30. August, Internationaler Tag der Verschwundenen Syrien: Systematische Praxis des Verschwindenlassens

29. August 2014
Im Schatten der schockierenden Menschenrechtsverletzungen des «Islamischen Staates» (IS) setzt sich eine andere Menschenrechtstragödie in Syrien fort: Trotz Appellen der Uno lässt das syrische Regime Opponenten und Kritiker weiterhin systematisch verschwinden. Aus Anlass des Internationalen Tages der Verschwundenen am 30. August dokumentiert Amnesty International erneut diese menschenverachtende Praxis.

Geheimgefängnisse und das Verschwindenlassen von Menschen werden vom syrischen Regime weiterhin systematisch eingesetzt, um kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen.

Uno-Resolution

Im Februar hatte der Uno-Sicherheitsrat in einer Resolution sowohl von der Regierung als auch von bewaffneten Gruppierungen das Ende der Verschleppungen und anderer Menschenrechtsverletzungen sowie die Aufhebung von Blockaden und den Zugang für humanitäre Hilfe verlangt, Trotzdem sind auch in den letzten Monaten zahlreiche Menschenrechtsaktivisten, Journalisten, Ärztinnen, Anwälte und andere Personen, die vom Regime als Oppositionelle eingestuft werden, auf offener Strasse oder aus ihren Wohnungen verschleppt worden, um in eigentlichen schwarzen Löchern und ohne jedes Lebenszeichen zu verschwinden.

Die Verschwundenen werden ohne Kontakt zur Aussenwelt und ohne Information an ihre Angehörigen in geheimen Gefängnissen im ganzen Land festgehalten. Eine unbekannte Anzahl von Menschen ist während der Geheimhaft getötet worden.

Die Weltgemeinschaft schaut zu

Im Februar dieses Jahres haben die Mitglieder des Uno-Sicherheitsrates «weitere Schritte» angekündigt für den Fall, dass die syrische Regierung der Resolution wider die Praxis des Verschwindenlassens und anderer Menschenrechtsverletzungen keine Folge leisten würde. Sechs Monate später verfolgt die syrische Regierung weiterhin die Politik, kritische Stimmen mit allen Mitteln zum Schweigen zu bringen.

«Die Ankündigungen im Resolutionstext des Uno-Sicherheitsrats sind offensichtlich leere Worte geblieben. Damit gibt die internationale Gemeinschaft dem syrischen Regime faktisch freie Hand, die systematische Praxis des Verschwindenlassens fortzusetzen, ohne befürchten zu müssen, dafür - beispielsweise vor dem Internationalen Strafgerichtshof - zur Rechenschaft gezogen zu werden», sagt Reto Rufer, Nahostbeauftragter der Schweizer Sektion von Amnesty International.

Aus Anlass des Internationalen Tages der Verschwundenen setzt die Menschenrechtsorganisation ihre Kampagne für die Verschwundenen in Syrien fort und fordert ihre Freilassung, die Bestrafung der Verantwortlichen und ein Ende der systematischen Verübung schwerster Menschenrechtsverletzungen.

Dokumentation im Video oben und in der Story Map (englisch).