Statistik zur Todesstrafe 2008 China: Grausamer Weltmeister bei den Exekutionen

Die Todesstrafe ist weltweit auf dem Rückzug. China richtet weiterhin mehr Menschen hin als der Rest der Welt zusammen. Zu diesem Ergebnis kommt Amnesty International in dem jährlichen Bericht zur Todesstrafe , den die Menschenrechtsorganisation heute veröffentlicht hat. In Europa ist Weissrussland das letzte Land, das die Todesstrafe noch vollstreckt.

In keiner Region der Erde wurden im Jahr 2008 mehr Menschen hingerichtet als in Asien. Allein die Volksrepublik China war mit mindestens 1718 Fällen für fast drei Viertel aller weltweiten Hinrichtungen verantwortlich. Die Dunkelziffer liegt vermutlich um ein Vielfaches höher, da Statistiken zu Todesurteilen und Exekutionen in China als Staatsgeheimnis behandelt werden.

Im Jahr 2008 hat Amnesty International 2390 Hinrichtungen in 25 Ländern dokumentiert. Mindestens 8864 Personen wurden in 52 Staaten zum Tode verurteilt. In Europa wendet mit Weissrussland nur noch ein Staat die Todesstrafe an. Seit 1991 wurden dort schätzungsweise 400 Menschen hingerichtet.

«Die Todesstrafe ist eine grausame, erniedrigende und in höchstem Masse unmenschliche Strafe. Enthaupten, erhängen, erschiessen, steinigen, der elektrische Stuhl und die Giftspritze haben im 21. Jahrhundert keinen Platz», sagte Irene Khan, Generalsekretärin von Amnesty International. Viele Todeskandidaten und Todeskandidatinnen müssen unter menschenunwürdigen Bedingungen im Todestrakt ausharren. In Japan zum Beispiel werden die Verurteilten erst am Tag ihrer Hinrichtung über die bevorstehende Vollstreckung informiert. Ihre Familien erfahren erst viel später von der Tötung des Angehörigen.

In der Region Mittlerer Osten und Nordafrika werden weltweit am zweitmeisten Exekutionen vollstreckt. Die Zahl der Hinrichtungen in dieser Region stieg auf 508 Fälle. Im Iran wurden mindestens 346 Menschen mit grausamen und unmenschlichen Methoden wie Steinigung und erhängen exekutiert. Darunter waren 8 zur Tatzeit minderjährige Straftäter. Saudi Arabien hat mindestens 102 Personen hingerichtet. Die zum Tode Verurteilten wurden oft auf öffentlichen Plätzen enthauptet und in einigen Fällen gekreuzigt.

«Die Todesstrafe ist ein legalisiertes körperliches und seelisches Folterinstrumentarium, das in der staatlich organisierten Tötung endet. Damit muss endlich Schluss sein», sagte Irene Khan.

Im vergangenen Jahr haben mit Argentinien und Usbekistan zwei weitere Staaten die Todesstrafe aus ihren Gesetzen verbannt. Weltweit sind es heute 138 Länder, die die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft haben. «Nur noch eine kleine Minderheit von Staaten führen weiterhin Exekutionen durch. Eine Welt ohne Todesstrafe rückt immer näher», erklärte Irene Khan.

Medienmitteilung veröffentlicht: 24. März 2009
Medienkontakt: Daniel Graf