Bedeutsamer Schritt zum Schutz von Opfern von Menschenhandel

4. Februar 2008
Am 1. Februar 2008 ist die Konvention des Europarats zur Bekämpfung des Menschenhandels in Kraft getreten. Darin verpflichten sich die Unterzeichnerstaaten, ihre Massnahmen zum Schutz der Opfer zu verbessern. Die Konvention, die bisher von 24 Staaten unterzeichnet und von 14 Staaten ratifiziert wurde, ist ein bedeutender Schritt, da sie erstmals den Schutz der Opfer und der ZeugInnen von Menschenhandel ins Zentrum gestellt - und nicht lediglich die Verfolgung der Täter.

 © Cornelia Diethelm

Der Opferschutz, so die Konvention, darf dabei nicht davon abhängig gemacht werden, ob die Betroffenen in einem Strafverfahren aussagen. Neben den Direktbetroffenen müssen auch ZeugInnen, InformantInnen sowie deren Angehörige vor Rache oder Einschüchterung geschützt werden. Die Konvention verlangt von den Vertragsstaaten weiter, dass sie die zuständigen Behörden mit geschultem Personal ausstatten, damit Opfer von Menschenhandel als solche identifiziert und geschützt werden.

Menschenhandel in Europa weit verbreitet

«In und um Europa werden Frauen, Männer und Kinder gehandelt und ausgebeutet z.B. als Haushaltshilfen, in der Landwirtschaft, in der Produktion, im Bau- und Gastgewerbe oder in der Prostitution», sagt Klara Skrivonkova von Anti-Slavery International. Weil viele dieser Vergehen im Dunklen bleiben, gibt es keine genauen Zahlen zum Umfang der Problematik. Doch Schätzungen gehen von mehreren Millionen Personen weltweit aus.

Anstatt als Opfer, werden die Betroffenen von den Behörden sehr oft als Kriminelle behandelt oder als ZeugInnen benutzt ohne Rücksicht auf die Gefahren, die eine Aussage vor Gericht für die Betroffenen haben kann. Die psychologischen, medizinischen und sozialen Konsequenzen sowie die wahren Gründe, wie etwa fehlende Perspektiven und Armut in den Heimatländern, werden selten zum Thema gemacht.

NGO-Koalition macht Druck auf die Schweiz

Bis anhin haben Albanien, Österreich, Bosnien und Herzegovina, Bulgarien, Kroatien, Zypern, Dänemark, Frankreich, Georgien, Malta, Moldavien, Norwegen, Rumänien und die Slowakei die Konvention ratifiziert. Die Schweiz gehört bislang nicht zu den Unterzeichnerstaaten.

Mit der Kampagne «Euro 08 gegen Frauenhandel» will eine Koalition von 25 Organisationen, zu denen auch Amnesty International gehört, deshalb Druck auf die Behörden ausüben. «In der Schweiz sind die Behörden erst in wenigen Kantonen auf die Thematik Menschenhandel sensibilisiert», kritisiert Yvonne Zimmermann, Koordinatorin der Kampagne. «Oft werden Betroffene von Frauenhandel ausgeschafft, weil sie keine Aufenthaltserlaubnis in der Schweiz haben. Aber auch wenn sie als Opfer identifiziert werden, erhalten sie nur dann Schutz, wenn sie in einem Strafverfahren aussagen, und nur während dessen Dauer. Spätere Racheakte der Täter sind oft die Konsequenz.»

Die Kampagne «Euro 08 gegen Frauenhandel» fordert einen besseren Schutz für die Opfer. Am 8. März lancieren die Trägerorganisationen mit Strassenaktionen in Basel, Bern, Genf und Zürich eine Petition, in der sie unter anderem die
rasche Ratifizierung der Europaratskonvention zur Bekämpfung des Menschenhandels und deren tatkräftige Umsetzung durch die Schweiz verlangen.