Zeugen haben Dutzende von Flüchtlingsbooten gesehen, doch nur fünf Schiffe sind gemäss UNHCR in Indonesien und Malaysia angekommen. cinq bateaux seulement ont accosté en Indonésie et en Malaisie, selon des sources de l'ONU. © AFP/Getty Images
Zeugen haben Dutzende von Flüchtlingsbooten gesehen, doch nur fünf Schiffe sind gemäss UNHCR in Indonesien und Malaysia angekommen. cinq bateaux seulement ont accosté en Indonésie et en Malaisie, selon des sources de l'ONU. © AFP/Getty Images

Südostasien Rohingya-Flüchtlinge sind Opfer von Menschenhändlern

Jakarta / London, 21. Oktober 2015
Angehörige der muslimischen Minderheit der Rohingya, die per Boot aus Myanmar über die Andamansee fliehen, wurden Opfer von Menschenhändlern. Sie wurden unter unmenschlichen Bedingungen gefangen gehalten, geschlagen oder gar getötet, wenn ihre Familien kein Lösegeld bezahlen konnten. Das hat Amnesty International in einem neuen Bericht dokumentiert und fordert die betroffenen Regierungen auf, sofort etwas zum Schutz der Flüchtlinge zu unternehmen.

Für den am 21. Oktober  veröffentlichten Amnesty-Bericht «Deadly journeys: The refugee and trafficking crisis in Southeast Asia »sprach Amnesty International mit mehr als 100 Rohingya-Flüchtlingen in Indonesien. Viele von ihnen waren Opfer von Menschenhandel, darunter zahlreiche Kinder, die aus Myanmar oder Bangladesch stammen und Indonesien über die Andamanensee erreichten. Mit dem Ende des Monsun und der neu angebrochenen "Segelsaison" könnten nun wieder tausende Menschen die Boote besteigen. Amnesty International fordert daher regionale Regierungen dringend auf, jetzt ihre Kapazitäten für die sich anbahnende Krise aufzustocken.

«Es gibt kaum Worte für die schweren körperlichen Misshandlungen der Menschen, die auf Booten in der Bucht von Bengalen und der Andamanensee festsassen. Diese Menschen sind von einem Albtraum in den nächsten geraten. Auch Kinder blieben nicht verschont», sagte Anna Shea, Flüchtlingsexpertin bei Amnesty International.

«Das Schreckliche ist: diejenigen, mit denen wir sprechen konnten, hatten ja sogar noch Glück und haben die Küste erreicht. Unzählige aber starben auf See oder wurden Opfer von Menschenhändlern. Die Regierungen der Region müssen mehr tun, damit sich diese menschliche Tragödie jetzt nicht wiederholt.»

Im Mai 2015 ging Thailands Regierung rigoros gegen die Menschenhändlervor. Das führte dazu, dass Flüchtlinge einfach auf dem Meer ausgesetzt wurden. Tausende mussten wochenlang auf den Booten ausharren, ohne Nahrung, Wasser oder medizinischer Versorgung.

Die Uno geht davon aus, dass mindestens 370 Menschen zwischen Januar und Juni 2015 so ihr Leben verloren haben. Laut Amnesty International ist die tatsächliche Zahl der Opfer aber viel höher. Augenzeugen berichteten Amnesty von Dutzenden grosser Schiffe, die alle in der gleichen Lage waren. Laut Quellen der Uno erreichten nur fünf Boote Indonesien und Malaysia. Hunderte - wenn nicht Tausende - Menschen werden weiterhin vermisst, ihr Schicksale ist ungeklärt. Amnesty International geht davon aus, dass diese Menschen entweder auf der Überfahrt ums Leben kamen oder in die Zwangsarbeit verkauft wurden.