Kindersoldatinnen - vergessene Schicksale

31. August 2006
Mädchen, die als Soldatinnen im Krieg dienen, sind besonders verletzlich. Oft werden sie sexuell missbraucht, zur «Heirat» oder zur Abtreibung gezwungen. Die Rückkehr in die Gesellschaft ist für sie extrem schwierig.

Kindersoldatin in Nepal © Philip Blenkinsop Kindersoldatin in Nepal © Philip Blenkinsop

Viele Kinder in Kriegseinsätzen sind Mädchen. Zwischen 1990 und 2003 dienten Mädchen in 55 Ländern in bewaffneten Einheiten von Regierungen, Milizen, Paramilitärs und/oder Oppositionsgruppen.

Oft treten die Mädchen freiwillig den bewaffneten Gruppen bei. Sie wollen so vor Misshandlung und sexuellem Missbrauch fliehen oder suchen eine Alternative zum Leben als Dienerinnen ihrer eigenen Familie. Manche hoffen auch, dass die bewaffneten Gruppen ein Ort sind, wo sie gleichwertig behandelt würden. Oft ist jedoch das Gegenteil der Fall.

Kämpferinnen, Köchinnen, Sexsklavinnen

Die Rollen der Mädchen in den Truppen sind sehr unteschiedlich. Einige Mädchen sind im Kampf an vorderster Front dabei. Andere müssen hinter der Linie als Sexsklavinnen, Köchinnen, Funkerinnen und Trägerinnen dienen.

Sexueller Missbrauch von Kindersoldatinnen ist weit verbeitet. Kolumbianische Kindersoldatinnen erhalten beispielsweise Verhütungsmittel, wenn sie zu den Truppen gelangen. So auch Janet, die mit zwölf Jahren zur Guerilla in Kolumbien ging. «Sobald wir zu den Truppen kommen, spritzen sie uns Verhütungsmittel. Wenn ein Mädchen schwanger wird, muss es abtreiben lassen. Der Kommandant entscheidet darüber, wer abtreiben und wer das Kind behalten darf.»

Zwangsheirat mit Soldaten

In der Demokratischen Republik Kongo (DRC) werden die Mädchen oft dazu gezwungen, einen der Soldaten zu «heiraten», wie die 16-jährige Jasmin, Mutter eines viermonatigen Kindes. Im Alter von zwölf Jahren wurde sie von einer Rebellengruppe in der DRC rekrutiert . «Mein Mann schlug mich nicht allzu oft. Er nahm zwar manchmal andere Mädchen mit nach Hause, doch zumindest zwang er mich nicht zum Sex mit anderen Soldaten. Als er im Kampf umkam, wusste ich, dass ich in Gefahr bin und fliehen muss. Ich war schwanger und musste mein Kind alleine im Wald gebären. Ich wollte in mein Dorf zurückkehren, doch das war sehr weit entfernt und ich hatte Angst, dass mich die Soldaten finden und wieder mitnehmen.»

Bei der Entwaffnung vergessen und ausgestossen

Kindermütter wie Janet gehören zu den verletzlichsten und besonders marginalisierten RückkehrerInnen. Wenn sie die kämpfenden Einheiten verlassen, haben sie nur begrenzten Zugang zu Entwaffnungs- und Reintegrationsprogrammen, weil sie bloss als Angehörige des Trosses und als  Soldatenfrauen, aber nicht als Kombattantinnen angesehen werden.

Nach jahrelangem Missbrauch leiden viele der Mädchen an schweren psyschischen und körperlichen Schäden. Oft werden sie von ihrer Familie und ihrem Dorf nicht mehr akzeptiert, weil sie uneheliche Kinder haben und sich die   DorfbewohnerInnen vor dem Verhalten der Mädchen und vor ihren früheren Taten fürchten. Der Einstieg ins zivile Leben ist für sie oft sehr sehr schwierig.