Hintergrund Die Todesstrafe in den USA

„Der Staat darf niemanden töten. Er darf sich nicht auf dasselbe Niveau begeben wie ein Mörder, der sich herausnimmt, über Leben und Tod zu entscheiden.“ Aussage von Ray Krone, der am 8. April 2002 ...

„Der Staat darf niemanden töten. Er darf sich nicht auf dasselbe Niveau begeben wie ein Mörder, der sich herausnimmt, über Leben und Tod zu entscheiden.“

Aussage von Ray Krone, der am 8. April 2002 aus dem Gefängnis in Arizona entlassen wurde. DNA-Tests hatten ergeben, dass er den Mord nicht begangen hatte, für den er zehn Jahre zuvor zum Tode verurteilt worden war.

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Zahlen und Fakten

In 35 der 50 US-Bundesstaaten können Menschen zum Tode verurteilt und hingerichtet werden. 15 Bundesstaaten haben die Todesstrafe bereits abgeschafft: Alaska, Hawaii, Iowa, Maine, Massachusetts, Michigan, Minnesota, New Jersey, New Mexico, New York, North Dakota, Rhode Island, Vermont, West Virginia, Wisconsin. Darüber hinaus hat auch der Bundesdistrikt Washington D.C. die Todesstrafe abgeschafft.

Die Todesstrafe kann auch nach Bundes- und Militärrecht landesweit verhängt werden, was jedoch selten geschieht.

 

Im Jahr 2009 wurden in den USA 52 Gefangene in elf Bundesstaaten hingerichtet. Die mit Abstand meisten Exekutionen fanden in Texas statt (24). Damit hat sich die Gesamtzahl der Hinrichtungen in den USA seit Wiederzulassung der Todesstrafe im Jahr 1976 bis Ende 2009 auf 1.188 (darunter elf Frauen) erhöht. Am 1. Oktober 2009 gab es landesweit 3.270 zum Tode Verurteilte (darunter 130 Ausländer und 53 Frauen). Die meisten Häftlinge warten in den Todeszellen der Bundesstaaten Florida, Kalifornien, Pennsylvania und Texas auf ihre Hinrichtung. Die häufigste Hinrichtungsmethode ist die tödliche Injektion („Giftspritze“). Insgesamt ist die Zahl der Todesurteile in den USA jedoch rückläufig und hat 2009 den tiefsten Stand seit 1976 erreicht.

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Fehler im Justizsystem

Kein Justizwesen der Welt ist frei von menschlichen Fehlern und Vorurteilen. Auch in den USA werden immer wieder Unschuldige zum Tode verurteilt. Seitdem der Oberste Gerichtshof die Todesstrafe 1976 nach einem neunjährigen Hinrichtungsstopp wieder zugelassen hat, wurden 138 Menschen aus dem Todestrakt entlassen. Alle wurden freigesprochen. In vielen Fällen haben nachträgliche DNA-Analysen den Unschuldsbeweis erbracht. Gründe für die Verurteilung von Unschuldigen in den USA sind unter anderem: unzuverlässige Augenzeugenberichte, Fehler bei Polizei und Staatsanwaltschaft, schlechte anwaltliche Vertretung, fehlerhafte Beweisfindung, rassistische Geschworene sowie falsche Geständnisse. Menschenunwürdige Hinrichtungspannen und die horrenden Kosten der Todesstrafe sind weitere Gründe dafür, warum die öffentliche und politische Unterstützung der Todesstrafe in den USA schwindet.

 

Im Todestrakt: Überwiegend Schwarze und arme US-Amerikaner

Die Bevölkerung der USA ist zu 68% weiß, 12% sind Afroamerikaner, 15% lateinamerikanischer Herkunft und 5% gehören anderen ethnischen Minderheiten an. Doch seit 1977 hat jeder dritte Hingerichtete eine schwarze Hautfarbe. In den allermeisten Fällen waren die Opfer eines Mordes weiß, obwohl die Hälfte aller Mordopfer Afroamerikaner sind. Bereits 1990 stellte das Statistische Bundesamt  der USA fest, es gäbe ein erkennbares „Muster, das beweist, dass die Verhängung und die Durchführung der Todesstrafe rassistische Züge hat.“

Auch der ökonomische Status spielt eine wichtige Rolle. Die meisten zum Tode Verurteilten kommen aus armen Verhältnissen und können sich keine teuren Anwälte leisten. Die von den Gerichten berufenen Pflichtverteidiger sind oftmals überarbeitet, unerfahren und unterbezahlt.

 

Fortschritte auf dem Weg zur Abschaffung der Todesstrafe in den USA
  • Seit 2002 dürfen nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs keine Menschen mehr zum Tode verurteilt werden, die geistig zurückgeblieben sind.
  • 2005 hat der Oberste Gerichtshof verboten, Menschen zum Tode zu verurteilen, die bei der Begehung einer Straftat noch nicht 18 Jahre alt waren.
  • Die Zahl der jährlich zum Tode Verurteilten ist rückläufig. Sie sank im letzten Jahrzehnt um rund 60 Prozent.
  • Einige der 35 Bundesstaaten, die noch an der Todesstrafe festhalten, haben Gesetzesinitiativen zur Abschaffung dieser Strafe gestartet oder erwägen dies.
  • In der US-Bevölkerung nimmt die Zustimmung zur Todesstrafe ab. Ungefähr die Hälfte der Befragten sind heute der Ansicht, dass lebenslange Haftstrafen eine angemessene Bestrafung für Mörder sind.