AI aktiv Menschenrechte im Zentrum

Monica Capelli ist schon seit 17 Jahren bei der Churer Lokalgruppe aktiv, und das mit Überzeugung. Denn: «Amnesty International hat überall einen guten Ruf», sagt sie.

«Manchmal werde ich gefragt, ob ich aus Poschiavo komme», erzählt Monica Capelli lachend, denn sie redet gerne, rasch und im Bündner Dialekt. Man muss sich konzentrieren, um ihren Worten folgen zu können. Doch nicht sie ist die Südländerin in der Familie, sondern ihr Mann Luciano. Zusammen mit ihren zwei Kindern wohnen sie in der ehemaligen Eisenbahnersiedlung von Chur, die früher politisch unkorrekt «Negerdörfli» genannt wurde. Die Sonne scheint warm in das 90-jährige Haus mit dem kleinen Garten. Töchterchen Elena spielt heute ganz brav alleine, damit die Mutter über sich und ihren Einsatz für Amnesty International (AI) berichten kann.

30 Jahre AI-Gruppe Chur

Vergangenes Jahr feierte die Churer Gruppe ihr 30-jähriges Bestehen mit einem grossen Fest. Als Monica Capelli dort Aktivmitglied wurde, war sie knappe 20 Jahre alt und damit die Jüngste, eine Jugendgruppe gab es noch nicht. Schon als 14-jähriges Mädchen hatte sie fasziniert ein Buch über AI und die Menschenrechte gelesen, das sie danach nicht mehr losgelassen habe. Als sie ihre Ausbildung zur Touristikfachfrau in Chur begann, habe sie dann die Gelegenheit ergriffen und bei der AI-Gruppe vorbeigeschaut. Diese bestand damals aus über 20 Mitgliedern und hatte eine Zweizimmerwohnung als Klublokal gemietet. Zwischenzeitlich habe es einmal eine Flaute mit nur zwei Mitgliedern gegeben, jetzt seien es ungefähr zehn – «gerade richtig, um gut zu arbeiten», sagt Monica.

AI im Telefonbuch

Die Churer Gruppe sorgt mit ihren Aktionen immer wieder für Aufsehen in der Stadt und hat gute Kontakte zu den Medien. Monica Capelli fungiert seit einigen Jahren als Leiterin, aber nur auf dem Papier, wie sie betont. Jemand müsse halt die Ansprechperson sein. Ihre Adresse ist sogar im Telefonbuch unter Amnesty International verzeichnet. Kritik an der Organisation hat sie keine: «Amnesty International hat überall einen guten Ruf.»

Auch in ihrem Beruf stehen die Menschenrechte im Zentrum. Nach kurzer Anstellung bei einer Bergbahn hat sie der Tourismusbranche den Rücken gekehrt und sich dem sozialen Bereich zugewandt. In Co-Leitung führt sie die Rechtsberatungsstelle von Caritas und Heks für Asylsuchende in Graubünden. Jährlich werden dort 500 bis 600 Asylsuchende über ihre Chancen in der Schweiz beraten. Nur etwa sechs bis zehn Prozent dieser Menschen würden aber einen positiven Bescheid erhalten. «Die Schweiz wird so eng», stellt sie besorgt fest. In besonders krasser Weise zeige sich dies in der neuen Massnahme des Bundes, die Fürsorge für Asylsuchende mit Nichteintretensentscheiden einzustellen.

Nebenbei absolviert die engagierte Frau eine Weiterbildung in Projektmanagement für Non-Profit-Organisationen, wofür sie einmal pro Woche nach Zürich reist. Begeistert lernt sie zudem seit einem Jahr Arabisch. «Mit Leuten aus dem arabischen Raum komme ich besonders gut zurecht.» Ausserdem liege ihr als Linkshänderin die arabische Schrift. Sie lerne auch, um einmal die arabischen Länder zu bereisen.

Durchorganisiert

Wenn die Kinder gross sind. Im Moment müsse der Tag noch «durchorganisiert» werden, aber Monica Capelli stört das wenig. Sie freut sich, Interessen, Beruf und Familie so gut in Einklang bringen zu können. Das Lesen ist eine andere Leidenschaft von ihr, Krimis von Camilleri, selbstverständlich auch Bücher zu Menschenrechten. Denn: «Ich könnte es nicht aushalten, nichts zu tun.»

Erschienen im Magazin AMNESTIE! vom Februar 2005
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion¨