Öllecks Shell steht nicht zu den schlechten Wartungsarbeiten an ihren Pipelines

16. August 2012
Am 21. Juni 2012 tritt erneut Öl aus einem Leck in einer Pipeline im Nigerdelta. Die Untersuchungen, welche von Shell daraufhin angestellt werden, sind ein Fiasko. Dies geht aus einem Bericht von Amnesty International hervor. Shell versteckt sich hinter Sabotageanschuldigungen, während Experten bestätigen, dass das Leck in der Pipeline auf mangelnde Wartungen zurückzuführen ist.

Um den 21. Juni 2012 wurde ein Ölaustritt im Bodo-Gebiet im Nigerdelta in Nigeria entdeckt. Am  30. Juni wurde das Leck geschlossen. Doch bereits 2008 kam es in Bodo zu zwei grossen Ölaustritten. Zuständig für den Unterhalt dieser Pipelines ist Shell, doch die Firma ignoriert die Korrosion der Leitungen. Die lokale Bevölkerung ist besorgt über die mangelnde Transparenz in Zusammenhang mit dem Untersuchungsprozess.

In der Tat hat Shell die Untersuchungen über die Ölaustritte nicht vollständig ausgeführt. Die Firma erklärt der Bevölkerung, dass wohl ein Sabotageakt Grund für das Leck sei. Experten haben allerdings die Beweisstücke überprüft und kamen zum Schluss, dass das Öl aus Pipelines stammte, die von Shell nur mangelhaft in Stand gehalten wurden. Die Experten bestätigten, dass die Beweisstücke deutlich darauf hinwiesen, dass die Korrosion der Pipeline zum Ölaustritt geführt hatte.

Amnesty International und die NGO CEHRD (Centre for Environment, Human Rights and Development) beauftragten die amerikanische Firma Accufactsdie Fotos der undichten Stelle zu untersuchen. , Accufacts hat jahrelange Erfahrung in der Inspektion von Öl-Anlagen. Sie kam zu folgendem Schluss: „Ursache ist offensichtlich eine externe Korrosion. Man sieht, dass sich an der Aussenseite des Rohres einzelne Schichten des Metalls abgelöst haben, was durch externe Korrosion verursacht wird. Ein häufig auftretendes Phänomen, das wir schon oft bei anderen Pipelines gesehen haben.“

Die Rohre von Shell sind alt und viele davon nicht ausreichend gewartet oder ersetzt worden. BewohnerInnen und NGOs aus der Region haben darauf hingewiesen, dass die Leitungen in der Region von Bodo seit ihrem Bau 1958 nicht erneuert worden sind. Auf eine Anfrage von Amnesty International nach Alter und Zustand der Pipelines hat Shell nicht reagiert.

Nichts hat sich verändert

Vor einem Jahr veröffentlichte das United Nations Environment Programme (UNEP) einen ausführlichen Bericht über die Auswirkungen der Ölverschmutzungen im Ogoniland im Niger-delta. Seitdem hat sich nichts verändert, wie der jüngste Ölaustritt in Bodo zeigt. UNEP bestätigt in seinem Bericht, dass die nigerianischen Aufsichtsämter „eine Erlaubnis der Ölfirmen benötigen, wenn sie deren Anlagen inspizieren wollen“. UNEP ist ausserdem zum Schluss gekommen, dass Shell seine eigenen Anforderungen bei der Wartung der Infrastrukturen nicht erfüllt hat.

„Nachdem die Untersuchungen der Ölaustritte jahrelang unsachgemäss durchgeführt worden sind, hat die Bevölkerung kein Vertrauen mehr in diese Verfahren und deren Resultate“, betont Stevyn Obodoekwe, Programmdirektor von CEHRD. «Shell hat sich nie mit den Hinweisen auf Fehler in den Untersuchungsverfahren befasst. Das zeigt die Situation in Bodo einmal mehr. Ölkatastrophen werden Sabotageakten zugeschrieben, auch wenn in Wirklichkeit Korrosion die Ursache ist; und Shell weiss, dass dies auch schon in der Vergangenheit der Fall gewesen ist.»