Zum internationalen Roma-Tag Regierungen müssen Gewalt gegen Roma entschlossener bekämpfen

Anlässlich des Internationalen Roma-Tages am 8. April appelliert Amnesty International an die europäischen Regierungen, auf die zunehmende Gewalt gegen Roma in Europa endlich angemessen zu reagieren. Mit einer Aktion in Bern wird auch die Schweiz zum Handeln aufgefordert.

Gezielte Gewalttaten gegen Roma haben in Europa in den letzten paar Jahren in erschreckendem Mass zugenommen. «Die europäischen Staaten reagieren auf diese alarmierende Tatsache alles andere als adäquat», kritisiert John Dalhuisen, Amnesty-Experte für Minderheitenfragen in Europa. «Dass Roma-Gemeinschaften im modernen Europa anhaltend mit Gewalt und pogromartiger Attacken rechnen müssen, ist inakzeptabel.»

«Allzu oft schüren Regierungen ihrerseits die herrschenden Vorurteile gegen Roma. Sie werden als unsozial und unwillkommen gebrandmarkt. Während die Behörden auf die schlimmsten Gewaltexzesse normalerweise reagieren, sind sie offenbar nicht bereit, das Ausmass des Problems anzuerkennen.»

Fallbeispiele Tschechien, Frankreich, Griechenland

Aus Anlass des Internationalen Roma-Tages am 8. April veröffentlicht die Menschenrechtsorganisation einen neuen Bericht: We ask for justice: Europe's failure to protect Roma from racist violence dokumentiert Hassverbrechen, Gewalt und Belästigungen von Roma durch Behördenmitglieder und gewöhnliche Bürgerinnen in der Tschechischen Republik, in Frankreich und in Griechenland. Er zeigt auf, wie Polizei und Sicherheitskräfte es oft versäumen, Angriffe auf Roma zu verhindern, Hassmotive zu untersuchen und die Täter vor Gericht zu bringen. «Die Tatsache, dass auch unter Angehörigen von Polizei und Sicherheitskräften rassistisches Verhalten verbreitet ist, wird weit häufiger vertuscht denn aktiv angegangen», so Dalhuisen.

Amnesty International appelliert an die europäischen Regierungen und an die Europäische Union, sich sichtbar und ernsthaft gegen die quer über den Kontinent grassierende Diskriminierung, Intoleranz und Gewalt gegenüber Roma zu engagieren.

Handlungsbedarf auch in der Schweiz

Auch in der Schweiz sind die Minderheiten der Jenischen, der Sinti und der Roma Vorurteilen und Diskriminierung ausgesetzt. In einem Brief an Bundesrat Alain Berset fordert Amnesty International deshalb gemeinsam mit der Gesellschaft für bedrohte Völker und anderen Organisationen die Regierung auf, diese Volksgruppen als je eigenständige Minderheiten anzuerkennen, eine 'Task force' zu ihrem Schutz einzusetzen und Sensibilisierungsmassnahmen zur Bekämpfung von Antiziganismus innerhalb der Behörden zu treffen.

Medienmitteilung veröffentlicht: London / Bern, 8. April 2014
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