AI-Aktiv «Vernunft und Wirtschaft nutzen»

Um Amnesty International möglichst vielenMenschen in Erinnerung zu rufen, nutzt die Zürcher Regionalgruppe die Medien. Jörg Schilter hat tatkräftig mitorganisiert.

Am diesjährigen 10. Dezember möchte die Regionalgruppe Zürich Amnesty International (AI) gross rausbringen. Auf den Grossbildschirmen der Bahnhöfe Basel, Bern, Zürich, Genf und Lausanne und in den Zürcher Kinos wird ein AI-Clip zu sehen sein. Aber auch in den Zeitungen soll AI auftreten, und die traditionelle Flyeraktion wird wieder durchgeführt. Um Mut zu machen, sollen nur «Good News» vorgestellt werden: die Erfolge, die AI feiern darf. Der Clip muss noch produziert werden: «Nun ist das Sekretariat dran», erzählt Jörg Schilter im Café Schurter am Zürcher Central.

Im Durchgangszentrum

Seit einigen Jahren arbeitet der studierte ETH-Architekt im Asyldurchgangszentrum Bombach. Nach einer längeren Weltreise entschied er sich, nicht mehr im Architekturbüro zu arbeiten, obwohl ihm die Arbeit gefallen hat. Der Zufall spielte mit. Er hatte sich 1998 in einem Initiativkomitee gegen die Verschärfung des Asylrechts engagiert, absolvierte dann ein Praktikum im Durchgangszentrum. Inzwischen hat er das Studium der Sozialpädagogik abgeschlossen.
Der neue Beruf passt sehr gut zur Arbeit für AI. «Die beste Asylpolitik ist Menschenrechtspolitik», meint er. Die Menschenrechtler sollten aber auch wirtschaftlich argumentieren, um nicht nur als «linke Idealisten» zu gelten. «Die Themen ‹Vernunft› und ‹Wirtschaft› könnten wir nutzen.» Statt in «Waffenlieferungen und pompöse Staudammprojekte» solle in mehr Stabilität investiert werden, was auch der Wirtschaft zu- gute käme.

Organisator

Der Mann mit sanfter Stimme ist ein Organisator. Er arbeitet «lösungsorientiert». Im Durchgangszentrum ist er für den Hausbereich zuständig, organisiert die Putztruppe und den Küchendienst und sorgt für sinnvolle Beschäftigung der Asylsuchenden. Diese kommen aus so unterschiedlichen Weltteilen wie Westafrika, Tschetschenien, Ex-Jugoslawien, Afghanistan, Iran, Irak und Mongolei. Sie haben manchmal mit Schlepperbanden in die Schweiz reisen müssen, oft wisse man es aber nicht genau. Die Gesetze, die dieses Jahr zum Asylrecht verabschiedet wurden, träfen in seinen Augen vor allem die politisch Verfolgten und die Wirtschaftsflüchtlinge.

Bei AI hat er bei der Zusammenlegung der drei Stadt-Zürcher Gruppen mitgewirkt, die nun als eine Gruppe agieren. Jedes Neumitglied soll sich schneller einleben und aktiv werden können, indem es sich gleich für eine Untergruppe entscheidet. Das kann die Aktionsgruppe oder eine Gruppe für spezifische Länderarbeit sein. Die Untergruppen funktionieren ohne Leitung.

Bald Vater

Für die Kampagne zum diesjährigen Tag der Menschenrechte ging es vor allem um vorbereitende Medienarbeit. Die Gruppe konnte glücklicherweise sehr günstige Bedingungen aushandeln. In den Zürcher Kinos wird der Film sogar gratis gezeigt.
Jörg Schilter wird den 10. Dezember aber auch aus einem anderen Grund mit Spannung erwarten: Er und seine Partnerin Myriam erwarten um den 10. Dezember ihr erstes Kind. Eine schöner Zufall.    

Von Milena Seiler


Erschienen in «AMNESTIE !» vom November 2004
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion