Malische Soldaten in Gao, 21.02.13 © REUTERS/Joe Penney
Malische Soldaten in Gao, 21.02.13 © REUTERS/Joe Penney

Mali Kinder im Bürgerkrieg: zwangsrekrutiert, eingesperrt und gefoltert wie Erwachsene

14. Juni 2013
Die malische Armee behandelt und misshandelt Kinder in Kriegsgefangenschaft ohne jede Rücksicht auf ihr Alter: Zu diesem alarmierenden Befund kommt Amnesty International nach einer vierwöchigen Untersuchungsmission im Land.

Kinder – manche von ihnen noch keine 13 Jahre alt –, die im Bürgerkrieg von bewaffneten Gruppen als Kindersoldaten eingesetzt wurden oder im Verdacht stehen, mit diesen kooperiert zu haben, werden heute von den malischen Sicherheitskräften gemeinsam mit Erwachsenen gefangen gehalten. Einige berichten, dass sie in Gefangenschaft von den malischen Sicherheitskräften gefoltert worden seien.

Die Amnesty-Delegierten sprachen mit neun Kindern im Alter von 13 bis 17 Jahren. Sie sind zusammen mit Erwachsenen im Zentralgefängnis (Maison Centrale d’Arrêt) und im Camp I der Gendarmerie in Malis Hauptstadt Bamako eingesperrt, weil sie unter Verdacht stehen, mit bewaffneten Gruppen zusammengearbeitet zu haben.

Einige der Kinder berichten, dass sie von den malischen Sicherheitskräften gefoltert oder misshandelt worden seien: «Sie hängten mich fünfzehn Minuten lang an der Decke auf und drohten mir mit Elektroschocks. Sie drohten mir auch, mich umzubringen», erzählte ein Kind Amnesty International.

Ein fünfzehnjähriger Schäfer wurde in Intouké, einer Region in Nord-Kidal, von Soldaten aus dem Tschad verhaftet und den französischen Truppen übergeben. Er erzählte, dass er weder nach seinem Alter gefragt worden sei, noch mit jemandem in seiner Muttersprache (Tamasheg, eine Sprache der Tuareg) sprechen konnte, bevor er den malischen Sicherheitskräften in der Gendarmerie in Bamako ausgehändigt worden sei. Während des Fluges seien seine Augen verbunden und seine Hände und Füsse gefesselt gewesen.

«Gemäss Völkerrecht müssen Kinder in Gefangenschaft getrennt von Erwachsenen untergebracht werden. Auch die malischen Gesetze verbieten eine gemeinsame Unterbringung. Die malischen Behörden sollten UNICEF davon in Kenntnis setzen, wenn sie Kinder verhaften, die unter Verdacht stehen, mit bewaffneten Gruppen zusammenzuarbeiten. Dann können deren Familien verständigt und ihre Fälle von Kinderschutzexpertinnen und -experten behandelt werden», sagt Gaëtan Mootoo, Mali-Researcher bei Amnesty International.

Die inhaftierten Kinder sind der Zusammenarbeit mit Verbrechern, der Rebellion, der Gefährdung der inneren oder äusseren Sicherheit des Landes oder der Unterstützung von Terrorakten angeklagt.

Seit Beginn des Bürgerkriegs in Mali im Januar 2012 prangern Menschenrechtsorganisationen, darunter auch Amnesty International, die Rekrutierung und den Einsatz von Kindersoldatinnen und -soldaten durch bewaffnete Gruppen und den von malischen Behörden unterstützten  Selbstverteidigungs-Milizen an. Amnesty International hat die malischen Behörden wiederholt aufgefordert, gemeinsam mit der MINUSMA (United Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali) und anderen UN-Organen sicherzustellen, dass für die Kinder, die sich noch immer in ländlichen Gemeinden verstecken, weil sie Teil der bewaffneten Gruppen waren und nun Angst vor Verfolgung haben, zu sorgen. Ausserdem muss ein Programm entwickelt werden, um ehemalige Kindersoldaten in ihre Heimatdörfer zurückzubringen und zu reintegrieren.

Amnesty fordert zudem, dass alle Kinder, die entweder von bewaffneten Gruppen oder von  sogenannten Selbstverteidigungs-Milizen rekrutiert wurden, freigelassen werden.