Kommentar von Manon Schick Coronavirus: Solidarität mit den Verletzlichsten weltweit

Kommentar von Manon Schick, Geschäftsleiterin von Amnesty Schweiz, 17. März 2020
Auf das Coronavirus und die von ihm verursachten Verheerungen richtet sich derzeit die gesamte Aufmerksamkeit – und das ist verständlich. Amnesty International wird auch in einer solchen Ausnahmesituation dafür kämpfen, die Welt solidarischer und menschlicher zu machen.

Manon Schick. © AI

In Zeiten einer Krise wie dieser ist die Solidarität unser wertvollstes Gut. Vergessen wir nicht, dass wir das gemeinsam durchstehen können. Wir müssen den Verletzlichsten Aufmerksamkeit schenken und sie – wenn auch mit Distanz – vorbehaltslos unterstützen!

Das Coronavirus verschont auch uns bei Amnesty Schweiz nicht. So wie viele andere zivilgesellschaftliche Organisationen müssen wir Teile unserer Arbeit aussetzen, um die weitere Ausbreitung der Pandemie einzudämmen. Abgesagt oder verschoben wurden bereits Dutzende Kurse an Schulen und Universitäten, Aktionen und Anlässe von Aktivistinnen und Aktivisten und Veranstaltungen in der ganzen Schweiz. Es tut mir sehr leid, wenn auch Sie von einer solchen Absage betroffen waren. Wir tun alles, was wir können, um Veranstaltungen zu verschieben, anstatt sie abzusagen, und wir werden Möglichkeiten zur virtuellen Teilnahme und zum Online-Engagement bereitstellen.

Die langfristigen Folgen für unserer Bewegung sind noch kaum abzuschätzen. Auch weltweit ist unsere Arbeit stark betroffen – so wird es für unsere Researcherinnen und Researcher aufgrund von Reiserestriktionen zunehmen schwierig, sich in Krisen- und Konfliktgebieten zu bewegen und dort Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren. Wir werden deshalb unsere neuen, digitalen Arbeitsmethoden verstärken, etwa die Analyse von Satellitenbildern und von Bild- und Videomaterial.

Wir werden alles in unsere Macht Stehende tun, um uns weiterhin für die Rechte von bedrohten Menschen einzusetzen und Übergriffe aufzudecken. Mit der Ausbreitung der Pandemie sind weltweit neue schwere Menschenrechtsverletzungen zu befürchten. Das Beispiel der chinesischen Provinz Wuhan zeigt, wie in autoritären Staaten neben dem Recht auf Gesundheit rasch auch die freie Meinungsäusserung ins Visier gerät – bis hin zu Verhaftungen oder dem Verschwindenlassen von Kritikerinnen und Kritikern.

Es ist nicht auszudenken, welche Folgen die Verbreitung des Virus in den überfüllten Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln haben wird. Zehntausende von Krieg und Verfolgung geschwächte Kinder, Frauen und Männer leben heute an den Toren Europas unter erbärmlichen Bedingungen. Wir rufen den Bundesrat mit einer Petition dazu auf, diesen Menschen zu helfen und jetzt ein grösseres Kontingent von Schutzsuchenden aufzunehmen.

Seit Montag, 16. März befindet sich die Schweiz offiziell in einer ausserordentlichen Lage. Viele von uns sind verunsichert. Aber gemeinsam und solidarisch werden wir diese Krise bewältigen!