Gestrandet in Griechenland «LASST UNS HIER SO SCHNELL WIE MÖGLICH RAUS…»

2. Februar 2017
Griechenland ist eine beliebte Feriendestination für viele Schweizerinnen und Schweizer. Sonne, Strände und gutes Essen verbinden viele von uns mit dem südeuropäischen Land. Doch zum griechischen Winter gehören auch Schnee und Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Viele Flüchtlinge, die in Griechenland gestrandet sind, sind vor dem Winterwetter nur mangelhaft geschützt.

Das Souda-Lager auf der griechischen Insel Chios wurde für 1100 Flüchtlinge konzipiert. Aktuell sind über 4000 Menschen auf der Insel gestrandet, die sie aufgrund des EU-Türkei-Deals nicht verlassen dürfen. Sie leben zum grossen Teil in unwürdigen Verhältnissen: Viele campieren bei tiefen Temperaturen oder starkem Niederschlag in Zelten neben dem Strand, da die Lager überfüllt sind. Sie berichten in Interviews von fehlender Möglichkeit zu heizen oder von Mangel an heissem Wasser. Dazu kommen rassistische Übergriffe von rechtsextremen Gruppen und Kämpfe zwischen Gruppen unterschiedlicher Nationalitäten. Über all dem schwebt die permanente Angst, jederzeit in die Türkei zurückgeschafft werden zu können.

Es ist höchste Zeit, dass die Politik Europas die Missstände entschlossen angeht und diese humanitäre Katastrophe auf europäischem Boden beendet.

 

Hilferufe aus Chios

Offa Khalil Mohammad, Künstlerin. Herkunftsland: Syrien.

Offa ist eine professionelle Zeichnerin aus Aleppo. Zusammen mit zwei Geschwistern floh sie vor schwerem Raketenbeschuss auf der Suche nach Schutz. Am 7. August 2016 trafen sie in Chios ein und wähnten sich zunächst in Sicherheit. Bis zum heutigen Tag wartet Offa auf den Ausgang ihres Asylverfahrens. Ihre Tage verbringt sie nun im Athena-Frauenzentrum, welches von Freiwilligen betrieben wird und Flüchtlingsfrauen einen sicheren Zufluchtsort bietet. Dort kann sich Offa endlich wieder ihrer Kunst widmen. Während der Nacht muss sie aber wieder in das Souda-Lager zurückkehren, wo sie miterlebte, wie rechtsextreme Gruppen das Lager mit Steinen bewarfen.

 

„Wenn ihr in unser Land kommt, wäre es undenkbar euch so zu behandeln, wie ihr uns behandelt. Ich würde für euch meine Tür öffnen. Ich würde niemanden auf der Strasse lassen, ich würde jeder Person ein Heim zum Schlafen geben.“

Offa ruft die europäischen Führer zu Mitgefühl und Solidarität auf.

 

Hussein, 8 Jahre alt. Herkunftsland: Irak.

Der kleine Hussein leidet an einer Lebererkrankung. Als er am 25. November 2016 mit seiner Familie nach der Überquerung der Ägäis Chios erreicht, werden ihm, seinen Eltern und seinen drei Geschwistern im Empfangszentrum des Flüchtlingslagers Vial Fingerabdrücke abgenommen. Danach wird der Familie mitgeteilt, dass sie in das Souda Lager gebracht werden. In dem hoffnungslos überfüllten Lager schläft die Familie zuerst einige Tage fast nicht. Später ziehen sie in ein leichtes Zelt am Strand ausserhalb des Lagers um.

 

Im Irak ist die Lage nicht sicher. Mein Sohn leidet an einer Lebererkrankung. Es gibt keine Medizin und keine Behandlung im Irak. Wir haben seine Medizin bei der Überfahrt der Ägäis verloren. Selbst in der Schule im Irak wollten sie ihn nicht aufnehmen, weil er krank war.“

Husseins Vater Asad

 

B.D.K. 17 Jahre alt. Herkunftsland: Syrien.

B. ist syrischer Kurde aus al-Raqqa im Norden Syriens. Zusammen mit seiner Mutter, zwei älteren Schwestern und einem Bruder traf er im September in Chios ein. Sie flüchteten vor den Bomben und der Gruppe, die sich selbst als „Islamischen Staat“ bezeichnet. B. musste seine Schule aufgrund des Krieges unterbrechen, doch er ist zuversichtlich, seine Ausbildung fortsetzen zu können. Er mag Rap-Musik und möchte gerne Texte über seine Erfahrungen vom Krieg und dem Leben im Flüchtlingscamp schreiben.

 

„Als die [rechtsextremen] Attacken geschahen, hatten wir Angst um unser Leben und rannten aus dem Lager. Menschen schrien... Kinder weinten...wir wollen solche Dinge nicht mehr in unserem Leben. Holt uns aus diesem Ort.“

B.s Nachricht an die europäischen Führer.