Internationale Ratstagung Die Amnesty-Zukunft mitbestimmen

Alle zwei Jahre findet die Ratstagung von Amnesty International statt: VertreterInnen aller Ländersektionen stellen in diesem Gremium demokratisch die Weichen für die Zukunft der Organisation. Dieses Jahr findet das Treffen in Berlin statt. In der Schweizer Delegation ist auch die junge Baslerin Victoria Gronwald dabei. Sie berichtet über die erste Sitzung mit anderen Jugenddelegierten.

Victoria Gronwald Victoria Gronwald. © AI

Was bedeutet es, an der Internationalen Ratstagung von Amnesty International (International Council Meeting, ICM) 20‘000 junge Menschen zu vertreten? Diese Frage kam am gestrigen Jugendtag auf, nachdem wir feststellten, dass jedeR von uns 25 Jugenddelegierten rund 20‘000 Amnesty-Jugendmitglieder vertritt. Das scheint viel! Doch wie aus dem «State of the Movement Report» hervorgeht, ist die Zahl der Jugendmitglieder bei Amnesty in letzter Zeit eher gesunken. Abgenommen hat gegenüber dem letzten Meeting vor zwei Jahren auch die Zahl der JugendvertreterInnen in den Delegationen der Amnesty-Sektionen am ICM. Was sind die Gründe dafür? Sind sie externer Natur oder hat unsere Bewegung Gelegenheiten verpasst, junge Leute zu erreichen?

Das war nur eines von vielen Themen, die wir am Jugendtag diskutiert haben. Nebst sehr interessanten Begegnungen mit dem internationalen Vorstandsmitglied Zuska Kulinska und mit dem Generalsekretär Salil Shetty haben wir diskutiert, wo und wie wir Jugendlichen an dieser Ratstagung Einfluss nehmen können. Zu Recht wies uns Sarah, die Jugendbeauftragte des Internationalen Sekretariats, darauf hin, dass wir uns immer bewusst sein sollten, aus welcher Perspektive wir etwas sagen: als Delegationsmitglied einer Sektion, als Jugenddelegierte, als Aktivistin oder als Individuum? Und das sind gewiss nur einige der Rollen, die wir hier innehaben.

Das Wichtigste scheint mir schliesslich, dass wir Jugenddelegierten hier nicht «nur» als Jugendliche wahrgenommen werden, sondern dass wir ernst genommen werden und auf gleicher Augenhöhe mit allen anderen an den Diskussionen teilnehmen können. So wird es uns hoffentlich gelingen, die Frage aufs Tapet zu bringen, wie Amnesty wieder mehr Jugendliche erreichen kann. Gelingt uns dies nicht, verlieren wir ein enormes Potential an kreativen, begeisterten und langfristig beteiligten Aktivistinnen und Aktivisten, die dazu  beitragen können, die Welt zu verändern. Und das ist schliesslich - jenseits wichtiger Diskussionen über Finanzen, Management und Organisationsfragen – das, worum es bei Amnesty International geht!

Von Victoria Gronwald, Jugenddelegierte der Schweizer Delegation an der Internationalen Ratstagung in Berlin

19. August 2013