© Getty Images/Vetta
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Solidaritätsaktion Solidarität mit Noori

30. März 2017
Seit mehr als sechs Monaten sitzt ein junger Syrer unter erbärmlichen Bedingungen auf Lesbos in Polizeigewahrsam. Unter dem Deckmantel des EU-Türkei-Deals steht Griechenland kurz davor, seine Rückführung in die Türkei zu genehmigen. Amnesty engagiert sich gegen die Abschiebung und lanciert eine weltweite Solidaritätsaktion.

Der 21-jährige Noori (Name aus Datenschutzgründen geändert) floh aus Syrien, nachdem sein Dorf bombardiert wurde und zwei Nachbarfamilien vor seinen Augen umkamen. Er hoffte in Europa Sicherheit zu finden. Am 28. Juli 2016 erreichte er  – von der Türkei aus kommend – die griechische Insel Lesbos. Doch mit der Begründung, dass die Türkei für ihn ein sicheres Drittland sei, wurde sein Asylantrag für unzulässig erklärt. Er wird seit über sechs Monaten auf der Polizeiwache Mytilene festgehalten, was gegen geltendes griechisches Asylrecht verstösst. Seine Anwälte fechten das Urteil an. Noori leidet aufgrund der langen und schwierigen Haftbedingungen physisch und psychisch. Er wartet jetzt auf den letzten Entscheid des höchsten Verwaltungsgerichts Griechenlands. Wenn diese Instanz die Türkei als sicheren Drittstaat einschätzt, könnte Noori unmittelbar zurückgeschickt werden. Ausserdem würde dadurch ein Präzedenzfall geschaffen. Dieser Grundsatzentscheid würde bedeuten, dass alle in Griechenland ankommenden Syrerinnen und Syrer direkt in die Türkei zurückgeschickt werden könnten.

«Ich schlafe auf einer Matratze auf dem Boden der Zelle, die ich mit fünf anderen teile. Seit ich hier bin, habe ich keine saubere Decke erhalten.» Noori

Solidarität mit Noori zeigen

Der junge Syrer braucht Unterstützung. Schreiben Sie ihm auf Englisch oder zeichnen Sie ein Bild, um ihm zu zeigen, dass er nicht alleine ist und nicht vergessen wurde. Folgende Beispielsätze können Sie verwenden: 

  • I stand by you and wish you will get better soon (Ich bin mit dir und wünsche dir, dass es dir bald besser geht)
  • I hope you will be released soon and be able to rebuild your life in a safe place (Ich hoffe, dass du bald freigelassen wirst und dass du dein Leben an einem sicheren Ort neu aufbauen kannst).

Senden Sie bitte Ihre Nachrichten an Cyrielle Huguenot. Sie wird sie nach Griechenland weiterleiten:

Amnesty International Schweiz
z.H. Cyrielle Huguenot
Speichergasse 33
3001 Bern

Schreiben Sie auch an die griechischen Behörden

Eine weitere wichtige Massnahme, sind Briefe an die griechischen Behörden zu schreiben. Fordern Sie die Freilassung von Noori und helfen Sie seine Überstellung in die Türkei zu verhindern. Schreiben Sie jetzt einen Brief.

Die Hintergründe von Nooris Flucht

Noori kommt aus einer Ärztefamilie. Während der Krieg in Syrien wütete, begann er ein Pflegestudium, weil er den vielen Verletzten helfen wollte. Aus Angst um seine eigene Sicherheit unterbrach er schliesslich sein Studium und floh nach Europa.

Vor seiner Ankunft auf Lesbos unternahm Noori vier Fluchtversuche aus Syrien. Bei den ersten beiden wurde er jeweils von türkischen Sicherheitskräften festgenommen, geschlagen und nach Syrien zurückgeschickt. Beim dritten Fluchtversuch wurde seine Mitfliehenden von einer bewaffneten Gruppe angegriffen, wobei elf Flüchtlinge starben. Nach seinem vierten Fluchtversuch blieb er eineinhalb Monate in der Türkei, wo er nach eigenen Angaben keine Verwandten hat. Seine Absicht ist, nach Europa zu reisen, um dort seine Verwandten zu treffen.

Am 4. August 2016 hatte er auf Lesbos einen Asylantrag gestellt. Dieser wurde am 9. September 2016 mit der Begründung abgelehnt, dass die Türkei für Noori ein sicherer Drittstaat sei. Obwohl Asylsuchende nach griechischem Recht maximal 90 Tage festgehalten werden dürfen, befindet sich Noori nun seit über einem halben Jahr in Polizeigewahrsam.

Zusammen mit fünf oder sechs weiteren Insassen ist er in einer kleinen Zelle der Polizeiwache von Mytilene auf Lesbos eingesperrt. Noris psychische Verfassung, die bereits durch die Kriegserlebnisse stark belastet war, verschlechtert sich durch die Haft weiter. Er leidet ausserdem an Krätze aufgrund der Haftbedingungen. Dazu kommt die ständige Ungewissheit, im Fall eines negativen Entscheids sofort in die Türkei ausgeschafft zu werden.

Am 10. März 2017 hat der Staatsrat – das höchste Verwaltungsgericht Griechenlands – Noori angehört, da er Beschwerde gegen seine Ausweisung in die Türkei eingelegt hatte. Die Türkei sei für ihn kein sicheres Land, argumentierte Noori. Das Gericht hat nun zwei Monate Zeit, um in der Sache zu entscheiden. Die Recherchen von Amnesty International in der Türkei haben gezeigt, dass Asylsuchende keinen Zugang zu fairen und wirksamen Verfahren haben, in welchen der Status festgestellt wird. Dass die türkische Polizei Noori bereits zwei Mal nach Syrien zurückgeschickt hat, ist zudem ein Verstoss gegen das Non-Refoulement-Prinzip (Nicht-Zurückweisung) – eines der Kernstücke der Genfer Flüchtlingskonvention (Art. 33).

 

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