Die Generalversammlung von Amnesty Schweiz startete mit einer Aktion in Luzern, an welcher die Konzernverantwortungsinitiative im Mittelpunkt stand. © Jean-Marie Banderet − Amnesty International
Die Generalversammlung von Amnesty Schweiz startete mit einer Aktion in Luzern, an welcher die Konzernverantwortungsinitiative im Mittelpunkt stand. © Jean-Marie Banderet − Amnesty International

Generalversammlung von Amnesty International Schweiz Konzernverantwortung: Syngenta und Glencore nehmen Stellung

Anlässlich der Generalversammlung von Amnesty International Schweiz nahmen am 25. April Syngenta und Glencore an einer Podiumsdiskussion Stellung zu den Forderungen der Konzernverantwortungsinitiative. Ein nationaler Alleingang der Schweiz zur Regulierung von Unternehmenstätigkeiten im Ausland bringe nichts, betonten eine Vertreterin und ein Vertreter der beiden Konzerne. Ihre Unternehmen seien freiwillig die nötigen Verpflichtungen eingegangen.

Einleitend zur Podiumsdiskussion «Konzernverantwortung: eine Vorreiterinnenrolle für die Schweiz?» berichtete die kolumbianische Menschenrechtsaktivistin Diana Fonseca, Leiterin der Dorfgemeinschaft El Hatillo in Kolumbien, über die Folgen der Tätigkeiten des Schweizer Rohstoffkonzerns Glencore in ihrem Dorf. «Der Fluss hat kein Wasser mehr und es gibt keine Fische mehr, die Jungen arbeiten in der Mine und geben die Landwirtschaft auf. Die vom Unternehmen geplanten Umsiedlungen geschehen unter problematischen Verhältnissen, die Armee übt Druck auf die Leiterinnen und Leiter der Dorfgemeinschaften aus.»

Eine Vertreterin von Syngenta und ein Vertreter von Glencore nahmen zu diesen Aussagen und zur Konzernverantwortungsinitiative Stellung. Letztere will im Gesetz verankern, dass Schweizer Unternehmen den Schutz der Menschenrechte und der Umwelt verbindlich in ihre Geschäftspraktiken integrieren müssen.

Michael Fahrbach, Leiter Nachhaltigkeit von Glencore, erklärte: «Auch wir wollen die Probleme konstruktiv lösen, aber wir können nicht für alles verantwortlich gemacht werden, was in einem Land wie Kolumbien passiert.» Zur Konzernverantwortungsinitiative sagte er: «Wir haben einen Code of Conduct, und der ist ernst gemeint, zudem gibt es internationale Standards. Ein nationaler Alleingang ist überfüssig, wir müssen mit den Ländern, in denen wir tätig sind, partnerschaftlich zusammenarbeiten.»

Regina Ammann, Head of Public Policy bei Syngenta, pflichtete dem bei und betonte ihrerseits: «Wir halten uns an die Uno-Leitprinzipien für Unternehmen und Menschenrechte und setzen sie um. Wenn etwas nicht läuft, wie es soll, gehen wir der Sache nach und leiten eine Untersuchung ein. Eine gesetzliche Regelung braucht es nicht, die Verantwortung muss von den Unternehmen selbst kommen. Man kann nicht aus der Schweiz heraus eine Regulierung für die ganze Wertschöpfungskette schaffen.»

Dominique Biedermann, Direktor der Anlagestiftung Ethos, hielt demgegenüber fest: «Unternehmen, welche die Risiken ihrer Tätigkeiten bezüglich Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden bereits heute sorgfältig abwägen, werden mit der Initiative kein Problem haben. Aber all jene, die dies nicht tun, brauchen einen gesetzlichen Anstoss.»

Danièle Gosteli-Hauser, Verantwortliche für das Thema Wirtschaft und Menschenrechte bei der Schweizer Sektion von Amnesty International, erinnerte daran, dass «die meisten Unternehmen die Risiken nicht hinreichend evaluieren, insbesondere vor dem Hintergrund viel zu lascher lokaler Gesetze.»

Medienmitteilung veröffentlicht: Bern, 25. April 2015
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