Nigeria Im Gespräch mit Shell im Nigerdelta

20. November 2012
Seit Jahrzehnten ist die Ölförderung im Nigerdelta in Nigeria der Grund für eine weitverbreiteten Verschmutzung von Gewässern, Böden und Luft. Diese Verschmutzung hat gravierende Auswirkungen auf das Leben und die Gesundheit der Bevölkerung, besonders betroffen sind  Fischer und Bauern. Audrey Gaughran, Direktorin des Afrika-Programm von Amnesty International, berichtet über ihr Gespräch mit Shell.

Seit vielen Jahren arbeite ich zur Kampagne von Amnesty International, welche von Shell und der nigerianischen Regierung verlangt, sich mit den Konsequenzen der Ölverschmutzung und der dadurch verursachten Menschenrechtsverletzungen im Nigerdelta auseinander zu setzen und die Schäden zu beseitigen.

Beim Austausch mit Shell ging es hauptsächlich um die zwei grosse Öl Lecks  im Jahre 2008 nahe dem kleinen Dorf Bodo. Im Verlauf der Diskussion hat Shell einmal mehr ganz neue Argumente zur Katastrophe von Bodo vorgebracht. Wie der Grossteil früherer Erklärungen zum Thema, halten auch die neuen Argumente einer vertieften Analyse nicht Stand.

Daten stimmen nicht überein

Die zwei Ölaustritte in Bodo stammen aus Pipelines von Shell. In beiden Fällen floss während 10 Wochen Öl aus bevor Shell vor Ort war und etwas dagegen unternahm Später hat Shell erklärt, dass nur während drei respektive sieben Tagen Öl ausgetreten sei; eine Behauptung die allen verfügbaren Informationen widerspricht.

Die von Shell erstellten Berichte über die Öl Lecks in Bodo behaupten, dass das erste Leck am 5. Oktober 2008 entstand. Die AnwohnerInnen sowie die zuständigen Regulierungsbehörden der Regierung bezeugen jedoch, dass bereits seit dem 28. August 2008 Öl austrat. Als die Untersuchungen am 7. November begannen, floss immer noch Öl aus der Pipeline, wie ein Video beweist.

Das zweite Leck entstand am 7. Dezember 2008. Erneut dauerte es mehr als 2 Monate, bis zum 19. Februar bevor das Öl gestoppt wurde.

Das Video vom 7. November, als Shell Mitarbeiter an der Unglückstelle auftauchten und das Öl immer noch floss, wiederlegt auch ganz klar die Behauptung von Shell, sie hätten die Pipeline sofort, nachdem sie von Unfall erfahren hätten, gesperrt.

Shell verneint den Ernst der Katastrophe und behauptet, das Gebiet gereinigt zu haben

Eine unabhängige Untersuchung über die Menge des in Bodo ausgetretenen Öls, die Amnesty vorliegt, zeigt, dass sehr viel mehr Öl ausgelaufen ist, als Shell behauptet. Das Ölunternehmen hat zudem vorgegeben, die Orte gereinigt zu haben. Diese Aussagen wiedersprechen klar den Zeugenaussagen der Leute vor Ort, die auch durch Videos belegt sind Shell behauptet, die aktuelle Verschmutzung stamme von späteren Ölaustritten verursacht durch Sabotage. Amnesty International hat dafür Beweise verlangt, die diese Behauptung stützen könnten, hat jedoch keine Antwort erhalten.

Die BewohnerInnen von Bodo leiden nach wie vor unter dieser Katastrophe. Ihr Recht auf Nahrung und Gesundheit wurden verletzt und ihre Existenzgrundlage ist nach wie vor gefährdet. Bisher erhielten sie auch keine Entschädigung, weshalb nun eine Klage zur Wiedergutmachung in England eingereicht wurde. Amnesty International arbeitet mit Betroffenen, wie der Bevölkerung von  Bodo zusammen, um das Kräfteungleichgewicht zwischen sehr mächtigen Unternehmen und den Opfern ihrer Tätigkeiten auszugleichen.