Die 18-jährige Marlene aus El Salvador wurde wegen Abtreibung angeklagt, nachdem sie eine Fehlgeburt erlitten hatte. | © AI
Die 18-jährige Marlene aus El Salvador wurde wegen Abtreibung angeklagt, nachdem sie eine Fehlgeburt erlitten hatte. | © AI

Frauenrechte Schwangerschaftsabbruch

Aktualisiert: 12. Juli 2018
Jede Frau und jedes Mädchen hat das Recht, selbst zu entscheiden, ob, wann und in welchen Abständen sie schwanger werden will. Sowohl erzwungene Schwangerschaftsabbrüche (Zwangsabtreibungen) wie auch Verbote von Abtreibungen verletzen dieses Recht.

Einige Länder verfolgen weiterhin die Politik, Schwangerschaftsabbrüche zu kriminalisieren und den Zugang dazu einzuschränken. Dies hat verheerende menschenrechtliche Konsequenzen. Unsichere Schwangerschaftsabbrüche sind noch immer eine der häufigsten Todesursachen von Frauen weltweit, mit geschätzten 25 Millionen unsicheren Abtreibungen pro Jahr.

Amnesty International fordert die Staaten dazu auf, die Abtreibung nicht nur zu entkriminalisieren, sondern darüber hinaus den Zugang zu sicheren und legalen Schwangerschaftsabbrüchen zu gewährleisten. Dabei müssen die Rechte aller Frauen, Mädchen und Menschen, die schwanger werden können, uneingeschränkt respektiert werden.

Ein Schwangerschaftsabbruch muss unter sicheren, niederschwelligen und nicht diskriminierenden Bedingungen durchgeführt werden können. Die Entkriminalisierung als erster Schritt bedeutet, dass keine strafrechtliche Verfolgung der Frau, deren Schwangerschaft unterbrochen wurde oder der Person, die den Abbruch vorgenommen hat, stattfindet. Wichtig sind zudem präventive Massnahmen: Jedes Mädchen und jede Frau muss Zugang haben zu Informationen über Sexualität und zu Methoden der Schwangerschaftsverhütung.

Entwicklungen der Positionen zum Schwangerschaftsabbruch

Die obenstehende aktuelle Position von Amnesty International zum Schwangerschaftsabbruch wurde von den Vertreterinnen und Vertretern der Ländersektionen im Juli 2018 an einer globalen Versammlung in Warschau verabschiedet. Sie ersetzt Amnesty International’s vorherige Policy zur Abtreibung, welche 2007 angenommen wurde und eine Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs sowie den Zugang dazu in bestimmten Fällen forderte.

In der Schweiz gab es 2013/14 eine Debatte rund um die Initiative «Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache» (Abstimmung vom Februar 2014). Die Position von Amnesty International dazu ist hier nachzulesen: «Gefährdung grundlegender Menschenrechte». Weiterführende Informationen zum Thema gibt es im Blog von Stella Jegher: Schwangerschaft und Menschenrechte.

Die Thematik verliert nicht an Aktualität: Im ersten Halbjahr 2018 gingen Menschen in Polen gegen einen noch restriktiveren Gesetzesentwurf auf die Strasse, die Stimmbevölkerung Irlands stimmte am 25. Mai mit überwältigender Mehrheit für die Aufhebung des Abtreibungsverbots (Informationen dazu auf Englisch), in El Salvador kam Teodora del Carmen Vásquez am 15. Februar endlich frei, nachdem sie wegen einer Fehlgeburt zehn Jahre hinter Gittern verbracht hatte und in Argentinien stimmte das Parlament am 14. Juni für die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen (Infos auf Englisch) – der Entscheid des Senats folgt am 8. August 2018 und die Mobilisierung auf Argentiniens Strassen geht weiter.

Die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs bleibt eines der grossen Anliegen der Frauenrechtsbewegungen weltweit, während konservative Gruppen und Regierungen immer wieder anstreben, den Zugang zu sicheren Abtreibungen zu verbieten oder einzuschränken.