Internationaler Tag der Verschwundenen am 30. August

29. August 2012
Gleich drei Familienmitglieder des im Exil lebenden syrischen Aktivisten Haytham Al Hamwi sind spurlos verschwunden: sein Vater, sein Bruder und sein Schwiegervater. Schon immer war das «Verschwindenlassen» von Kritikern ein Markenzeichen des syrischen Regimes. Seit dem Beginn der Revolte Anfang 2011 ist die Zahl der Verschwundenen noch einmal sprunghaft gestiegen.

800_dd.jpg Haytham Al Hamwi © Amnesty International

Seit über einem Jahr fehlt von dem Imam Abd al-Akram al-Sakka jede Spur. Seine Familie weiss lediglich, dass der 67-jährige am 15. Juli des vergangen Jahres vom syrischen Geheimdienst aus seinem Haus nahe Damaskus verschleppt wurde. Sein Schwiegersohn Haytham Al Hamwi lebt inzwischen im Exil, nachdem er selbst jahrelang für Reformen gekämpft hat und deshalb mehrfach im Gefängnis sass.

«Die schlimmste Zeit im Gefängnis ist normalerweise die erste Woche. Denn dann werden die Inhaftierten gefoltert, wenn sie vernommen werden“, erzählte Haytam Al Hamwi Amnesty International, und er berichtet von den Sorgen und Ängsten, die Familien ausstehen, wenn ihre Angehörigen spurlos verschwinden: «Es bedeutet, dass Du nichts über diese Menschen weisst. Und wenn Du dann doch einmal etwas erfährst, sorgst Du Dich, ob die Informationen auch stimmen.»

Auch der Vater des syrischen Aktivisten und sein Bruder sind wiederholt verschleppt worden. Der Geheimdienst hatte die zwei Männer zunächst im September 2011 mitgenommen und erst Ende Februar 2012 wieder laufenlassen. Die Familie wusste monatelang nicht, ob die beiden überhaupt noch am Leben sind. Am 4. Mai diesen Jahres wurde der Vater Muhammad Yassin Al Hamwi erneut festgenommen, dabei hatte er seit seiner Freilassung weder an einer Demonstration gegen das syrische Regime teilgenommen noch öffentlich Kritik geübt.

Internationaler Tag der Verschwundenen am 30. August

Die Vereinten Nationen haben den 30. August zum «Internationalen Tag der Verschwundenen» erklärt. Als «Verschwindenlassen» wird eine Form von staatlicher Gewalt bezeichnet, bei der eine Person häufig –  durch Geheimdienste – festgenommen und in Haft gehalten wird, ohne dass diese Festnahme offiziell zugegeben und der Aufenthaltsort der Person bekanntgegeben wird. Angehörige erhalten keinerlei Informationen über die Verschwundenen und werden über deren Schicksal im Ungewissen gelassen. «Verschwindenlassen» ist meistens mit Folter verbunden, da die in die Verschleppung verwickelten Personen und Organe keinem Gericht und keiner Behörde Rechenschaft ablegen müssen.

Obwohl die «Uno-Konvention zum Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen» seit Dezember 2010 in Kraft ist, wird diese Art von Menschenrechtsverletzung auch noch heute weltweit praktiziert.

Seit 1980 sind mehr als 50 000 Fälle bekannt, in denen Personen «verschwunden» sind. Diese Zahlen reflektieren wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs, die Dunkelziffer dürfte weitaus höher sein. Die Schweiz hat die Konvention im Januar 2011 unterzeichnet, die Ratifizierung steht jedoch noch aus.