AI Aktiv Am liebsten hinter den Kulissen

Obwohl erst seit zwei Jahren Mitglied von Amnesty International, hat Franziska Rüegger bereits mehr von der Organisation gesehen als die meisten anderen. Ein Problem sieht sie in der fehlenden Jugendkoordination – und sie möchte eine AI-Theatergruppe gründen.

Sie hat für Amnesty International (AI) ein Theater geschrieben und bei der Umsetzung Regie geführt, ist seit zwei Jahren Jugendgruppenleiterin, absolviert zurzeit ihr zweites Praktikum im AI-Sekretariat und ist diesen Sommer als Jugendvertreterin ans Internationale Ratstreffen (ICM) nach Mexiko gereist. Obwohl die 19-jährige Franziska Rüegger erst seit zwei Jahren bei AI ist, hat sie wohl mehr Facetten der Organisation gesehen als die meisten langjährigen Aktivmitglieder oder Sekretariatsmitarbeitenden.

Zufall und Glück

«Vieles war Zufall und Glück», sagt Franziska, während sie etwas schüchtern an ihrem Tee nippt. Bei AI sei sie «gelandet», weil Eric Steffen, der im AI-Sekretariat für die Gruppenbetreuung zuständig ist, das Telefon abnahm, als sie eine Praktikumsstelle – eigentlich am Theater – suchte. Als dieser ihr jedoch anbot, im Rahmen ihres Praktikums ein Theater für den Menschenrechtstag zu schreiben, war die Sache für Franziska klar.
«Ich bin sehr scheu, wenn ich die Leute nicht kenne, und arbeite lieber hinter den Kulissen», sagt Fränzi, die sich noch genau an ihr erstes Treffen mit der Jugendgruppe Bern erinnert, wo Eric Steffen für sie die Theateridee vorstellte. Für die Gruppe, die sich eben erst formiert hatte, war das Theater eine willkommene Aufgabe. Fränzi übernahm die Regie – auch nach der erfolgreichen Aufführung.
Seit zwei Jahren führt sie jetzt zusammen mit Rahel Grossniklaus die Berner Jugendgruppe. Eine Herausforderung, wie sie sagt. «Es ist nicht immer einfach, alle zu motivieren. Ausserdem habe ich manchmal das Gefühl, dass wir vor lauter Aktivismus unser eigentliches  Ziel – die Message von AI unter die Leute zu bringen – vergessen», sagt sie nachdenklich. «Doch vielleicht bin ich manchmal einfach zu pessimistisch.» Durch ihre Arbeit im Sekretariat habe sie nämlich gesehen, dass auch bei anderen Gruppen keinesfalls alles Sonnenschein sei. An Engagement fehlt es der Jugendgruppe Bern jedenfalls nicht. Als nächstes steht die Organisation des Jugendaktionstages auf dem Programm. «Ich glaube, dass wir das können, aber Respekt haben wir schon davor», sagt sie.
Umso mehr ärgert es sie, dass die Forderung der
Jugendgruppen nach einer Jugendkoordinatorin bei AI ungehört bleibt. «Für anderes wird so viel Geld ausgegeben, aber bei den Jugendlichen wird gespart – dabei sind wir doch die Zukunft von AI», sagt Fränzi und denkt unter anderem an das Geld, das ihre Reise ans ICM nach Mexiko gekostet hat. Dennoch möchte sie die Erfahrung in Mexiko nicht missen. «Es hat mir einen super Einblick in die politische Seite von AI gegeben». Ausserdem habe ihr der Austausch mit Jugendlichen aus aller Welt einen riesigen Motivationsschub gegeben. «Es ist super, zu merken, dass sich weltweit Jugendliche für die gleiche Sache einsetzen», sagt sie.

Filmprojekt

Nach drei Praktikas bei verschiedenen Theaterinstitutionen und einem Jugendmagazin ist Fränzi inzwischen wieder bei AI am Werk – und wieder hat sie sich ein ambitiöses Ziel gesteckt: Ein Film über die Menschenrechte für Jugendliche. «Ich will versuchen, Jugendlichen Menschenrechte zu vermitteln, ohne belehrend zu sein», sagt Fränzi. Am liebsten würde sie eine freie Theatergruppe mit AI-Mitgliedern gründen und sich so für die Menschenrechte engagieren: «Ich würde dann die Arbeit hinter den Kulissen übernehmen», lacht sie.

Erschienen im Magazin AMNESTIE! vom November 2005
Herausgegeben von Amnesty International, Schweizer Sektion