Queeramnesty an der Zurich Pride 2012
Queeramnesty an der Zurich Pride 2012

50 Jahre Stonewall Die Gay-Pride als Menschenrechtsfestival

14. Juni 2019
Unter dem Motto «Strong in Diversity» findet am 15. Juni 2019 in Zürich die 25. Gay Pride statt. Dieses Jahr erinnert die Pride auch an das 50-Jahr Jubiläum von Stonewall, dem Beginn der modernen LGBTIQ-Bewegung. Diese hat in den letzten Jahren viel erreicht – aber gerade auch in der Schweiz noch längst nicht die vollständige Gleichberechtigung: Amnesty unterstützt den Kampf dafür und fordert gleiche Rechte bei Heirat und Adoption sowie umfassenden Diskriminierungsschutz.

In der Nacht vom 27. Juni zum Samstag, dem 28. Juni 1969 stellten sich die Gäste der New Yorker «Stonewall Inn» Bar in der Christopher Street erstmals den diskriminierenden Polizeirazzien entgegen. Diese führten damals in Schwulenbars und Nachtclubs regelmässig zu öffentlicher Blossstellung, zu Verhaftungen und Anklagen wegen «anstössigen Verhaltens». Der Widerstand gilt als der Beginn der modernen LGBTIQ-Bewegung, den viele Gay-Pride-Bewegungen jeden Sommer als Wendepunkt in der Geschichte der Diskriminierung feiern. Seither ist die Gay Pride zu einer eigentlichen Menschenrechtsbewegung geworden, wie die die Themengruppe «Queeramnesty» von Amnesty Schweiz ausführlich darlegt.

«Strong in Diversity»

In Zürich steht die diesjährige Pride ganz im Zeichen des 50-Jahr-Jubiläums von Stonewall. Zudem ist es die 25. Gay Pride in der Limmatstadt. Festival und Umzug am 14. und 15 Juni stehen unter dem Motto «Strong in Diversity», nachdem sich die ersten Protestaktionen 1978 und 1982 gegen die damaligen polizeilichen Homosexuellenregister richteten und die Paraden danach zunächst stark im Zeichen von AIDS standen.

Der Kampf um gleiche Rechte hat in der Schweiz – wie in vielen anderen Ländern auch - grosse Erfolge gebracht: So gibt es seit 2007 das Recht einer «eingetragenen Partnerschaft» für homosexuelle Paare, und seit 2018 ist die Stiefkindadoption für Paare in einer eingetragenen Partnerschaft und im Konkubinat möglich.

Schweiz nur noch auf Rang 27

Jedoch ist die Schweiz in den letzten Jahren stark ins Hintertreffen geraten und im Landesranking von «Rainbow Europe» auf Rang 27 unter 49 europäischen Ländern zurückgefallen. Dies liegt nicht nur daran, dass die «Ehe für alle» sowie gleiche Rechte für Regenbogenfamilien und im Adoptionsrecht immer noch nicht verwirklicht sind. Der Hauptgrund ist, dass das Schweizer Recht nach wie vor nicht vor Hassdelikten aufgrund der sexuellen Orientierung, der Geschlechtsidentität und der Geschlechtsmerkmale schützt. Voraussichtich im Februar 2020 wird die Schweizer Bevölkerung immerhin darüber abstimmen, das Kriterium der sexuellen Orientierung (nicht aber der Geschlechtsidentität und der Geschlechtsmerkmale) in die Antirassismus-Strafnorm aufzunehmen. Amnesty International hatte sich an der diesjährigen Generalversammlung bereits mit einer Resolution gegen das von der EDU und Jungen SVP dagegen ergriffene Referendum ausgesprochen.

Gleichgeschlechtlicher Sex in 70 Ländern strafbar

Zahlreiche Länder sind von gleichen Rechten für LGBTIQ noch viel weiter entfernt – in 70 Staaten ist gleichgeschlechtliche Liebe immer noch ein Verbrechen, das in einigen davon sogar mit dem Tod bestraft werden kann. Zudem schränken zahlreiche Staaten die Meinungsäusserungsfreiheit sowie das zivilgesellschaftliche Engagement mit Bezug zu LGBTIQ-Themen ein – die Verbote der «Propaganda zur Verbreitung von Homosexualität» in mehreren Ländern sind dafür nur ein Beispiel. Die «International Gay and Lesbian Association» (ILGA) stellt das Ausmass der Unterdrückung und Diskriminierung von LGBTIQ in einer Übersichtskarte und dem ausführlichen Jahresbericht über staatlich geförderte Homophobie dar. Amnesty International setzt sich weltweit für ein Ende von Kriminalisierung, Unterdrückung und Diskriminierung gegen LGBTIQ ein.