Das alte Baseball-Stadion in Elliniko, Athen. Mehr als 1000 Menschen, die meisten aus Afghanistan, leben hier unter erbärmlichen Bedingungen. © Giorgos Moutafis/AI
Das alte Baseball-Stadion in Elliniko, Athen. Mehr als 1000 Menschen, die meisten aus Afghanistan, leben hier unter erbärmlichen Bedingungen. © Giorgos Moutafis/AI

Globale Studie Der Egoismus der reichen Länder verschlimmert die Flüchtlingskrise

Medienmitteilung 4. Oktober 2016, London/Bern – Medienkontakt
Die reichen Länder haben bislang in der Flüchtlingskrise versagt und wollen sich aus der Verantwortung stehlen. 56 Prozent der Flüchtlinge weltweit sind auf gerade einmal 10 Staaten verteilt, die weniger als 2,5 Prozent des weltweiten BIP erwirtschaften. Dies geht aus einer Studie zur weltweiten Flüchtlingskrise hervor, die Amnesty International veröffentlicht hat.

Der Bericht «Die Bewältigung der globalen Flüchtlingskrise: Verantwortung übernehmen, statt sich aus der Verantwortung stehlen» (Tackling the global refugee crisis: From shirking to sharing responsibility), dokumentiert die prekäre Situation von vielen der 21 Millionen Flüchtlinge weltweit.

Gerechte Verteilung nach objektiven Kriterien

Amnesty International schlägt eine faire und umsetzbare Lösung für die Krise vor. Basierend auf objektiven Kriterien wie Bevölkerungsgrösse, Bruttoinlandsprodukt und Arbeitslosenquote soll ein gerechter Anteil errechnet werden, welcher jedes Land zu leisten hat, damit jährlich 10 Prozent der Flüchtlinge ein Zuhause finden.

«Nur 10 der 193 Länder der Welt beherbergen mehr als die Hälfte der Flüchtlinge. Eine kleine Anzahl von Staaten trägt eine viel grössere Last, nur weil sie Anrainer eines Krisengebietes sind. Diese Verteilung ist offenkundig nicht nachhaltig und sie setzt Millionen, die vor Krieg und Verfolgung aus Ländern wie Syrien, dem Südsudan, Afghanistan oder dem Irak fliehen, unerträglichem Elend und Leid aus», sagte Salil Shetty, Generalsekretär von Amnesty International.

«Es ist Zeit für unsere Regierungschefs, endlich eine ernsthafte, konstruktive Debatte darüber zu führen, wie unsere Gesellschaften Menschen helfen können, die gezwungen waren, ihre Häuser aufgrund von Krieg und Verfolgung zu verlassen. Sie müssen erklären, warum die Welt Banken retten, neue Technologien entwickeln und Kriege führen kann, es aber nicht fertig bringt, ein neues Zuhause für 21 Millionen Flüchtlinge zu finden, die nur 0,3 Prozent der Bevölkerung der Weltbevölkerung ausmachen.»

Flüchtlinge weltweit in Not

Der Bericht unterstreicht die dringende Notwendigkeit für die Regierungen, die Zahl der aufgenommenen Flüchtlinge zu erhöhen und er dokumentiert die Not, in der die Menschen heute leben. Er zeigt auf, wie Flüchtlinge zunehmend Übergriffen der Behörden ausgesetzt sind und Gefahr laufen, in Konfliktgebiete zurückgeschickt zu werden – so etwa afghanische Flüchtlinge in Pakistan und im Iran oder somalische Flüchtlinge in Kenia.

Viele Flüchtlinge leben unter enorm prekären Bedingungen und werden absichtlich schlecht behandelt, um andere von einer Flucht abzuhalten. Der Bericht beschuldigt insbesondere verschiedene EU-Länder und Australien, mit systematischen Menschenrechtsverletzungen eine Politik der Abschreckung zu betreiben.
Zahlreiche Flüchtlinge, werden auf der Reise festgehalten, erpresst, vergewaltigt oder gar getötet. Viele sind gezwungen, eine lebensgefährliche Reise zu unternehmen, um überhaupt um Schutz ersuchen zu können. Allein 2015 sind vermutlich fast 4‘000 Menschen beim Versuch, über das Meer nach Europa zu gelangen, ertrunken.

Diese Länder haben am meisten Flüchtlinge aufgenommen