Edouard (12): Töten anstatt schreiben lernen

Stand: August 2006
Der mittlerweile zwölfjährige Edouard (Namen geändert) ist seit fünf Jahren Kindersoldat und gehört immer noch der bewaffneten Gruppierung «Rassemblement congolais pour le démocracie - Mouvement de Li

Der mittlerweile zwölfjährige Edouard (Namen geändert) ist seit fünf Jahren Kindersoldat und gehört immer noch der bewaffneten Gruppierung «Rassemblement congolais pour le démocracie - Mouvement de Libération» (RCD-ML) an. Mit sieben Jahren war er in Mambasa von Mayi-Mayi-Rebellen zwangsrekrutiert und nach Beni gebracht worden. Aus Angst, wie andere Zivilisten in Mambasa zusammengetrieben und getötet zu werden, rannte er davont.

Auf der Flucht fiel er einem Kommandanten der RCD-ML in die Hände, der ihn in das Militärausbildungslager Nyaleke in der Nähe von Beni brachte. Edouard hatte noch nicht einmal mit der Schule begonnen, da war er bereits Kindersoldat.

Kämpfe an vorderster Front

Bei seiner Ankunft im Militärlager rasierte man ihm mit einer Glasscherbe den Schädel. In der Militärausbildung brachte man ihm militärische Disziplin bei und wie man ein Gewehr auseinander nimmt. Die Ausbilder schossen in Gegenwart der Kinder mit scharfer Munition, um ihnen die Angst vor den Schüssen zu nehmen.

Edouard kämpfte und tötete an verschiedenen Orten an vorderster Front. In Bunia wurde er Zeuge, wie sein Kommandant enthauptet wurde. Edouard trug an diesem Tag ein Maschinengewehr, das er nur kniend bedienen konnte, weil es so schwer war.

Am liebsten möchte er zur Schule gehen

Im Dezember 2002 wurde Edouard bei Kämpfen gegen die bewaffnete Gruppe «Mouvement pour la libération du Congo» (MLC) am Arm verletzt. Bis heute hat er kein Gefühl im Ringfinger seiner linken Hand. Edouard erschoss den Soldaten, der ihm die Verletzung zugefügt hatte.

Das Leben bei der RCD-ML ist grausam und voller Entbehrungen. Manchmal wurde Edouard von den Kommandanten ausgepeitscht. «Alles ist Leiden», sagt Edouard, «du bekommst nicht genug zu essen, keine Seife, kein Geld und die Wunden werden nicht behandelt». Manchmal muss er um Nahrung betteln.