© BPS
© BPS

Covid-19 Pharma-Investor*innen müssen fairen Zugang zu Impfstoffen sicherstellen

Medienmitteilung 26. April 2022, London/Bern – Medienkontakt
Wer in Unternehmen investiert, die Covid-19-Impfstoffe herstellen, muss sicherstellen, dass dringend benötigte lebensrettende Impfstoffe in Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen gelangen. Das schreibt Amnesty International im Vorfeld der Jahreshauptversammlungen von Johnson und Johnson, Moderna und Pfizer am 28. April sowie von AstraZeneca am 29. April.

Während das globale Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO), bis Juli 2022 eine Impfquote von 70 % in allen Ländern zu erreichen, deutlich verfehlt wird, behindern Pharmaunternehmen weiterhin den fairen Zugang zu Covid-19-Impfstoffen, indem sie die Technologie monopolisieren, die Weitergabe von geistigem Eigentum blockieren, hohe Preise für Impfstoffe verlangen und vorrangig reiche Länder beliefern. 

Amnesty International fordert alle institutionellen Investor*innen auf − darunter Baillie Gifford, die Bank of America, die Bank of NY Mellon, BlackRock, die Capital Group, Morgan Stanley, State Street, die UBS, die Vanguard Group und Wellington Management − die Hauptversammlungen der grossen Pharma-Konzerne vom 28. und 29. April zu nutzen, um von AstraZeneca, Johnson and Johnson, Moderna und Pfizer zu verlangen, dass sie ihrer menschenrechtlichen Verantwortung gerecht werden. Sie sollten für Aktionärsanträge stimmen, die die allgemeine Verteilung von Covid-19-Impfstoffen erleichtern sollen.

«Pharmaunternehmen haben eine menschenrechtliche Verantwortung, spielen aber weiterhin eine zentrale Rolle bei der ungleichen Verteilung von Impfstoffen in der Welt. Während sie und ihre Investor*innen mit Covid-19-Impfstoffen satte Gewinne gemacht haben, erhielten Länder mit niedrigem Einkommen nur einen winzigen Bruchteil des weltweiten Angebots und mussten unverhältnismässig viele Todesfälle hinnehmen», sagte Mark Dummett, Leiter des Teams Wirtschaft und Menschenrechte von Amnesty International. «Institutionelle Investor*innen haben von dieser Geschäftemacherei und Kurzsichtigkeit reichlich profitiert, sind aber verpflichtet, dafür zu sorgen, dass ihr Geld nicht zu Menschenrechtsverletzungen beiträgt. Die Hauptversammlungen bieten ihnen eine einmalige Gelegenheit, ihren Kurs zu korrigieren, indem sie ihren erheblichen Einfluss auf diese Unternehmen geltend machen. Sie sollten den Vorstand jedes Unternehmens befragen und Aktionärsanträge unterstützen, die einen politischen Wandel einleiten könnten, der Menschen vor Profit stellt.»

Amnesty International fordert alle Investor*innen von Johnson & Johnson, Moderna und Pfizer auf, für die von Oxfam America eingebrachte Aktionärsresolution zu stimmen, in der die Erstellung von Aktionärsberichten über den Transfer der Covid-19-Impfstofftechnologie gefordert wird. Dies würde es Herstellern in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen ermöglichen, Impfstoffe herzustellen.

Nach Angaben von Our World in Data haben mit Stand vom 25. April 2022 65,1 % der Weltbevölkerung mindestens eine Dosis eines Covid-19-Impfstoffs erhalten. Im Gegensatz dazu haben nur 15,2 % der Menschen in Ländern mit niedrigem Einkommen mindestens eine Dosis erhalten.

Amnesty International fordert institutionelle Investor*innen auf, ihre Investitionen einer umfassenden menschenrechtlichen Sorgfaltsprüfung zu unterziehen und die Auswirkungen der Zuteilungspolitik von Covid-19-Impfstoffen durch die Unternehmen laufend zu überwachen. Sie müssen ausserdem unverzüglich Massnahmen ergreifen, um nachteilige Auswirkungen zu verhindern, Risiken zu mindern, festgestellte Schäden zu beheben und die Ergebnisse öffentlich bekannt zu geben.

Zu den Hintergründen

Im Februar 2022 veröffentlichte Amnesty International den Bericht «Money Calls the Shots: Pharma’s response to the Covid-19 vaccine crisis» (PDF, 48 Seiten in englisch), der eine Bewertung der führenden Impfstoffhersteller enthielt: AstraZeneca, BioNTech, Johnson & Johnson, Moderna und Pfizer. Pfizer und Moderna schnitten von allen am schlechtesten ab. 

Pfizer, BioNTech und Moderna prognostizierten für 2021 einen Umsatz von bis zu 54 Milliarden US-Dollar, lieferten aber weniger als 2 % ihrer Impfstoffe an Länder mit niedrigem Einkommen. Die Bilanz von Johnson & Johnson in Bezug auf den Vertrieb war besser: 50 % der Impfstoffdosen erreichten Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen, obwohl viele dieser Dosen als «Spenden» von Ländern mit höherem Einkommen und nicht im Rahmen von Verkaufsvereinbarungen bereitgestellt wurden. Das Unternehmen weigert sich nach wie vor, seine Technologie und sein geistiges Eigentum im Rahmen der von der Weltgesundheitsorganisation koordinierten Initiativen weiterzugeben.

Im Vorfeld der Jahreshauptversammlungen im April 2022 hat Amnesty International mehr als 30 institutionelle Investor*innen von Covid-19-Impfstoffherstellern angeschrieben und sie aufgefordert, ihren beträchtlichen Einfluss geltend zu machen, um Druck auf die Pharmaunternehmen auszuüben, damit diese die Hürden für die Erreichung des WHO-Impfziels von 70 % beseitigen. Die Gesamtinvestitionen in die Pharmakonzerne belaufen sich auf mehr als 250 Milliarden US-Dollar.