Covid-Erkrankte warten auf Zugang zu Sauerstoff und auf eine Behandlung im Spital, in welchem der Sauerstoff auszugehen droht. Kathmandu, 13. Mai 2021. IKASH KARKI/AFP via Getty Images
Covid-Erkrankte warten auf Zugang zu Sauerstoff und auf eine Behandlung im Spital, in welchem der Sauerstoff auszugehen droht. Kathmandu, 13. Mai 2021. IKASH KARKI/AFP via Getty Images

Coronavirus und Menschenrechte Vier Millionen – Tote Regierungen und Unternehmen müssen dringend handeln

9. Juli 2021
Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität sind inzwischen vier Millionen Menschen weltweit an Covid-19 gestorben. Angesichts dieser verheerenden Bilanz fordert die Generalsekretärin von Amnesty International, Agnès Callamard, Regierungen und Unternehmen der reicheren Staaten zum Handeln auf

agnès-callamard-275407 Eileen Barroso.jpg Agnès Callamard © Eileen Barroso Wie viele Millionen müssen noch sterben, bis endlich das Wissen und die Technologien, um genügend Impfstoffe für alle zu produzieren, allgemein verfügbar gemacht werden?», sagte Agnès Callamard.

«An der lebensrettenden Wirkung von Impfstoffen gibt es keinen Zweifel. Seit Januar ist die Zahl der tödlichen Verläufe in den Ländern, die mehr als die Hälfte der Bevölkerung mindestens einmal impfen konnten, um über 90 Prozent zurückgegangen. Da jedoch weite Teile der Welt nur eingeschränkten oder gar keinen Zugang zu Impfstoffen haben, gibt es immer noch alle elf Sekunden einen Covid-19-Todesfall – meist in Ländern mit niedrigem Einkommen. Der gleichberechtigte Zugang zu Impfstoffen ist ein grundlegendes Menschenrecht. Er darf nicht davon abhängen, wo ein Mensch lebt.»

«In vielen Ländern herrscht nach wie vor ein akuter Impfstoffmangel, der nur dadurch behoben werden kann, dass sowohl unverzüglich Impfdosen weitergegeben als auch die Hindernisse beseitigt werden, die eine Ausweitung der weltweiten Produktion verhindern.»

«Obwohl viele reiche Länder gerade die Aufhebung der Corona-Beschränkungen ankündigen, sind die tödlichen Auswirkungen von Covid-19 immer noch Realität. Die Zahl der Todesopfer in Lateinamerika ist nach wie vor hoch, während Indien und Nepal mit tödlichen Ausbrüchen konfrontiert sind und zu befürchten ist, dass die Gesundheitssysteme in Indonesien und im südlichen Afrika kurz vor dem Zusammenbruch stehen. In vielen dieser Länder herrscht nach wie vor ein akuter Impfstoffmangel, der nur dadurch behoben werden kann, dass sowohl unverzüglich Impfdosen weitergegeben als auch die Hindernisse beseitigt werden, die eine Ausweitung der weltweiten Produktion verhindern.»
 
«Die Staats- und Regierungschefs rund um den Erdball müssen sich weiterhin dafür einsetzen, dass der Schutz des geistigen Eigentums an lebensrettenden Produkten zeitweise aufgehoben wird, und Pharmaunternehmen dazu bewegen, ihr Wissen und ihre Technologien zu teilen. Dies ist eine globale Herausforderung, die jetzt globale Massnahmen erfordert. Niemand ist sicher, solange nicht alle sicher sind», so Agnès Callamard.

Hintergrund

 
Mit Stand vom 6. Juli 2021 hat in 33 Ländern mehr als die Hälfte der Bevölkerung mindestens eine Impfstoffdosis erhalten, so die Zahlen von Our World In Data. Alle bis auf drei (Mongolei, Malediven und Bhutan) sind Länder mit hohem Einkommen. (Die Analyse erfasst nur Länder und Territorien mit einer Bevölkerung von mehr als 200’000 Menschen).

Verglichen mit der Woche vom 11. Januar 2021, als die Zahl der Todesfälle weltweit die Zwei-Millionen-Grenze überstieg, sank die Zahl der Menschen, die pro Woche in diesen Ländern starben, laut Weltgesundheitsorganisation von 51’614 auf 4015. Das ist ein Rückgang von 92 Prozent.
 
Weltweit sollen in der Woche vom 28. Juni insgesamt 53’861 Menschen an COVID-19 gestorben sein, also eine Person alle elf Sekunden. Die zehn Länder mit den meisten Todesfällen in der vergangenen Woche sind Brasilien, Indien, Kolumbien, Russland, Argentinien, Indonesien, USA, Peru, Mexiko und Südafrika.
 
85 Prozent der Impfstoffdosen wurden in Ländern mit hohem und mittlerem Einkommen verabreicht. Nur 0,3 Prozent der Dosen wurden gemäss dem Impfstoff-Tracker der New York Times in Ländern mit niedrigem Einkommen verimpft.