Setzt sich für die Rechte von Flüchtlingen ein: Der sudanesiche Aktivist Abdul Aziz Muhamat in einem Lager auf der zu Papua-Neuguinea gehördenden Insel Manus. © Michael Green
Setzt sich für die Rechte von Flüchtlingen ein: Der sudanesiche Aktivist Abdul Aziz Muhamat in einem Lager auf der zu Papua-Neuguinea gehördenden Insel Manus. © Michael Green

Martin-Ennals-Preis 2019 Menschenrechtspreis geht am Abdul Aziz Muhamat

14. Februar 2019
In diesem Jahr geht der Martin-Ennals-Preis an den aus dem Sudan geflohenen Aktivisten Abdul Aziz Muhamat. Eine Jury aus zehn internationalen Menschenrechtsorganisationen, darunter Amnesty International, wählte ihn als Preisträger aus. Nominiert waren ausserdem der Landrechts- und Gewerkschaftsaktivist Marino Cordoba Berrio aus Kolumbien und die Anwältin Eren Keskin aus der Türkei. Bei der Preisverleihung in Genf wurden alle drei Nominierten geehrt.

«Mit diesem Preis wird die grausame Flüchtingspolitik der australischen Regierung in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Ausserdem macht er auf die Gefahren und Torturen aufmerksam, denen Flüchtlinge auf der ganzen Welt ausgesetzt sind – auch in den Ländern, die behaupten, dass sie sich an die Flüchtlingskonvention halten», erklärt der Preisträger.

Abdul Aziz Muhamat war 19 Jahre alt, als er 2013 die Entscheidung traf, vor dem Krieg in Darfur zu fliehen und sein Heimatland Sudan zu verlassen. Im Oktober 2013 wurde er auf dem Weg nach Australien von den dortigen Behörden aufgegriffen und in eine Hafteinrichtung auf der zu Papua-Neuguinea gehörenden Insel Manus gebracht. Die australische Regierung verfolgt bereits seit längerer Zeit die Strategie, auf der Grundlage einer Übereinkunft mit der Regierung Papua-Neuguineas, Asylsuchende, die auf dem Seeweg nach Australien gelangen wollen, ausserhalb des Landes zu inhaftieren. Nach mehr als fünf Jahren ist Abdul Aziz Muhamat zwar anerkannter Flüchtling, doch sitzt er nach wie vor auf Manus fest. Hunderten anderen Flüchtlingen und Asylsuchenden geht es wie ihm. Ihr Alltag ist von Entbehrungen, Schikane, Demütigungen und Gewalt geprägt.

«Dieser junge Mann war erst 20 Jahre alt, als er auf der Insel Manus ankam. Seitdem hat er sich unermüdlich für diejenigen eingesetzt, denen – genau wie ihm selbst – die elementarsten Rechte verweigert werden. Dabei geht er aussergewöhnlich beharrlich und mutig vor. Sein Widerstand bleibt immer friedlich, selbst nachdem ihm ein Polizist ins Bein schoss», betont Dick Oosting, Vorsitzender der Martin-Ennals-Stiftung. «Die australische Regierung muss ihren internationalen Verpflichtungen nachkommen. Die unmenschliche Behandlung der Geflüchteten [auf Manus] muss aufhören.»

Menschenrechtsorganisationen prangern die Lebensbedingungen auf der Insel Manus immer wieder an. Abdul Aziz Muhamat berichtet: «Die Menschen dort sterben, vor allem weil es an angemessener medizinischer Versorgung mangelt. Einige von ihnen töteten sich selbst, darunter auch Kinder. Wir brauchen Sicherheit, wir brauchen Freiheit, wir brauchen Hoffnung. Dass ich mich gegen dieses grausame System zur wehr setze, hilft mir dabei, mir meine Selbstachtung und meine Menschenwürde zu erhalten. Ich werde so lange weiterkämpfen, bis wir alle frei und in Sicherheit sind.»

Nominiert war auch Eren Keskin aus der Türkei. Die Anwältin setzt sich seit mehr als 30 Jahren vor allem für die Rechte von Frauen, Kurdinnen und Kurden und LGBTIQ ein. Sie war vor kurzem zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden, da sie die pro-kurdische Zeitung Özgür Gündem, die im Oktober 2016 verboten wurde, unterstützt hatte. Die meisten Verfahren gegen sie basieren auf einzelnen Artikeln aus der Zeit zwischen 2013 und 2016, als Eren Keskin symbolisch den Posten der Chefredakteurin von Özgür Gündem übernommen hatte. Nach Ansicht des Gerichts verunglimpft Eren Keskin in ihren Artikeln die Nation und beleidigt den Präsidenten.

«Wer heute in der Türkei Meinungs- und Gedankenfreiheit einfordert, riskiert eine hohe Strafe. Die Regierung toleriert keine kritischen Stimmen. Ich weiss jedoch, dass wir mit unserem Widerstand die Welt ändern können. Ich danke euch, dass ihr uns nicht vergessen habt. Eure Solidarität und eure Unterstützung geben mir die Kraft, weiterzukämpfen», sagt sie.

Der Martin-Ennals-Menschenrechtspreis, der nach einem früheren internationalen Amnesty-Generalsekretär benannt ist, wird seit 1993 vergeben. Der Preis geht an Personen, die sich unter grossem persönlichem Risiko für die Menschenrechte engagieren. Durch die öffentliche Aufmerksamkeit und die Anerkennung der Tätigkeit, die der Preis vermittelt, soll der Schutz für diejenigen verbessert werden, die Menschenrechte verteidigen. Ausserdem soll das Preisgeld dazu beitragen, dass sie ihre wichtige Arbeit fortführen können.

Die Martin-Ennals-Stiftung ging aus der Zusammenarbeit von zehn bedeutenden internationalen Menschenrechtsorganisationen hervor, die auch die Jury stellen: Amnesty International, Human Rights Watch, Internationale Föderation der Menschenrechts-Vereinigungen (FIDH), Weltorganisation gegen die Folter (OMCT), Front Line Defenders, Internationale Juristen-Kommission (IJC), International Service for Human Rights, Human Rights First, Brot für die Welt und HURIDOCS.