Thomas (11): «Ich habe viele meiner Freunde sterben sehen»

Thomas (Name geändert) stammt aus der Demokratischen Republik Kongo und ist elf Jahre alt. Mit neun Jahren trat er freiwillig in die «Union des Patriotes Congolais» (UPC) ein. Nachdem seine Eltern get

Thomas (Name geändert) stammt aus der Demokratischen Republik Kongo und ist elf Jahre alt. Mit neun Jahren trat er freiwillig in die «Union des Patriotes Congolais» (UPC) ein. Nachdem seine Eltern getötet worden waren, glaubte er, keine andere Wahl zu haben.

Sein Vater wurde abgeführt und mit einer Machete erschlagen. Seine Mutter verbrannte bei lebendigem Leib, als Lendu-Milizen alle Häuser des Dorfes in Brand steckten. Seine militärische Ausbildung erhielt Thomas in einem UPC-Lager in Mandro.

Kurz nach der Ausbildung war er auf dem Weg an die Front, als das Fahrzeug, in dem er unterwegs war, über eine Mine fuhr. Thomas trug schwere Verletzungen am linken Fuss davon und musste ein Jahr lang im Krankenhaus von Bunia behandelt werden.

Später kämpfte er bei Bunia, als die ugandischen Streitkräfte die UPC zum Rückzug aus der Stadt zwangen. Im Mai 2003 eroberte Thomas mit seiner Einheit Bunia zurück und wurde im Juni 2003 mit weiteren UPC-Mitgliedern von Angehörigen einer multinationalen Einsatztruppe festgenommen und in eine Demobilisierungseinrichtung gebracht.

Essen ohne Angst, getötet zu werden

Thomas ist froh, nicht mehr kämpfen zu müssen, weil ihm als Kindersoldat bewusst geworden ist, dass viele Menschen grundlos getötet wurden und den Kommandanten das völlig gleichgültig war. «Wenn du an der Front stirbst, schert sich niemand darum. Wenn du an der Front verwundet wirst, kümmert sich niemand um dich. Ich habe viele meiner Freunde sterben sehen».

Nun ist er froh, wieder in Ruhe essen zu können, ohne ständig Angst zu haben, getötet zu werden. Er würde sich jedoch wieder einer bewaffneten Gruppe anschliessen, wenn er allein wäre, weil er dann keine andere Wahl hätte.

Thomas versucht, nicht an seine Eltern zu denken, weil sie nie mehr zurückkommen werden. Er hofft auf ein Wiedersehen mit seinen Geschwistern. Er würde gerne eine Ausbildung zum Mechaniker machen und sich mit seinen noch lebenden Angehörigen ein neues Leben aufbauen.


Stand: August 2006