Verkauf von Boxen für das Heraussieben von Diamanten in Berberati, Zentralafrikanische Republik. © Amnesty International
Verkauf von Boxen für das Heraussieben von Diamanten in Berberati, Zentralafrikanische Republik. © Amnesty International

Blutdiamanten Der Kimberley-Prozess darf nicht dazu missbraucht werden, Konfliktdiamanten reinzuwaschen

Medienmitteilung 16. November 2015, London/Bern – Medienkontakt
Am 16. November 2015 beginnt in Luanda (Angola) die jährliche Plenarversammlung der Mitglieder des «Kimberley-Prozesses». Amnesty International warnt vor Missbräuchen im internationalen Diamantenhandel: Der Kimberley-Prozess darf nicht dazu benutzt werden, Konfliktdiamanten (Blutdiamanten) reinzuwaschen.

Mit Blick auf die jährliche Plenarversammlung der Mitglieder des «Kimberley-Prozesses», die am 16. November in Luanda (Angola) beginnt, warnt Amnesty International eindringlich vor Missbräuchen im internationalen Diamantenhandel. Es ist inakzeptabel, dass der Kimberley-Prozess von Firmen dazu benutzt wird, ihre Diamanten reinzuwaschen.

Der Kimberley-Prozess wurde 2003 mit der guten Absicht initiiert, den Handel mit sogenannten Blut-Diamanten zu stoppen. Ein aktueller Bericht von Amnesty International vom September 2015 dokumentiert allerdings die systemischen Schwächen dieses Prozesses, etwa am Beispiel der Zentralafrikanischen Republik: Vom dortigen landesinternen Diamantenhandel profitieren bewaffnete Gruppen, welche für Massenhinrichtungen, Vergewaltigungen, das Verschwindenlassen von Personen und für Plünderungen verantwortlich sind. Grosse Handelsfirmen bringen diese Diamanten anschliessend auf den Weltmarkt, ohne sich um die Hintergründe zu kümmern. 

«Der Kimberley-Prozess wurde ins Leben gerufen, um den internationalen Handel mit Blutdiamanten zu stoppen, aber er hat nicht einmal dieses begrenzte Ziel erreicht», sagt Danièle Gosteli, Expertin für Wirtschaft und Menschenrechte bei Amnesty International Schweiz. «Die ethischen Probleme mit dem Diamantensektor haben vielmehr zugenommen. So dokumentierten unsere Forscherinnen unter anderem Kinderarbeit, Schmuggel, Arbeitsausbeutung und Steuerflucht. Doch enttäuschenderweise hat die Diamantenindustrie auf unseren Bericht sehr defensiv reagiert und ist auf unsere Empfehlungen nicht eingegangen.»

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), die zu den weltweit grössten Umschlagplätzen des Diamantenhandels gehören, werden am 1. Januar 2016 voraussichtlich die rotierende Präsidentschaft des Kimberley-Prozesses übernehmen. Der Bericht von Amnesty dokumentiert indes Schlupflöcher im System der VAE zur Verhinderung des Blutdiamantenhandels. Die steuerfreie Zone von Dubai ermöglicht es zudem Diamantenhändlern, auf Kosten von Entwicklungsländern massive Profite zu erzielen.

«Regierungen wie diejenigen der VAE sollten eine Führungsrolle einnehmen. Das geht aber nur mit neuen Gesetzen, welche gewährleisten, dass Unternehmen für illegale Handlungen und für schwere Menschenrechtsverletzungen in ihren Diamantenhandelsketten verantwortlich gemacht werden können», so Gosteli.

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