Die dringlichen Appelle der UNO für Hilfsgelder zugunsten der Flüchtlinge verpuffen.  © Amnesty International Richard Burton
Die dringlichen Appelle der UNO für Hilfsgelder zugunsten der Flüchtlinge verpuffen. © Amnesty International Richard Burton

Flüchtlinge Reiche Industrienationen versagen

13. Oktober 2015
Zurzeit befinden sich weltweit mehr Menschen auf der Flucht als während des 2. Weltkriegs. Der Umgang mit dieser weltweiten Krise ist insbesondere für die Industrienationen beschämend, sagt Amnesty International und verweist vor allem auf den grossen Bedarf an sogenannten Wiederansiedlungsplätzen (Resettlement),die weltweit für besonders gefährdete Flüchtlinge benötigt werden.
  • Erst ein Zehntel der 1,15 Millionen besonders gefährdeten Flüchtlinge sind neu angesiedelt worden.
  • 86 Prozent der Flüchtlinge finden in relativ armen Ländern Zuflucht.
  • Uno-Flüchtlingsprogramme noch immer stark unterfinanziert.

Bisher haben die reichsten Länder der Welt erst einem Zehntel der 1,15 Millionen besonders gefährdeten Flüchtlingen eine Chance auf einen sicheren Neuanfang gegeben. Gleichzeitig  beherbergen weitaus ärmere Länder beinahe ohne internationale Unterstützung Millionen Flüchtlinge.

«Die Staats- und Regierungschefs der sicheren Länder mit gesunder Wirtschaft und hohen Menschenrechtsstandards sind jetzt gefordert. Wer nicht bereit ist, Menschen, die vor Tod, Folter und Verfolgung fliehen müssen, einen sicheren Neubeginn zu ermöglichen, ist mitverantwortlich. Einst wurde mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte eine Verpflichtung verabschiedet, allen Menschen ein Leben unter menschenwürdigen Bedingungen zu ermöglichen. Diese Verpflichtungen werden nicht erfüllt», sagt Cyrielle Huguenot von Amnesty International Schweiz.

Arme Länder tragen die Hauptlast

Während die ansteigenden Flüchtlingszahlen in der Europäischen Union die Schlagzeilen der vergangenen Monate dominierten, ist es seit Jahren so, dass viel ärmere Länder eine weitaus grössere Verantwortung für Flüchtlinge schultern. Länder mit geringem Pro-Kopf-Einkommen, vor allem im Nahen Osten, Afrika und Asien, beherbergen derzeit 86 Prozent der 19,5 Millionen Flüchtlinge weltweit.

Die reichen Staaten tun nicht annähernd genug, um die Herausforderungen dieser Zeit zu meistern. Internationale humanitäre Programme sind noch immer massiv unterfinanziert. Am 2. Oktober 2015 waren die Uno-Hilfsprogramme für syrische Flüchtlinge nur zu 46 Prozent finanziert, für den Südsudan sogar nur zu kläglichen 17 Prozent. Das hat erschütternde Auswirkungen auf die Versorgung der notleidenden Menschen mit Lebensmitteln, Medizin und Infrastruktur.

Amnesty International legt in einem Acht-Punkte-Plan dar, wie die reichen Staaten rasch helfen können, um die aktuelle Flüchtlingssituation zu entschärfen. Neben der finanziellen Unterstützung der Uno-Hilfsprogramme fordert Amnesty auch eine deutliche Steigerung der Wiederansiedlungsangebote.