Syrien - Jordanien Stoppt die sexuelle Gewalt an Frauen auf der Flucht!

Frauen, die vor der Kriegsgewalt in Syrien flüchten, wollen auch der sexuellen Gewalt entkommen, die Teil des Kriegsgeschehens ist. Doch in Flüchtingslagern erwartet sie erneut sexuelle Gewalt. Aus Anlass der «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» lancieren wir eine Aktion dazu.

Mehr als hunderttausend Menschen sind seit dem Ausbruch des Aufstands in Syrien im März 2011 ums Leben gekommen. Mehr als zwei Millionen sind vor der verbreiteten Gewalt und den grassierenden Menschenrechtsverletzungen über die Landesgrenzen geflohen. Die meisten von ihnen leben heute in den Nachbarländern Libanon, Türkei, Irak und Ägypten, die wirtschaftlich und punkto Infrastruktur entsprechend gefordert sind. Weitere 4,25 Millionen leben als intern  Vertriebene in Syrien.

Flucht vor sexueller Gewalt …

Jede und jeder dieser Flüchtlinge hat auf eigene Weise gelitten und überlebt. Doch die Geschichten fast aller Frauen, mit denen Amnesty International in Flüchtlingslagern gesprochen hat, haben eines gemeinsam: Die Angst vor Vergewaltigung und sexuellen Übergriffen als einer der wichtigsten Gründe, Syrien zu verlassen.

Sexuelle Gewalt hat im Konflikt in Syrien eine wesentliche Rolle gespielt.  Das bestätigte auch die Unabhängige Internationale Untersuchungskommission zu Syrien: Angst vor Vergewaltigung, Androhung sexueller Gewalt und konkret begangene Gewalttaten seien etwa bei Razzien, an militärischen Kontrollstellen oder in Haftzentren und Gefängnissen weit verbreitet. «Die Drohung mit Vergewaltigung wird als Mittel zur Terrorisierung und  Bestrafung von Frauen, Männern und Kindern eingesetzt, die verdächtigt werden, mit der Opposition in Verbindung zu stehen.»

… in erneut  bedrohliche Verhältnisse

Doch auch die Flucht macht Frauen meist nicht sicherer: Frauenrechtsaktivistinnen, Mitarbeitende von Hilfsorganisationen und Flüchtlingsfrauen selbst weisen darauf hin, dass Frauen und Mädchen in Flüchtlingslagern Zielscheibe einer ganzen Reihe von sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt sind. Sexuelle Übergriffe und Belästigungen, Vergewaltigungen, aber auch Zwangsverheiratungen gehören dazu. Zugenommen hat offenbar auch die häusliche Gewalt.

Das Flüchtlingslager Za’atari in Jordanien

Ein Beispiel dafür ist das Flüchtlingslager Za’atari in Jordanien. Rund 120‘000 Frauen, Männer und Kinder leben in diesem weltweit zweitgrössten Flüchtlingscamp, das in einer rauen, wüstenähnlichen Gegend liegt. Verwaltet wird es vom Uno-Flüchtlingswerk UNHCR und der jordanischen Regierung gemeinsam. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind weitgehend von der Unterstützung und den Dienstleistungen internationaler Hilfsorganisationen abhängig.

In Za’atari herrschen massive Sicherheitsprobleme. Kriminelle Banden kontrollieren Teile des Lagers, zweigen Hilfsgüter ab und begehen straflos Verbrechen. Auch das UNHCR berichtete im Juni 2013 über ein Klima der Unsicherheit, unter dem namentlich besonders verletzliche Gruppen litten. Sie seien nur schwer vor sexueller Ausbeutung und Übergriffen zu schützen. Es herrsche zudem «eine Kultur der Straflosigkeit.»

Das UNHCR, Hilfsorganisationen und die jordanische Regierung haben deshalb einen Plan für die Führung des Camps ausgearbeitet, zu dem eine Restrukturierung, die Ausweitung der Sicherheitsmassnahmen und ein stärkere Einbezug der Gemeinschaft gehören.

Sicherheit fehlt – zum Beispiel auf Toiletten

Nebst den allgemeinen Sicherheitsproblemen sind Frauen, mit denen Amnesty International sprach, zusätzlich von Problemen betroffen, die sie ganz spezifisch als Frauen betreffen. Dazu gehört namentlich die schlechte Zugänglichkeit von sanitären Anlagen. So fehlt auf den Gemeinschaftstoiletten zum Beispiel oft das Licht, weil Lagerbewohner offenbar die Lampen stehlen. Im Dunkeln aber scheuen sich viele Frauen, auf die Toiletten zu gehen. Sie haben Angst vor sexuellen Übergriffen, Belästigungen oder  anderen Angriffen. Zudem haben Männer in einigen Zonen des Camps öffentlich darauf hingewiesen, dass die sanitären Anlagen für Frauen nicht sicher seien und dass Frauen sie deshalb nach 10 Uhr abends nicht mehr aufsuchen sollten. Als Folge davon sind bei Frauen bereits gesundheitliche Probleme zu beobachten, weil sie den Urin zurückhalten.

Sexuelle Übergriffe

Frauen haben aber auch allgemein Angst, sich im Lager frei zu bewegen, weil sie sich vor sexueller Gewalt fürchten. Es zirkulieren Gerüchte über entsprechende Vorfälle, und einige sind auch ganz konkret belegt. Dazu gehört unter anderem der Fall einer 14jährigen Syrerin, die am 24. September 2014 von einer Bande von drei Männern vergewaltigt wurde.  Eine auf die psychosoziale Unterstützung von Flüchtlingsfrauen und -mädchen spezialisierte jordanische Organisation berichtete Amnesty International, dass sie jeden Monat zwischen drei und fünf Berichte von sexuellen oder geschlechtsspezifischen Gewalttaten erhält.

Ein klares Ziel: Sicherer Zugang zu Toiletten für Frauen und Mädchen im Za’atari-Camp

Unsere Aktion zu den 16 Tagen gegen Gewalt an Frauen wollen wir diesmal nicht dem allgemein Problem der sexuellen Gewalt allgemein widmen, dessen Lösung leider noch vieler Anstrengungen bedarf und noch in weiter Ferne liegt, sondern ganz konkret dem Thema des sicheren Zugangs zu Gemeinschaftstoiletten im Za’atari-Camp. Hier haben wir ein klares, erreichbares Ziel!  Wir hoffen, dass die jordanische Regierung auf den weltweiten Druck reagiert, den wir über die Aktion zu den 16 Tagen ausüben können, und das Problem erfolgreich angeht.

Schicke einen Brief an den jordanischen Innenminister

Wir fordern vom jordanischen Innenminister: Sorgen Sie dafür, dass sich Frauen und Mädchen im Za’atari-Camp sicher und ohne Angst im öffentlichen Raum bewegen können. Sorgen sie für einen sicheren Zugang zu Toiletten, stellen Sie deren Beleuchtung sicher, und treffen Sie in Zusammenarbeit mit dem UNHCR und unter Mitsprache der im Lager lebenden Flüchtlinge, insbesondere der Frauen und Mädchen, alle nötigen Massnahmen, um die Sicherheitslage zu verbessern.

Hier geht's zum Musterbrief! Danke für Ihr Mitmachen!