Demobilisierung ehemaliger KindersoldatInnen in der Demokratischen Republik Kongo © AI
Demobilisierung ehemaliger KindersoldatInnen in der Demokratischen Republik Kongo © AI

Kinder im Krieg - ein Überblick

29. August 2006, letztes Update September 2014
«Als sie in unser Dorf kamen, fragten sie meinen älteren Bruder, ob er bereit sei, der Rebellengruppe beizutreten. Er war erst 17Jahre alt und sagte nein. Daraufhin erschossen sie ihn und fragten ...

«Als sie in unser Dorf kamen, fragten sie meinen älteren Bruder, ob er bereit sei, der Rebellengruppe beizutreten. Er war erst 17Jahre alt und sagte nein. Daraufhin erschossen sie ihn und fragten mich. Was hätte ich machen sollen, ich wollte nicht sterben.» Das Schicksal dieses dreizehnjährigen Jungen aus der Demokratischen Republik Kongo teilen weltweit Tausende von Kindern.

Auf der ganzen Welt werden Zehntausende von Kindern in bewaffneten Konflikten eingesetzt, entweder als Angehörige regulärer Streitkräfte oder als Mitglieder von bewaffneten Gruppen. . Kindersoldaten werden/wurden neben der DR Kongo beispielsweise auch in (Süd-)Sudan, in der Zentralafrikanischen Republik, in Afghanistan oder in Syrien eingesetzt.

Seit Jahren werden Kindersoldaten in vielen bewaffneten Konflikten eingesetzt. Es gibt keine genauen Angaben darüber, wie viele es sind, ausserdem ändern sich die Zahlen immer wieder. Laut Schätzungen gibt es aber Zehntausende von KindersoldatInnen weltweit. Zehntausende von Jungen und Mädchen, die jünger als 18 Jahre sind, dienen in einer Armee oder einer bewaffneten Gruppe.

Manche Regierungen und bewaffnete Gruppen geben an, dass sie Kinder einsetzen, um einen Mangel an erwachsenen Soldaten auszugleichen. In Tat und Wahrheit werden Jungen und Mädchen als SoldatInnen missbraucht , denn sie sind billig, «entbehrlich», leichter zu Gehorsam zu erziehen und leichter zu manipulieren als Erwachsene.

Die meisten KindersoldatInnen sind zwischen 15 und 18 Jahre alt, einige werden aber schon als Sechsjährige rekrutiert. Dank der unkontrollierten Verbreitung von «kinderleichten» Kleinwaffen können schon die Jüngsten in Kriegen eingesetzt werden.

Viele von ihnen werden zum Kriegsdienst gezwungen. Andere schliessen sich bewaffneten Gruppen an, nachdem sie Zeugen oder Opfer staatlicher Übergriffe wurden. Manche befinden sich in einer so ausweglosen Situation, dass sie sich freiwillig für den bewaffneten Kampf melden.

Sie hoffen auch, mit dem Sold ihre Not leidenden Angehörigen ernähren zu können. Viele Mädchen schliessen sich den Truppen an, um einer Zwangsheirat oder dem Schicksal als Sklavin der eigenen Familie zu entkommen.

KindersoldatInnen opfern ihre Kindheit für das politische oder militärische Weiterkommen ihrer Anführer. Viele dieser Kinder und Jugendlichen müssen an vorderster Front kämpfen und töten. Andere werden als Minenlegerinnen, Spione, Botinnen, Träger, Köchinnen, Diener oder Sexsklavinnen missbraucht.

Körperliche Misshandlungen und Vergewaltigungen sind weit verbreitet. Die Kinder werden gezwungen, zu töten und schlimmste Menschenrechtsverletzungen zu begehen.

Die Zahl der Opfer ist unter KindersoldatInnen besonders hoch, weil sie unerfahren, unerschrocken und ungeübt sind. Oft werden sie für besonders gefährliche Einsätze herangezogen, wie z.B. das Auskundschaften der feindlichen Linien oder das Auslegen von Landminen. Und sie werden mit Alkohol und anderen Drogen vollgepumpt, um über die Angst vor dem Kampf hinwegzukommen.

Zahllose Kinder werden in bewaffneten Auseinandersetzungen verletzt, verstümmelt, zu Waisen gemacht oder gar getötet. Auch wenn Jugendliche körperlich unversehrt aus den Bürgerkriegen zurückkommen, ist ihre Kindheit zerstört. Die demobilisierten KindersoldatInnen sind meistens schwer traumatisiert und haben es schwer, ins zivile Leben zurückzukehren.

Sie sind besonders verletzlich, weil sie keine andere Lebensweise als die Kultur der Waffengewalt kennengelernt haben. Sie fühlen sich entfremdet von der Gesellschaft und sind für einen Neuanfang schlecht gerüstet. Die Gefahr eines Rückfalls ist gross.  Oft können sie nicht mehr in ihr Dorf zurück, weil sie von der Familie verstossen wurden.

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