Samuel (16): «Wenn Dir ein Feind gegenübersteht, musst Du töten»

Stand: August 2006
Samuel (Name geändert) stammt aus Kisangani in der Demokratischen Republik Kongo (DRC). Mit elf Jahren schloss er sich einer bewaffneten Gruppierung an. Damals wurden die Menschen in Kisangani ständig

Samuel (Name geändert) stammt aus Kisangani in der Demokratischen Republik Kongo (DRC). Mit elf Jahren schloss er sich einer bewaffneten Gruppierung an. Damals wurden die Menschen in Kisangani ständig drangsaliert, und Samuel glaubte, in der Armee geschützt und besser aufgehoben zu sein. Er wurde zunächst nach Lubumbashi im Südosten der DRC geschickt. Dann schloss er sich den Soldaten der bewaffneten Gruppe «Rassemblement congolais pour la démocracie - Mouvement de Libération» (RCD-ML) an und kämpfte im Nordosten des Landes an der Front. Vor den Kämpfen rauchten die Soldaten oftmals Drogen.

Im Dezember 2002 erlitt er eine Knieverletzung und wurde von seiner Einheit zurückgelassen. Er gelang ihm jedoch aus eigener Kraft, sich in Sicherheit zu bringen.

Töten ohne zu zögern

Samuel erzählte den AI-VertreterInnen, dass er ohne Zögern tötet. «Wenn dir der Feind gegenübersteht, dann, glaub' ich, musst du töten». Wenn er einen Gegner getötet hat, stösst er einen Siegesschrei aus, durchsucht die Leiche und nimmt Geld und Waffen an sich. Nach seiner Verwundung wurde er aus der RCD-ML  entlassen und in ein Umerziehungslager geschickt. Doch nach einem feindlichen Angriff im März 2003 tauchte ein Kommandant der RCD-ML mit Uniformen und Waffen auf und nahm Samuel wieder mit.

Auf die Frage der AI-Vertreter, warum er kämpfe und gegen wen, antwortete Samuel: «Der Feind ist jeder, der dich angreift. Sie sagen dir, du sollst in ein Auto einsteigen, sie sagen dir aber nicht warum. Wenn du wieder aus dem Auto aussteigst, sagen sie dir, dass du jetzt dem Feind gegenüberstehen wirst.»