Editorial Die Menschenrechtserklärung: ein Leitfaden zum Handeln

2008 haben wir das 60-Jahr-Jubiläum der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gefeiert. Noch immer ist dieses bemerkenswerte Dokument von erstaunlicher Aktualität. Es ist alles drin: die bürgerlich


2008 haben wir das 60-Jahr-Jubiläum der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gefeiert. Noch immer ist dieses bemerkenswerte Dokument von erstaunlicher Aktualität. Es ist alles drin: die bürgerlichen und die politischen Rechte, die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte; die Universalität und die Unteilbarkeit.

Die Nichtregierungsorganisationen haben lange Zeit Grundrechten wie dem Recht auf Nahrung, dem Recht auf angemessene Unterkunft oder dem Recht auf Gesundheit zu wenig Beachtung geschenkt, weil es während des Kalten Krieges wichtiger schien, sich gegen Folter, Todesstrafe und die Einschränkung der Meinungsäusserungsfreiheit zu wehren. Heute steht für Amnesty International die Unteilbarkeit der Menschenrechte im Vordergrund, und wir setzen dafür unsere Kompetenz und unsere Handlungskapazität ein. Zwei unserer Kampagnen von 2008 zeigen deutlich, das Menschenrechtsverletzungen nicht nur einzelne Rechte betreffen: Wir können nicht nur gegen die Zensur in China während der Olympischen Spiele protestieren, wir müssen auch die Ausbeutung der Wanderarbeiter und Wanderarbeiterinnen kritisieren. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Opfer von Frauenhandel in der Schweiz häufig arm sind und dass es nicht reicht, sie aus der erzwungenen Prostitution herauszuholen. Wir müssen ihnen auch eine Perspektive für die Zukunft geben.

Das Engagement für die Achtung aller Menschenrechte muss in enger Verbindung mit den direkt Betroffenen und mit Menschenrechtsverteidigerinnen und Menschenrechtsverteidigern stehen. Sie haben die Menschenrechte zu dem gemacht, was sie heute sind: wirklich universelle und unteilbare Werte. Es sind diese Werte, die unsere Mitglieder sowie unsere Spender und Spenderinnen mit ihrem Engagement und ihrer grossen Unterstützung 2008 verteidigt haben. Dafür danken wir ihnen herzlich. Dank der markanten Steigerung im Jahr 2008 sowohl bei der Mitgliederzahl als auch bei den Spenden können wir unser Engagement für die Menschenrechte noch effizienter gestalten.

Daniel Bolomey, Generalsekretär Amnesty International, Schweizer Sektion