Weltflüchtlingstag - Europa vergibt die Chance für gemeinsamen Flüchtlingsschutz Schweiz muss mehr Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen

«In Europa wird gerne vergessen, dass achtzig Prozent der Flüchtlinge von Entwicklungsländern aufgenommen werden», sagt Denise Graf, Asylexpertin von Amnesty International anlässlich des diesjährigen Weltflüchtlingstags am 20. Juni. Dieses Jahr sind so viele Menschen auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung wie zuletzt Mitte der 1990er Jahre. Nur ein Bruchteil wird von Industrieländern aufgenommen. «Angesichts dieser Zahlen muss Europa dringend mehr Aufnahmeplätze für besonders bedürftige Flüchtlinge anbieten», fordert Graf.

Bisher stellen die EU-Staaten nur knapp 5000 Plätze für das sogenannte Resettlement-Programm der Uno bereit.

«Aktuell werden über 1,5 Millionen Flüchtlinge aus Syrien von den Nachbarländern, vor allem in Jordanien, dem Libanon und der Türkei, aufgenommen», sagt Graf. «Dass Griechenland nach wie vor Boote mit syrischen Flüchtlingen in türkische Gewässer zurückdrängt, ist ein Skandal. Die EU-Länder und die Schweiz müssen mehr tun, um diese Flüchtlinge zu unterstützen. Die Schweiz hat gerade einmal 70 Syrerinnen und Syrer als Kontingentsflüchtlinge aufgenommen.»

Das vergangene Woche vom Europaparlament beschlossene «Gemeinsame Europäische Asylsystem» sieht Amnesty kritisch. Die neuen europäischen Vorgaben könnten zu noch mehr Inhaftierungen von Asylsuchenden führen. Dazu Graf: «Nationale Interessen waren bei den Verhandlungen wichtiger als das Ziel eines europaweiten wirksamen Flüchtlingsschutzes. Die vielen Ausnahmeregelungen verhindern gleiche Standards. Auch in Zukunft wird es einen Riesenunterschied machen, ob jemand in Ungarn, Schweden, Italien oder in der Schweiz einen Asylantrag stellt.»

Medienmitteilung veröffentlicht: Bern, 19. Juni 2013
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