbürgerInnen führte.

Türkei

Während die Türkei weiterhin weltweit am meisten Flüchtlingen (v.a. aus Syrien) Zuflucht gewährte – dies auch mit wegen eines fragwürdigen Deals mit der EU - , führte die immer umfassendere Repression im Lande gegen JournalistInnen, AktivistInnen, RegierungskritikerInnen, Angehörige kurdischer Parteien und Organisationen sowie (tatsächliche und vermeintliche) Mitglieder der Gülen-Bewegung wieder zu mehr Asylgesuchen türkischer Staatsangehöriger in der Schweiz; die Anerkennungs- und Schutzquote war dabei vergleichsweise hoch.